Kassel. 60 Prozent mehr Einsatzstunden im Winterdienst, zwei Drittel mehr Salz und doppelt so viel Splitt haben die Stadtreiniger in der vergangenen Wintersaison 2009/2010 im Vergleich zur vorigen gebraucht.
Die Kosten für die vielen Einsätze und das Streumaterial muss die Stadt Kassel tragen, die verpflichtet ist, den Winterdienst sicherzustellen. Nach Angaben von Hans-<WBR></WBR>Jürgen Schweinsberg, Pressesprecher der Stadt Kassel, sind 1,3 Millionen Euro sowohl im Haushalt 2009 als auch 2010 für den Winterdienst vorgesehen. Die Rechnung der Stadtreiniger für das Jahr 2009 stehe noch aus. Wegen der starken Schnee-<WBR></WBR> und Eisperioden Anfang dieses Jahres und auch zu Beginn des Vorjahres rechne man aber mit Nachzahlungen, sagt Schweinsberg.
Puffer für Nachzahlungen
Deshalb seien im Stadtetat 2011 zwei Millionen für den Winterdienst angesetzt worden. Die Einwohner werden in Kassel nicht über direkte Gebühren an den Kosten beteiligt.
Während andere Städte und Gemeinden in der Region wegen eines bundesweiten Salzmangels während des heftigen Wintereinbruchs in den ersten Monaten des Jahres teilweise nicht mehr streuen konnten, seien die Stadtreiniger glimpflich davongekommen, erinnert Pressesprecherin Birgit Knebel. Man habe lediglich Anfang Februar eine Woche lang einen Salzengpass gehabt.
Mehr Splitt auf Lager
Obwohl man nicht davon ausgehe, dass sich eine ähnliche Situation wie zu Jahresbeginn wieder einstelle, als in ganz Deutschland gleichzeitig heftige Schneefälle herrschten und die Salznachfrage enorm war, hätten die Stadtreiniger für den kommenden Winter vorgebeugt, sagt Knebel. Das Splittlager wurde bereits im Sommer um 50 Tonnen auf 150 Tonnen erweitert, um eine Alternative zum Salz zu haben. Zugleich seien alte Winterdienstfahrzeuge umgerüstet worden, um Splitt streuen zu können – die modernen Wagen sind nur für Salz und Lauge geeignet.
30 000 Liter Lauge bevorraten die Stadtreiniger in zwei Tanks, und das Salzlager auf dem Gelände Am Lossewerk ist bereits mit 1000 Tonnen Streusalz gefüllt, berichtet Birgit Knebel. Hinzu kommen 200 Tonnen im Salzsilo.
„Unsere Taktik, das Lager immer relativ voll zu halten, hat sich insbesondere im vergangenen Winter bewährt“, sagt Knebel. Sobald 200 bis 300 Tonnen verbraucht seien, bestelle man beim Deutschen Straßendienst nach.
Falls es dennoch wieder zu Engpässen bei der Salzbelieferung komme, solle künftig frühzeitig der Streuplan umgestellt werden, um zu sparen, bevor absolute Ebbe eintritt.
Sobald sich nur noch 300 Tonnen im Lager befinden sollten, trete ein Frühwarnsystem in Kraft: Dann sollen nur die gefährlichen und verkehrswichtigen Straßen mit Feuchtsalz (70 Prozent Salz, 30 Prozent Lauge) gestreut werden. Die anderen Strecken sollen lediglich geräumt und bei Bedarf mit abstumpfenden Mitteln wie Splitt gestreut werden.