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Marktübersicht Schneefräsen: Direkt durch die weiße Wand

Neben Schneepflug und Streuer gehören Schneefräsen zu den meistgenutzten Anbaugeräten im Winterdienst. Wir schaffen einen Überblick und zeigen die mittlere Leistungsklasse, die an Fahrzeugen von ca. 80 - 140 PS eingesetzt werden kann.

Von: Tobias Meyer

Den ausgewählten Leistungsbereich sehen wir als den im kommunalen Umfeld am häufigsten im regulären Straßenverkehr anzutreffenden: Größere Geräte an Trägerfahrzeugen von 200 PS und mehr kommen vor allem im alpinen Raum vor, die kleineren Varianten sind meist dort im Einsatz, wo es etwas enger zugeht oder nur kompaktere Trägerfahrzeuge vorhanden sind. Prinzipiell sind drei Varianten an Geräten möglich, mit denen der Schnee durch ein Rohr von der Straße geblasen wird: Die klassische Schneefräse arbeitet wie eine Walze, das Werkzeug ist quer zur Fahrrichtung ausgerichtet. Sie kann auch gefrorenes Material zerstückeln, benötigt dafür aber Leistung satt, zudem ist die Wurfweite begrenzt. Bei der Schneeschleuder dagegen ist das Werkzeug propellerartig längs zur Fahrtrichtung ausgerichtet. Damit können große Volumen auch weiter geworfen werden. Dafür funktioniert das System aber nur mit sehr lockerem Schnee. Häufig werden damit beispielsweise Wälle beseitigt, die der Schneepflug am Fahrbahnrand aufgetürmt hat. Schmidt etwa hat die S3.1 im Programm, durch einen Zuführpflug kommt sie auf 2 m Arbeitsbreite. Auch die Bahn setzt diese Technik auf den Schienen mit speziell dafür angefertigten Zügen ein. Die Marke Beilhack – heute ebenfalls Teil der Aebi-Schmidt-Gruppe – baute 2019 für die ÖBB einen 76-Tonnen-Koloss, der mit 2.200 PS bis zu 10.000 Tonnen pro Stunde 40 m weit schleudert.

Die dritte Gerätegruppe vereint Fräse und Schleuder, sie ist inzwischen die am häufigsten angebotene Form und wird daher teilweise von den Herstellern auch Frässchleuder genannt: Die Fräshaspel ist wie gehabt quer verbaut, zusätzlich beschleunigt aber ein Schleuderrad den Schnee im Auswurf, wodurch ebenfalls große Wurfweiten erreicht werden. Hersteller Zaugg gibt hier an, dass der Kunde bei diesen Faktoren auch individuell mitreden kann, da die Maschinen aus einem Baukasten gefertigt werden, wodurch auch Kamine mit ein bis vier Klappen und diverse Getriebevarianten möglich sind. Einige Hersteller sind zudem vorsichtig mit Angaben zu Leistungswerten bei ihren Schleudern, da Wurfweite und Arbeitsvolumen stark vom Schnee abhängen: Pulverschnee fliege laut Trejon gerne 50 m weit, die gleiche Fräse schaffe mit patschnassem Matsch dann aber kaum noch 20 m und muss sich natürlich auch wesentlich mehr anstrengen. Für den Antrieb kann bei den meisten Herstellern zwischen Hydraulik und Zapfwelle gewählt werden. Trejon bietet bei den kleineren Modellen nur den Stummel: Diese sind rein für den Heckanbau ausgelegt, da in Skandinavien an vielen kleineren Schleppern kein Fronthubwerk vorhanden ist. Die größeren HD-Modelle sind aber wahlweise mit Ölschläuchen zu haben und so beispielsweise auch an einem Ausleger einsetzbar.

In extremen Lagen kommen zudem auch komplette Selbstfahrer zum Einsatz, etwa von Boschung: Die Snowbooster-Serie kann stündlich bis zu 5.000 t Schnee beseitigen, Anbaugeräte dagegen schaffen meist nur etwa die Hälfte. Allradlenkung und ein niedriger Schwerpunkt sorgen für Stabilität auf hohen Schneebänken. Denn im Gebirge müssen die weißen Massen in mehreren Schichten abgetragen werden: Auf der 48 km langen Passstraße des Großglockner kommen dafür noch immer vier über 60 Jahre alte Raupenfahrzeuge zum Einsatz und fräsen sich durch insgesamt bis zu 8 m hohen Schnee. Insgesamt werden dabei in jeder Saison 600 - 800.000 m3 bewegt.

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