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Kärcher: Kampf dem Unkraut

Wie Kommunen dem sprießenden Grün Herr werden können

Mit unglaublicher Kraft drücken sich Löwenzahn, Distel & Co. durch Straßen- oder Gehwegdecken, kämpfen sich durch Ecken, Fugen und Ritzen. Dem wirkungsvoll zu begegnen, ist für Kommunen eine große Herausforderung. Es gibt zwar chemische Produkte, doch diese sind eher umweltbelastend und im öffentlichen Raum nur eingeschränkt verwendbar. Regelmäßiges Kehren, Lösungen mit Heißluft, Wasserdampf und Heißwasser sowie mechanische Besen sind Alternativen, die in anderen Ländern teilweise seit langem bewährt sind. Doch was funktioniert in welcher Wachstumsphase und bei welchem Untergrund am besten? Und wie hängen die Methoden, der individuelle Anspruch an die Sauberkeit und die zur Verfügung stehenden Ressourcen zusammen? Fakt ist: Das Unkraut kommt wieder, es gibt kein Wundermittel. Wer aber seine Planung an den jeweiligen Bedarf anpasst, gelangt effizient und nachhaltig zum gewünschten Ergebnis.

Phase 1: Zur Vorbeugung – regelmäßiges Kehren.
Vorbeugung ist die beste Medizin, um sich der Ausbreitung von Unkraut zu erwehren. Wer vollständig verhindern möchte, dass sich beispielsweise an Straßen das Unkraut in der sogenannten Bitumenschicht zwischen Asphalt und Bordstein einnistet, kommt um regelmäßiges Kehren nicht herum. Denn dadurch werden Staub und Schmutz, die in Verbindung mit Regenwasser einen guten Nährboden für Unkraut bieten, ebenso beseitigt wie die Samen der Pflanzen.

Um das gewünschte Ergebnis zu erzielen, ist es wichtig, die natürliche Wachstumskurve der Pflanzen im Blick zu behalten: In der ersten Wachstumsphase von März bis Mai entfaltet sich das Grün sehr stark. Aufgrund sommerlicher Hitze in den Monaten Juli/August stagniert die Entwicklung, bevor sie in der zweiten Wachstumsphase im Herbst noch einmal zunimmt, ehe im Dezember die Winterruhe beginnt. Während der beiden Wachstumsphasen werden jeweils acht Arbeitsdurchgänge mit Saugkehrmaschinen empfohlen – in Zeiten des Pollenflugs können sogar tägliche Einsätze sinnvoll sein. Die Vorteile regelmäßigen Kehrens liegen auf der Hand: Straßen und Wege sind immer sauber, die Feinstaubbelastung wird reduziert, und das Unkraut kann gar nicht erst wachsen, weil die Samen mit abgenommen werden. Durch die notwendige Einsatzhäufigkeit ist jedoch ein hoher maschineller und personeller Aufwand einzukalkulieren.
 
Phase 2: In der frühen Wachstumsphase – Heißluft.
Wer sich etwa aus Ressourcengründen gegen regelmäßiges Kehren entscheidet, hat je nach Entwicklungsstufe des Unkrauts verschiedene Lösungen zur Auswahl. Generell gilt: Je stärker die Pflanze – insbesondere die Wurzel – ausgeprägt ist, desto höher ist der Anspruch an die Beseitigung.

Ist das Unkraut noch nicht hoch gewachsen, eignen sich thermische Verfahren. Bis zu 450 °C heiße Luft oder Flammen sollen es regelrecht austrocknen. Samenkrusten werden aufgesprengt und können keine neuen Triebe mehr produzieren. Allerdings ist Unkraut sehr robust: Es entsteht zwar durch die Hitze eine oberflächliche Verbrennung der Pflanze; sie reicht nicht zwingend bis zur Wurzel, weshalb sich das Unkraut wieder erholen kann.

Verfügbar sind Heißluftlösungen entweder als Handgeräte oder als Anbaugeräte für kommunale Geräteträger. Notwendig sind im Schnitt acht Durchgänge pro Wachstumsphase. Ein täglicher Einsatz ist nicht erforderlich. Der Aufwand ist somit geringer als beim Kehren, aber zwischen den einzelnen Anwendungen wächst das Unkraut wieder, was man in diesem Fall hinnehmen muss. Zudem gilt es zu beachten, dass Heißluftlösungen nur dann verwendet werden sollten, wenn kein naheliegendes Grün sich entzünden und für Wald- oder Innenstadtbrände sorgen kann.

Phase 3: Im vollen Wachstum – Wasser und Wasserdampf.
Wo ein höheres Wachstum des Unkrauts nicht besonders stört, kann die Beseitigung noch später im Jahr beginnen. In diesem Fall ist Heißwasser die effektivste Methode. Das Wasser wird auf bis zu 99 °C erhitzt und entwickelt so – entgegen heißer Luft, die lediglich die Pflanze erreicht – eine gewisse Tiefenwirkung bis zur Wurzel, wodurch die Pflanze zerstört werden kann. Nach der Behandlung mit Heißwasser sieht das Unkraut aus wie blanchierter Spinat; zwei bis drei Tage später hat es sich rückgebildet.

Empfohlen werden drei Durchgänge in der Wachstumsphase, für Anwender also nochmals eine deutlich reduzierte Einsatzhäufigkeit. Von Nachteil ist allerdings, dass man das Unkrautwachstum länger hinnehmen muss. Verfügbar sind am Markt sowohl Anbaugeräte für kommunale Geräteträger als auch Aufsätze für Lanzen, die als Zubehör für Heißwasserhochdruckreiniger verwendet werden. Letztere eignen sich vor allem für schwer zugängliche Stellen wie Mauern und Nischen.

Alternativ zu heißem Wasser kann über Anbaugeräte auch heißer Wasserdampf eingesetzt werden. Im Vergleich zu Heißwasser wird auf die Gesamtfläche gesehen weniger Wasser benötigt, da die Pflanzen lediglich benetzt werden. Zu beachten ist jedoch, dass aus diesem Grund die Hitze nicht bis zur Wurzel vordringt, um sie zu zerstören. Somit ist die Wirkung weniger nachhaltig, und es sind häufigere Wiederholungen notwendig.

Ob Heißluft, heißer Dampf oder heißes Wasser – einen Vorzug haben alle thermischen Methoden: Sie sind auch auf wassergebundenen Wegen, beispielsweise auf Schotter oder auf dem roten Sand von Sportplätzen anwendbar, wo Kehrmaschinen nicht zum Einsatz kommen können.

Phase 4: Bei besonders tiefen Wurzeln – Besen aus Stahl.
Wachsen Wegerich und Löwenzahn schon einen halben Meter in den Weg hinein und haben sich mit tiefen Wurzeln richtig festgesetzt, ist nur noch auf die mechanische Leistung mittels Kehrmaschine und Zubehör wie Unkrautbesen Verlass. Kraftvolle Zöpfe aus Stahl reißen das Grün mitsamt Wurzel aus dem Boden. Diese Art der Unkrautbeseitigung ist unabhängig von der Beschaffenheit des Untergrunds effektiv; wird eine Saugkehrmaschine eingesetzt, werden die Pflanzenreste im selben Schritt aufgenommen.

Der erste Einsatz erfolgt erst dann, wenn das Unkraut eine Höhe erreicht hat, die ein Eingreifen erforderlich macht. Die Häufigkeit basiert auf der individuellen Entscheidung der jeweiligen Kommune. In jedem Fall werden deutlich weniger Durchgänge benötigt als bei allen anderen Methoden. Zu berücksichtigen ist, dass das hochstehende Unkraut mit tiefen Wurzeln die Seitenbelastung an den Besenarmen und an der Anbindung zwischen Anbaugerät und Fahrzeug erhöht. Zudem gilt es, das nötige Durchhaltevermögen beim Anblick des sprießenden Grüns an den Tag zu legen und eventuelle Schäden, die die Pflanzen an Straßen- oder Gehwegdecke anrichten, in Kauf zu nehmen.


Blick über den Tellerrand: Vorreiter Holland und Dänemark.
Länder wie Holland und Dänemark arbeiten schon seit längerem daran, den Einsatz von Chemie zu reduzieren, und nehmen dabei eine Vorreiterrolle ein. Viele Lösungen im Bereich Heißwasser und Heißwasserdampf sind dort sehr weit entwickelt und am Markt etabliert. Dies zeigt Kommunen in Deutschland, dass andere Modelle möglich sind, auch wenn die Umstellung derzeit mit einigem Aufwand verbunden ist. Ein generelles Umdenken ist notwendig, denn mit den Alternativen zu chemischen Mitteln ist ein Einsatz pro Jahr nicht mehr ausreichend. Doch durch gute Planung, eine Abstimmung der eingesetzten Methode auf den individuellen Bedarf und die Unterstützung erfahrener Hersteller lässt sich die neue Herausforderung in vertretbarem Rahmen meistern.

Wildkraut, Unkraut? Eine Begriffsklärung.
Unkraut ist kein schöner Begriff, Unkrautbeseitigung kein freundliches Ansinnen. Nur wann werden Pflanzen zu Unkraut? Genau jene Gewächse, die zum Beispiel am Rand eines Getreidefeldes für Begeisterung sorgen, sind nicht mehr gern gesehen, wenn sie sich durch die Gehwegdecke kämpfen. Und so wird aus Wildkraut nach landläufiger Definition in dem Moment Unkraut, in dem das frische Grün vom Menschen als störend empfunden wird oder es die Infrastruktur, also Wege und Straßen, beschädigt.

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