Grün-/Flächenpflege

Laub effektiv ­aufnehmen

Ohne maschinelle Hilfe lassen sich die jährlich anfallenden Laubberge wirtschaftlich kaum ­beseitigen – auch wenn das aus Umweltschutzgründen umstritten ist. FM hat die Arten der Laubaufnahme untersucht, Kollegen zu ihren Erfahrungen befragt und dabei Nebenwirkungen der Geräte nicht außer Acht gelassen. Einige Maschinen kombinieren Laub- und Müllbeseitigung.

So wichtig Laubbäume für Stadtklima und Lebensqualität sind – ihr Falllaub wird für Verkehrswege und Rasenflächen zum Problem und muss beseitigt werden. Um dies wirtschaftlich zu erledigen, sind Personaleinsatz, Flächengröße, Art der Fläche und Fuhrpark zu bedenken. Die einfachste Variante ist immer noch, das Laub per Hand zu verladen. Man nehme ein halbes Dutzend Mitarbeiter, einen Pritschenwagen und vier Schaufeln. Der Fahrer bleibt gleich sitzen, und der sechste Mann steht auf der Pritsche und tritt in alter Winzertradition das Laub fest.

Wesentlich personalsparender geht es mit Maschinen zur Laubaufnahme. Verwendet man gleich spezielle Technik zum Laubsammeln, entfällt das vorherige Haufen oder Schwaden machen. Ein weiterer Vorteil dieser Maschinen ist, dass sie zum Aufsaugen von Müll eingesetzt werden können.

Grob kann man Laubaufnahmemaschinen in Laubsammler und Laubsauger einteilen. Sammler sind mit einem Saugmund ausgestattet und können flächig liegendes Laub aufnehmen. Sauger sind eher zum Entsorgen von Laubhaufen oder -schwaden gedacht. Das Prinzip ist annähernd gleich: Eine Turbine erzeugt einen Luftzug und saugt das Laub auf. Dieses wird platzsparend zerkleinert und in einen Behälter oder durch ein Auswurfrohr geblasen.

Kleine Laubsauger werden als Saugeinheit oder Laubverladegebläse vertrieben. Sie gibt es als Anhänger oder Pritschenanbauten und sind sozusagen die Einsteigermodelle. Das zusammengetragene Laub wird mit einem handgeführten Saugschlauch angesaugt und über das Auswurfrohr auf die Pritsche oder in einen Container geblasen. Vorteile dieser Maschinen sind, dass sie recht flexibel mit verschiedenen Zug- oder Trägerfahrzeugen und, aufgrund der kompakten Größe, auch auf kleinen Flächen einzusetzen sind. Hinzu kommt eine platzsparende Lagerung außerhalb der Einsatzzeit. Der Antrieb erfolgt per Benzin- oder Dieselmotoren oder per Zapfwellen.

Bei der Stadtreinigung Leipzig sind derzeit 19 Hecksauger der Firma Fischer Maschinenbau im Einsatz. „Sie sind für uns optimal. Wir können sie schnell anbauen, kommen in jede Ecke und auch in den oft beidseitig zugeparkten Straßen in Leipzig haben wir keine Probleme“, erklärt Ute Brückner, die ihre Kollegen in Sachen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit vertritt. Auch in Heidelberg kommen solche Maschinen von Fischer zum Einsatz: „Diese Geräte bringen Erleichterung bei der Laubaufnahme, sie haben aber bei Weitem nicht so einen Stellenwert wie der Kehrsaugwagen“, erklärt Wolfgang Morr vom Landschafts- und Forstamt. Auch Kersten Maschinenbau (deutscher Vertreiber von Votex) und Trilo haben diese Gerätereihe im Angebot.

Auf der demopark in Eisenach stellte die Firma Echo Motorgeräte einen akkubetriebenen Laubsauger mit Fahrantrieb vor. Ein Laubsauger ohne Verbrennungsmotor macht weniger Lärm und stinkt nicht. Das schützt den Anwender, schont die Umwelt und lässt weit mehr Einsatzbereiche zu. Mit diesem Gerät tritt Echo auch gegen die Lithium-Ionen-Akku-Technologie an, denn sie verwenden Blei-Säure-Akkus. Die Technologie kommt aus der Elektrofahrzeugentwicklung und soll sehr sicher sein. Blei-Säure-Akkus gelten nicht als Gefahrgut. Die Laufzeit von 3 h ist für ein Gerät dieser Größe akzeptabel. Ab Herbst kommen die Maschinen auf den Markt und unterliegen dem strengen Urteil der Flächenmanager.

Saugwagen und -container

Wenn die Turbine fest auf einen Anhänger montiert ist, spricht man von einem Saugwagen. Mit gleichem Aufnahmeprinzip und gleichen Antriebsmöglichkeiten wie die Saugeinheiten dient der Wagen zum punktuellen Aufnehmen von Laub. Büßt man durch die Bildung eines Zugs zwar die ­Wendigkeit ein, ermöglicht dieses Gespann aber, auch von größeren Flächen Laub effektiv aufzunehmen. Bei einigen Herstellern kann der Saugschlauch von der Kabine aus gesteuert und in eine automatische Pendelbewegung versetzt werden. Das erspart zwar nicht den zweiten Mann komplett, aber dessen Handanlegen an der Maschine. So kann auch Müll oder Laub, das auf Schwade liegt, relativ zügig aufgesammelt werden.

In Nürtingen wurde ein Saugwagen von Fischer beschafft. „Mithilfe eines fähigen Schlossers und einer fitten Führungsebene konnten wir einen guten Deal machen“, erklärt Rainer Starke, Bereichsleiter der Stadtgärtnerei. „Unsere finanziellen Mittel waren begrenzt und ein neuer Wagen nicht drin. So kamen wir auf die Idee, einen Anhänger von uns zu nehmen und lediglich die Saugeinrichtung dazuzukaufen. Unser Schlosser hat diese dann darauf montiert.“ In der 42 000-Einwohner-Stadt wird der Sauger vorrangig zum Laubsaugen verwendet. Er schafft jährlich 1 200 m³ Laub weg.

Die Möglichkeit des Laubsammelns ist aufgrund der kleinen und baumbestandenen Flächen unrentabel, erklärt Rainer Starke weiter. Kurt Stückle, leidenschaftlicher Fahrer der Maschine, schwört auf den Sauganhänger und erklärt zur Vorgehensweise: „Wir haben mit dem Saugschlauch eine Reichweite von 2 m, das reicht vollkommen. Wir machen Schwaden oder Haufen. Was Besseres gibt es für die kleinen Flächen bei uns nicht!“

Eine Nummer größer sind Saugcontainer. Sie sind eher zum Aufnehmen großer Mengen bestimmt und werden als Anhänger oder als Abrollcontainer angeboten. Meist mit eigenem Dieselmotor versehen, saugen sie nicht nur Laub, sondern sind auch zur Kombination mit diversen Anbaugeräten vorgesehen. So saugen sie zum Beispiel das Schnittgut von Frontmähern auf. Gerade die Abrollcontainer ermöglichen auch eine zügige Müllentsorgung nach Großevents oder das Absaugen von Laub aus Sammelcontainern. Man kann sie daher und auch wegen der Ausmaße eher der Pflege von Straßen und Plätzen als der von Rasenflächen zuordnen. Sowohl Fischer als auch Trilo bieten Abrollcontainer und Anhänger an. Bei Fiedler gibt es den Saugcontainer als Aufbau für den Geräteträger.

Maschinen zum sammeln

Will man sich das arbeitsintensive Zusammentragen vom Laub und Müll erleichtern, kann man Saugeinheiten verwenden, die über einen Saugmund verfügen. Diese Maschinen sind die Allrounder unter den Laub­aufnahmegeräten, da sie meist sowohl mit einem Saugmund als auch mit einem Saugschlauch ausgestattet sind. Der Saugmund ist mit einer Kehrwalze oder einer Bürste gekoppelt, zum Teil kann sie gegen eine Welle mit Schlegelmessern gewechselt werden. Laubsammler gibt es als Anhänger und als Frontanbaugeräte.

Kehrsaugwagen werden vom Schlepper gezogen und nehmen mit ihrem Saugmund das Laub auf (Prinzip Staubsauger). Eine Kehrwalze fördert dabei das Laub oder den Müll in den Mund. Diese Maschinen sind eher bei der Rasen- und Sportplatzpflege einzuordnen. Kersten und Trilo bieten deshalb auch an, die Kehrwalzen gegen Walzen zu tauschen, auf denen Schlegel- oder Vertikutiermesser angebracht werden können. Große Saugwagen sind den Saugcontainern ähnlich und können mit externen Motoren betrieben und ebenfalls mit Frontmähern gekoppelt werden. Zum Teil sind die Saugwagen mit Saugschläuchen ausgestattet, die auch in eine Pendelbewegung gebracht werden können.
In Heidelberg werden die als Liegewiesen und Festmeile genutzten Neckarwiesen mit einem Trilo-Saugwagen gereinigt. Wolfgang Morr vom Landschafts- und Forstamt kommt bei diesem Gerät nicht mehr aus dem Schwärmen: „Das ist genau die richtige Maschine für unsere Bedürfnisse! Mit der Saugleistung können wir die Uferbereiche bequem von Laub, Müll und Glasscherben reinigen. Es ist auch eine Lösung für ein weiteres Problem – den Kot der Kanadischen Wildgänse, die sich seit einigen Jahren hier ausbreiten. Den Kot konnten wir mit unseren alten Kehrmaschinen vorher nicht aufnehmen.“

Der Maschinenbaustudent Moritz Kleineberg ist einer der Freiwilligen, die erst auf dem Haldern Pop Festival in Rees-Haldern feiern und danach die Flächen saubermachen. Mit einem von Kersten Maschinenbau bereitgestellten Votex-Saugwagen reinigte er die Parkplätze und den Zeltbereich. „Ohne Saugen würden wir gar nicht mehr arbeiten. Per Hand haben wir sonst mindestens drei Tage gebraucht, diesmal haben wir es in einem geschafft.“ Aber: „Bei ins Gras getretenen Bier­deckeln und Dosenlaschen versagt die Bürste, da wären Federzinken angebrachter.“

Frontanbaugeräte auch ohne Turbine

Im Bereich der Frontanbaugeräte ist Fiedler stark vertreten, lediglich Trilo bietet ebenfalls einen Frontsauger für den Unimog an. Fiedler hat verschiedene Varianten im Angebot: einen Saugmund, der eine externe Turbine braucht; einen Laubsauger, der nur einen Aufnahmebehälter benötigt; und einen Laubsammler, der auch mit Federzinken arbeitet. Alle Frontanbaugeräte kommen an die Anbauplatte und führen das Laub über einen Schlauch in einen Behälter. Der Vorteil des Saugmunds ohne Turbine ist die bessere Sicht auf den Arbeitsbereich. Steffen Fiedler gibt aber zu, dass diese Maschine eher weniger vertrieben wird. „Der Saugmund macht vielleicht 10 % der verkauften Laubaufnahmegeräte aus. Die anderen Geräte werden gleichrangig nachgefragt.“

Alle Anbaugeräte haben einen Bürstensatz, der das Laub besser in den Saugmund führen soll. Interessant ist der Laubsammler FLA 1301, dieser nimmt das Laub nicht durch Saugen, sondern durch Kehren auf und fördert es erst danach durch den Luftstrom weiter. Mit Bürsten oder Federzinken werden Laub und Müll aufgenommen, Steine und Feinteile bleiben liegen. In der Robert-Schumann-Kaserne in Müllheim ist man mit diesem Gerät ziemlich zufrieden: „Man kann nicht meckern“, bringt es Georg Mayele von der Standortbetreuung auf den Punkt. „Höchstens ein kleiner Kehrbesen an der Seite würde das Gerät noch abrunden. Dann kann man auch den Dreck vom Randstreifen besser aufnehmen.“ Am Standort Müllheim werden mit diesem Anbaugerät aber eher befestigte Flächen gereinigt. „Wir fahren meistens mit dem Kehrbürstensatz über Asphalt und Betonwege, die Federzinken nehmen wir dann vor allem, wenn wir auf Grünland Laub sammeln. Sonst nutzen die sich so schnell ab.“ Dieses Problem ist auch Fiedler bekannt. Der Hersteller will demnächst zu den Federzinken zusätzlich Gummizinken aus verschleißarmem Polyurethan anbieten.

David Zimmerling, Nürtingen
(c) FM online, 27.9.13

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