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29. Mai 2018

Interview-Reihe 2018: Was die neuen MWR-Mobilbagger von Mecalac mit (k)einem Schaukelpferd verbindet

Interview-Reihe 2018: Was die neuen MWR-Mobilbagger von Mecalac mit (k)einem Schaukelpferd verbindet

Seit knapp 45 Jahren hat sich das französische Unternehmen der Herstellung von mitunter einzigartigen Baumaschinen verschrieben. Ihre neueste Entwicklung kommt nicht nur weltweit an. Sie ist auch ein Paradebeispiel für die ganz eigene Art der Ideenfindung

Ob Weltkonzern oder mittelständisches Unternehmen – es ist gerade die Vielfalt an Herstellern von kommunalen Maschinen und Geräten, die den Markt für die Nutzer so interessant macht. Doch welche Erfolgsgeschichte steckt eigentlich hinter dem Unternehmen? Wo nehmen sie ihre Ideen und Inspirationen her? Und auf welche Produkte können sich unsere Leser in Zukunft freuen? In unserer Interview-Reihe 2018 stellen wir Ihnen dazu in regelmäßigen Abständen die unterschiedlichsten Betriebe vor. In Annecy, direkt am saubersten See Europas, hat das französische Unternehmen Mecalac – der Name heißt passenderweise übersetzt „Die Mechanik des Sees“ – seinen Sitz. Angefangen mit Baggern, umfasst das Portfolio der Mecalac Group heute auch Lader, Kipper, Baggerlader sowie Verdichtungsgeräte. Wir sprachen mit Patrick Brehmer (40), verantwortlich für Marketing, Produktmanagement und industrielles Design, über die oftmals einzigartigen Maschinenkonzepte des Unternehmens, die Fokussierung auf den innerstädtischen Bereich und warum gerade der Vergleich eines Mobilbaggers mit einem Schaukelpferd 2017 zur Markteinführung der erfolgreichen MWR-Reihe geführt hat.

Herr Brehmer, welche Schritte in der Entwicklungsgeschichte von Mecalac haben Ihrer Ansicht nach maßgeblich zum Erfolg des Unternehmens beigetragen?

Ein großer Schritt war auf jeden Fall 1994 die Markteinführung des 12 MX. Mecalac-Maschinen waren schon immer ein tolles Konzept. Aber Anfang der 90er Jahre, als Henri Marchetta die Firma übernommen hat, wurde zudem noch viel in Richtung Industrialisierung und Professionalisierung der Werke getan. Ein zweiter wichtiger Schritt war die Integration von Ahlmann Baumaschinen 2001. Ab diesem Zeitpunkt hat Mecalac nicht mehr bloß Bagger hergestellt, sondern auch sehr innovative Rad- und Schwenklader. Ein dritter bedeutender Schritt wäre für mich der Beginn der Internationalisierung im Jahr 2010. Als treibende Kraft trat hier vor allem Alexandre Marchetta, der Sohn von Henri Marchetta, auf. Früher war Mecalac hauptsächlich auf Europa orientiert. Durch neue Konzepte wie den MCR wurde unser Export dann aber immer größer. Und der vierte nennenswerte Schritt ist für mich die Integration von Terex Coventry im vergangenen Jahr. Ab da hatten wir plötzlich nicht mehr nur zwei, sondern – mit Dumper, Baggerlader und Kompaktoren – gleich fünf Baureihen in unserer Produktpalette für den innenstädtischen Bereich. Mecalac ist ein sehr dynamisches Familienunternehmen, das einfach Lust hat, immer weiter vorwärts zu gehen.

Wieso fiel im Zuge der Internationalisierung dann 2012 die Entscheidung, die Ahlmann Baumaschinen GmbH vollständig in Mecalac Baumaschinen GmbH umzutaufen?  

Solange Ahlmann in Europa verkauft wurde, war die Sache relativ einfach. Aber als wir uns dann auch in Richtung Amerika, Australien und Mittlerer Osten orientiert haben, war es an der Zeit, unsere Marke zu optimieren.  Denn es ist mit nur einer Marke um einiges einfacher, sich auf der ganzen Welt einen Namen zu machen.  

Mecalac ist vor allem für davor noch nicht dagewesene, neuartige Produkte bekannt. Wie z.B. den weltweit ersten Radlader mit leistungsgeregeltem, hydrostatischem Fahrantrieb oder den weltweit kompaktesten Schwenklader. Welche Weltneuheiten stammen noch aus dem Hause Mecalac?

Ich würde sagen, dass trifft auf fast jedes Produkt von Mecalac zu (lacht). Wir haben mit dem AS 210 den größten und mit dem AS 50 den kleinsten Schwenklader der Welt. Eine Innovation ist auch unser 12 MTX, eine Fusion aus Bagger und Radlader. Der 12 MTX ist ein Bagger mit einem knickgelenkten Unterwagen. Die Maschine ist die einzige auf der Welt, bei der der Arm zum Baggern, Laden und Stapeln verwendet werden kann. D.h., wir haben hier vier Maschinen in einer: einen Bagger, Lader, Stapler und Geräteträger. 2006 brachten wir dann die MCR-Baureihe heraus. Hier war es auch das erste Mal, dass wir einen Kettenbagger und einen kompakten Lader miteinander verschmolzen haben. Und auch die im letzten Jahr auf den Markt gekommene MWR-Baureihe ist eine neue Art von Maschine. Dafür haben wir uns auf der ganzen Welt umgeschaut und festgestellt: Ein Kompaktbagger auf Ketten ist zwar stabil und besitzt einen einfachen Einstieg, aber er ist weder mobil, noch vielseitig. Ein Baggerlader dagegen ist vielseitig und mobil, aber überhaupt nicht kompakt, weil er sich nicht drehen kann. Und ein Mobilbagger ist zwar mobil, aber der Einstieg ist extrem schwierig, weil er sehr hoch liegt. Zudem ist ein Mobilbagger kompliziert zu fahren und unstabil, aufgrund des zu hoch liegenden Schwerpunkts. Mit unserer MWR-Baureihe haben wir nun einen Mobilbagger geschaffen, der genauso kompakt, leicht zu fahren und einfach vom Einstieg her ist, wie ein Kettenbagger, aber auch immer noch so mobil, wie jeder andere Mobilbagger.  

Wo nehmen Sie eigentlich Ihre ganzen Ideen für diese Neuentwicklungen her?

Wenn wir uns dafür nur den Markt und die Statistiken anschauen würden, wäre das im Grunde so, als würde man beim Auto immer nur in den Rückspiegel blicken. Und fragt man zudem die Kunden, was sie wollen, dann nennen sie meist dasselbe Produkt, nur eben immer noch ein bisschen billiger und schneller. Das hat schon Henry Ford gesagt. Wir sind stattdessen sehr viel bei unseren Kunden vor Ort und schauen uns an, wie die Baustellen organisiert sind, wer am meisten mit den Maschinen arbeitet und welche Probleme es dabei gibt. Dieser Input fließt dann als Funktion in die Entwicklung mit ein. Wir wollen nicht einfach Maschinen in allen Größen herstellen und die Regale damit füllen. Unsere Idee ist immer: Wenn wir ein Produkt herausbringen, wollen wir damit ein Problem des Kunden lösen. Oftmals sind das Probleme, an die der Kunde noch gar nie gedacht hat. Bevor wir die MCR-Baureihe herausgebracht haben, hat uns nie jemand gesagt, dass sein Kettenbagger zu langsam ist, weil alle Kettenbagger der Welt nun mal langsam sind. Oder, dass sein Mobilbagger unstabil ist – wegen der Reifen und Pendelachse war das einfach so. Aber wir als Hersteller müssen diese Probleme heraushören, wenn wir mit den Kunden sprechen und anschließend Lösungen finden. Dabei muss man allerdings auch immer das richtige Maß treffen. Wenn man nicht weit genug geht mit den Innovationen, dann ist man wie die anderen. Und wenn man zu weit geht, dann verliert man den Kunden. Mecalac ist in der Entwicklung sehr stark. Nicht umsonst fließen sechs Prozent unseres Umsatzes in diesen Bereich und sind zehn Prozent von unseren insgesamt 850 Mitarbeitern hier tätig.

Bei Ihrer gesamten Produktpalette liegt der Schwerpunkt auf dem innerstädtischen Bereich. Warum?

Immer mehr Leute wohnen in den Städten. Dort ist die Zukunft. Die Arbeiten in den Städten schließen heutzutage nicht nur den Neubau, sondern immer mehr auch Renovierungen mit ein. Bei letzteren Arbeitseinsätzen hat man immer weniger Platz – also wird nach kompakten Produkten verlangt. Zudem will man hier Maschinen, die vielseitig eingesetzt werden können, d.h. das ganze Jahr über arbeiten. Deshalb kommt unser teleskopischer Schwenklader, der AS 900 télé, auch so gut an. Hierbei handelt es sich um einen Lader mit einem Schwenkteleskop. Dadurch kann man die Maschine auch zum Mähen oder im Winter zum Schneeschippen einsetzen. Ebenso wichtig ist auch die Mobilität der Maschinen, da es in den Städten oftmals nicht nur eine Baustelle gibt.

Für welche Einsatzbereiche sind Ihre Maschinen überhaupt gedacht?

Viele Maschinen gehen zu den großen Dienstleistern und werden dort für alle Arten von Arbeiten eingesetzt. Aber auch in den Kommunen und im Galabau sind unsere Maschinen sehr gefragt. Ganz grob kann man sagen, bei allen Arbeiten, die in einer Stadt anfallen, wie Tiefbau, Hochbau, Galabau oder auch Recycling, finden sich Maschinen von Mecalac. Denn am Ende sind in jedem Bereich Vielseitigkeit und Platzmanagement wichtige Voraussetzungen – und die erfüllen unsere Maschinen. Darüber hinaus gehört auch der Wegebau zu unseren Aufgabenbereichen.

Die im vergangenen Jahr vorgestellte MWR-Baureihe bringt doch punktgenau all das mit, was sich Kunden von einer Maschine für den Kommunaleinsatz wünschen?

Das stimmt, diese Baureihe ist hier besonders stark. Mit ihr haben wir direkt vier verschiedene Größen auf den Markt gebracht: einen 7-, 9-, 11- und 15-Tonner. Der 7-Tonner ist sehr beliebt in den Kommunen, da er nicht nur preislich, sondern auch durch seine Vielseitigkeit und Kompaktheit überzeugt.

Gibt es bereits Angaben hinsichtlich der verkauften Stückzahlen?

Was ich sagen kann ist, dass wir vergangenen September angefangen haben, die MWR-Baureihe auszuliefern und es seither sehr gut läuft. Uns hat besonders überrascht, dass sich der neue Mobilbagger in allen Ländern sehr gut verkauft. Das ist bei einem solchen Produkt nicht immer selbstverständlich. Wir erhalten sehr gutes Feedback aus Frankreich und Deutschland. Und sogar aus England und Amerika, obwohl das normalerweise keine starken Märkte für Mobilbagger sind. Doch genau hier steigen die Kunden jetzt vom Baggerlader auf den MWR um. In anderen Ländern wechseln sie vom Kompaktbagger zum MWR.

Wo in Europa und dem Rest der Welt kommen Ihre Produkte überall zum Einsatz?

Momentan kommen unsere Produkte stark in Europa zum Einsatz. Aber wir organisieren uns ständig, um unsere Entwicklung in anderen Regionen wie Nord- und Südamerika, Afrika oder auch Australien zu verstärken. Unser Ziel ist es, durch ein kompetentes und treues Netzwerk, ein Gleichgewicht in der Verteilung unserer Verkäufe zu finden.

Ihre Ideen erhalten Sie vor Ort aus Kundengesprächen und -beobachtungen. Haben Sie ein konkretes Beispiel für ein Produkt von Mecalac, das sich hieraus entwickelt hat?

Ein gutes Beispiel ist die aktuelle MWR-Baureihe. Während einer Diskussion mit deutschen Kunden wurde der Mobilbagger immer wieder mit einem Schaukelpferd verglichen. Daraufhin haben wir uns gefragt, warum das so ist und was man dagegen tun kann. Wir wollten bei der neuen Baureihe wirklich etwas verändern und nicht nur die Maschine etwas kompakter machen und ein größeres Display einbauen. Also haben wir kurzerhand den gesamten Oberwagen weiter heruntergeholt. Oftmals werden neue Maschinen nach dem Motto entwickelt: „Ich nehme einfach das Beste von allem und probiere es dann zusammen zu stecken“. Aber auf diese Weise baut man immer noch nicht den besten Mobilbagger. Man stellt vielleicht gerade einmal den am wenigsten Schlechtesten her (lacht). Aber die tatsächlichen Probleme der Kunden werden dadurch nicht gelöst. Wir dagegen haben bei der Konstruktion noch einmal auf einer ganz weißen Seite angefangen. Dafür braucht es schon etwas an Mut. Aber der Erfolg gibt uns Recht. Denn am Ende haben sich die Kunden in den MWR gesetzt, fingen an zu arbeiten und machten große Augen. Sie konnten gar nicht glauben, dass eine kleine Maschine plötzlich so viel heben kann, so stabil steht und man eine so tolle Sicht um die ganze Maschine hat.

Und an welcher neuartigen Technologie forscht Mecalac derzeit?

Sie werden es auf der nächsten Bauma sehen. Dort wird es wieder jede Menge an Innovationen von Mecalac geben. Da bleibt es dann nicht nur bei neuen Motoren oder Ähnlichem. Es wird ganz neue Maschinenkonzepte und Größen geben. Mehr darf ich leider noch nicht verraten.

Fakten zu Mecalac:

Anzahl der Mitarbeiter: 850
Geschäftsführer: Alexandre Marchetta
Sitz: Annecy-le-Vieux
Gründungsjahr: 1974

Interview: JG – Redaktion Bauhof-online.de

Bilder: Mecalac


 

 

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