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Kompetenzzentrum Bayreuth gibt technische Standards vor – Fachleute der „Autobahn GmbH“ schaffen Ausschreibungsbasis

Von: Michael Loskarn

Siegfried Beck ist sich seiner Verantwortung durchaus bewusst: Seit Oktober vergangenen Jahres leitet der Oberfranke in der Wagner-Stadt das neu gegründete „Kompetenzzentrum Technik im Straßenbetriebsdienst“ der Autobahn GmbH des Bundes. Er bekleidet damit eine Schlüsselposition, wenn es darum geht, mit welchen Fahrzeug-Anbaugeräte-Kombinationen zukünftig die Mitarbeiter der Straßenmeistereien auf deutschen Autobahnen für freie Fahrt sorgen.

Souveräne Ruhe strahlt der 60-Jährige aus, der aufmerksam-entspannt hinter seinem wuchtigen Eck-Schreibtisch sitzt. Bereits nach den ersten Sätzen zu seiner bisherigen Vita wird deutlich weshalb: Ein gerüttelt Maß an Erfahrung bringt der Leiter des neu geschaffenen Kompetenzzentrums Technik der Autobahn GmbH in die Funktion mit ein. Hier wirkt ein Fachmann, der beide Seiten in Sachen Straßenbetriebsdienst auf Autobahnen kennt – sowohl die technische als auch die aufgabenspezifische. Bereits als junger Bau-Ingenieur leitet Beck das Sachgebiet Straßenbetriebsdienst und Verkehr bei der Bayerischen Straßenbauverwaltung. Während seiner Zeit bei der Autobahndirektion Nordbayern stampft er für den Freistaat Bayern in Nürnberg eine Zentralstelle für den Straßenbetriebsdienst aus dem Boden, die er im Anschluss auch leitet. Themenschwerpunkte: Fuhrpark, Leitlinien sowie Kennwerte für das Controlling. Nach acht Jahren wechselt der Vater einer Tochter für weitere neun Jahre in den „originären Aufgabenbereich eines Staatlichen Bauamtes als Abteilungsleiter für Bauen, Planen und Verwaltung der Straßen“, bis ihn im Jahr 2020 die Anfrage der Autobahn GmbH „ereilt“, ein Kompetenzzentrum Technik Straßenbetriebsdienst aufzubauen und zu leiten. Im Fokus sollen der Fuhr- und Gerätepark des Betriebsdienstes der GmbH des Bundes stehen.

Beck sagt zu. Seit 01. Oktober vergangenen Jahres zeichnet der Trebgaster zusammen mit seinem dreiköpfigen Team verantwortlich, wenn es um die Technik aber auch um die Wirtschaftlichkeit des Autobahn-Fuhrparks geht. Für zentrale Ausschreibungen sowie den zentralen Einkauf – beides über Abteilungen der Autobahn GmbH in Berlin geregelt – erarbeiten die Bayreuther adäquate Leistungsbeschreibungen der geeigneten Fahrzeug-Anbaugeräte-Kombinationen. Ganz offiziell übrigens seit 01. Januar dieses Jahres, denn seither agiert die Autobahn GmbH des Bundes eben auch deutschlandweit. Organisatorisch untersteht das Kompetenzzentrum dem von Gerd Riegelhuth geleiteten Geschäftsbereich Verkehr, Betrieb und Straßenverwaltung sowie der wiederum darunter angegliederten Abteilung Betriebsdienst, der Andi Apfelstädt vorsteht. Dieser Bereich gliedert sich letztlich in drei „Fachsäulen“ auf: in den operativen und strategischen Betriebsdienst, in das Kompetenzzentrum Technik und in den Fachbereich Straßenverwaltung.


Techniksektor mit Betriebsdienst eng verknüpft

Trotz eines sehr gut funktionierenden „Dreiklangs“ dieser Fachbereiche, sei Becks „Techniksektor“ insbesondere mit dem operativen und strategischen Betriebsdienst „eng verknüpft“. Hintergrund: Welche Maschinen- und Gerätekonfigurationen letztlich wirtschaftlich oder sinnvoll sind, hängt massiv vom jeweiligen Anforderungsprofil des Betriebsdienstes bzw. der Straßenmeistereien ab. „Diese Zusammenführung des Anforderungsprofils aus den betrieblichen Belangen und dem Fuhr- und Gerätepark, also, die geeigneten Geräte und Maschinen den Niederlassungen vorzuschlagen, und bedarfsweise die Leistungsbeschreibung zu erstellen – das ist unsere Aufgabe“, erläutert Beck. Denn, Ziel der Autobahn GmbH sei es, in der Bundeshauptstadt die Bedarfsanforderungen aus den zehn bundesweiten Niederlassungen zu bündeln und in „formale Ausschreibungen zu gießen“, die letztlich in Aufträge in Richtung Hersteller münden. Im Rahmen dieser Verträge aktivieren wiederum die Niederlassungsleiter auf Basis ihres jeweiligen Haushaltsbudgets die entsprechenden Bestellungen.

Konkretes Beispiel – „Masteraufgabe Winterdienst“: Derzeit stünden neue Lkw zur Ausschreibung an, so der Franke. Will heißen: Es geht darum – je nach Anforderungs- und Wetterprofil – gewichtsoptimierte Fahrgestelle der diversen Anbieter mit reichlich Nutzlast und passenden Pflug-Streuer-Kombinationen zu bestimmen. Immer in Bezug auf Gewichte und Einzelachslasten sowie Streuer- bzw. Pflugart und -typ. Masteraufgabe deshalb, weil, „auch wenn der Schnee überall weiß ist“, es schwierig genug sei, den unterschiedlichsten Anforderungen aller deutschen Autobahnmeistereien gerecht zu werden. Ohne „ausgiebige Kommunikation“ sowie „Informationsdurchgängigkeit“ gehe da gar nichts.

Konfigurationsportfolio an „machbaren Kombinationen“

Aber auch ohne entsprechende Berechnungsprogramme ginge gar nichts. Schließlich beziehen die Experten nicht nur die diversen Maschinen- und Gerätedaten aller in Frage kommenden Hersteller aus ganz Europa mit ein. Nein, auch Querschnitte der Autobahnen, Anzahl der Fahrstreifen, der Anschlussstellen, der Autobahnkreuze bzw. -dreiecke sowie Breiten der Verbindungsrampen fließen unter anderen in die Rechenmodelle mit ein. Letztlich spuckt der Computer ein Konfigurationsportfolio an „machbaren Kombinationen“ aus, die die Bayreuther in Leistungsbeschreibungen packen – als Basis für die produktneutralen, europaweiten Ausschreibungen. Doch es geht Beck & Co. auch nicht allein darum, ständig mit Argusaugen auf die aktuelle Technik und deren Eignung zu schauen. Vielmehr verstehen die Mitglieder des Kompetenzzentrums ihre Aufgabe auch darin, durch die eigene Kenntnistiefe gemeinsam mit den Hersteller Weiterentwicklungen anzuschieben. Eigene Tests bzw. Erprobungen tun hier in Zukunft ihr Übriges.

Apropos Zukunft: Neben dem ständigen Blick auf Weiterentwicklungen auf dem Markt, gelte es auch Reklamations- und Mängelhäufungen bei einzelnen Maschinen in den Niederlassungen im Fokus zu haben, um entsprechende Verbesserung bei den OEM gebündelt vorantreiben zu können. Und, „alternative Antriebe ist ein ganz großes Thema, das uns in der Zukunft beschäftigt“, konstatiert Beck und schiebt nach: „Für unseren Betriebsdienstfuhrpark haben wir bereits eine Potenzialanalyse zur E-Mobilität erstellt.“ Entspannt-souverän lehnt sich der Chef zurück, verschränkt seine Arme und sagt: „Letztlich werden wir in Tests eigene Erfahrungen sammeln. Denn, wir müssen uns diesen Themen stellen, um Potenziale zu heben.“ Wie gesagt, Siegfried Beck ist sich seiner Verantwortung durchaus bewusst.

Fotos: Michael Loskarn; Die Autobahn GmbH des Bundes (3)
 

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