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Marktübersicht Solesprühanlagen für Kompakttraktoren: Keine Schlitterpartie auf Geh- und Radwegen

FS 100 ist auf dem Vormarsch, besonders für Einsätze auf Geh- und Radwegen. Dabei gibt es gerade einmal eine Handvoll Hersteller, die Solesprühaufbauten für Kompakttraktoren anbieten, wie unsere Marktübersicht zeigt (ohne Gewähr auf Vollständigkeit).

Von: Jessica Gsell

Noch vor zehn Jahren galt sie als „Exot“ unter den Streuarten: die reine Sole. Doch für immer mehr Bauhöfe und kommunale Dienstleister entwickelt sich FS 100 zu einer echten Alternative gegenüber Fest- und Feuchtsalz oder auch Splitt. Dabei wird die Sole nicht nur zur präventiven Streuung auf Fahrbahnen eingesetzt – immer öfter werden mit ihr ebenfalls Geh- und Radwege behandelt. Am häufigsten sind dort kleine Geräteträger mit Solesprühanlagen unterwegs. Aber auch Schmalspur- und Kommunaltraktoren werden für diese Einsätze immer beliebter. Da man bei Gehwegen im Regelfall mit einer Breite von 1,50 Meter ausgehen kann, stehen die Herstellern solcher Solesprühaufbauten für Traktoren vor vielfachen Herausforderungen. Zum einen müssen die Winterdienstgeräte von der Breite her relativ schmal sein. Zum anderen beschäftigt sie das Thema Gewicht: Laut Straßenverkehrsordnung (§ 35 Absatz 6) gibt es ein Sonderrecht, das Kleinfahrzeuge auf Gehwegen zulässt, deren Gesamtgewicht – d.h. Traktor, Solesprühaufbau am Heck sowie Frontanbaugerät wie Schneepflug oder auch Kehrbesen – 3,5 Tonnen nicht überschreiten darf. Gleichzeitig muss das eingesetzte Kommunalfahrzeug aber auch die nötige Hubkraft im Heck besitzen. Um diese voll ausschöpfen zu können versuchen viele der Hersteller, ihre Solesprühanlagen zugunsten des Schwerpunkts so nah wie möglich hinter der Fahrerkabine in die Höhe aufzubauen. Denn je weiter das Anbaugerät nach hinten reicht, desto weniger Hubkraft besitzt der Traktor – als Folge reduziert sich auch die Menge an Sole, die mittransportiert werden kann.

In der österreichischen Gemeinde Straß in Steiermark wird schon seit rund acht Jahren im Winterdienst auf reine Sole gesetzt. „Wir verwenden kein anderes Streugut mehr, weder Salz noch Splitt“, berichtet der Leiter des Wirtschaftshofes, Gregor Schaffer. Sein Fazit fällt dabei nur positiv aus: keine Staubentwicklung mehr, wenn im Frühjahr der ganze Splitt wieder entfernt werden muss, keine zusätzlichen Entsorgungskosten. Der Wirtschaftshof in Straß setzt dabei auf die Produkte von Eco Technologies, die auch an Kommunaltraktoren, unter anderem von Kubota und Carraro, für Einsätze auf Geh- und Radwegen aufgebaut sind. Auf den IceFighter® setzt ebenso die österreichische Gemeinde Grödig. Seit vier Jahren sind hier ebenfalls nur noch Sole-Sprühfahrzeuge im Winterdienst zu finden. Besonders auf den Geh- und Radwegen wollte die Gemeinde weg vom Splitt. „Bürger haben sich beschwert, weil es so gestaubt hat“, erinnert sich Karl Schnöll-Reichl vom Bauhof. Anders als beim Festsalz gebe es bei der Sole außerdem keine Salzkörner mehr, die in den Pfoten der Haustiere hängen bleiben. Zwar sei die Anschaffung nicht unbedingt günstig gewesen – schließlich wurde auch eine Soleaufbereitungsanlage benötigt. Aber schon jetzt, mit den fehlenden Kosten für die zusätzliche Frühjahrsreinigung der Geh- und Radwege sowie die bessere Dosierung und Haftung des Streuguts, habe sich die Umstellung auf Sole bezahlt gemacht, sagt Schnöll-Reichl. Mit den Solesprühaufbauten sind in Grödig beispielsweise Kompakttraktoren von John Deere unterwegs. 


Kein zusätzliche Kanal- und Gehwegreinigung im Frühjahr nötig

In der baden-württembergischen Stadt Waiblingen kommen auf den drei Kompakttraktoren des Betriebshofs – zwei Kubota und ein Iseki – Solesprühaufbauten von Fiedler und Epoke zum Einsatz. Auf Geh- und Radwegen wird hier mit einem Kehrbesen an der Front gearbeitet und im Anschluss daran ausschließlich FS 100 ausgebracht. Besonders die Wirkungsweise der Sole haben Ronald Schmidt und sein Team überzeugt. „Die Sole bleibt da wo sie hinfällt auch wirklich liegen, nämlich in den Poren des Asphalts“, berichtet Schmidt. Somit sei eine viel exaktere Dosierung möglich. Durch Fahrradverkehr oder auch das Schuhwerk der Fußgänger gebe es bei Streumitteln aus festem Material sowohl das Problem der Verdrängung an den Rand, als auch der Zermahlung. In beiden Fällen wirkt das Streugut nicht dort, wo es eigentlich sollte. Vielmehr erzeugt es zusätzliche Probleme in Form von Staub und Schmutz sowie verstopfte Kanalabläufe. Deren Reinigung steht dann im Frühjahr noch zusätzlich auf dem Programm.

Diese wegfallende zusätzliche Kanal- und Fahrbahnreinigung lobt auch Georg Günther, Bauhofleiter in Kitzingen. Da in der unterfränkischen Stadt kaum Schnee liegt, setzt man hier ebenfalls auf die reine Sole als Streumittel für Geh- und Radwege. Denn Splitt oder Sand mache nur bei Schnee Sinn, wo das grobe Material für mehr Griffigkeit sorgt. „Besteht dagegen Reifglätte und es wird nur Splitt auf den Asphalt gestreut, dann schaffe ich damit eine zusätzliche Gefahrenquelle“, weiß Günther. Ihre Sole müssen die Kitzinger dabei nicht mithilfe einer Aufbereitungsanlage herstellen. „Wir haben einen eigenen Brunnen, aus dem wir Natursole holen“, berichtet der Bauhofleiter. Da die Natursole zu hoch gesättigt ist, um sie direkt weiter zu verarbeiten, muss Wasser dazugegeben werden. Gearbeitet wird in Kitzingen mit Kompakttraktoren von John Deere sowie Fendt, ausgerüstet mit Solesprühaufbauten von Epoke.

Überschaubare Anzahl an Herstellern

In der Marktübersicht auf den nachfolgenden Seiten haben wir uns auf die Suche nach Solesprühaufbauten für Schmalspur und Kompakttraktoren gemacht, die auf Geh- und Radwegen mit einer maximalen Breite von 1,50 Meter unterwegs sein dürfen und können. Die Zahl der Hersteller ist hier recht begrenzt, da es vornehmlich die kleinen Geräteträger sind, auf die die Solesprühanlagen aufgebaut werden. Hersteller wie Kugelmann befinden sich derzeit noch in der Prototypen-Phase. Und auch Bucher Municipal will in naher Zukunft ein solches Produkt in seinem Portfolio anbieten. Das kroatische Unternehmen Rasco besitzt bereits einen Solesprühaufbau für Kompakttraktoren – allerdings ist ihr Modell LIQUID auf einem Anhänger aufgebaut, der dann vom Fahrzeug gezogen wird.

Übrig geblieben sind so lediglich fünf Hersteller. Sowohl Fiedler als auch Eco Technologies und Aebi Schmidt beschränken sich beim Anwendungsbereich ihrer Solesprühanlagen nicht ausschließlich auf den Winterdienst – sowohl bei der FSSAZ-Serie, als auch bei den IceFighter®-Modellen und der CSP-Reihe des Schweizer Unternehmens lässt sich der Tank im Sommerbetrieb zum Gießen oder Schwemmen umfunktionieren. Epoke Maschinenbau hat unter den Solesprühern, neben seinem eigenen Virtus Basic, auch Produkte des dänischen Herstellers Saltnex im Programm. Für sie wickelt Epoke exklusiv den Vertrieb im DACH-Gebiet ab. Das finnische Unternehmen Hilltip führt ebenfalls Solesprühaufbauten für Kompakttraktoren – laut Unternehmen ist es dabei ohne Probleme möglich, auch ältere Kombistreuer in reine Solesprüher umzurüsten.

Bilder: Hersteller

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