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28. März 2018

Interview-Reihe 2018: Ob IceFighter® oder Multiwash – bei ecotech ist alles aus einer Hand

Interview-Reihe 2018: Ob IceFighter® oder Multiwash – bei ecotech ist alles aus einer Hand

Das österreichische Familienunternehmen stellt An- und Aufbaugeräte für verschiedenste kommunale Einsatzgebiete her. Vor allem mit seinem Solesprüher hat sich Eco Technologies einen Namen gemacht. Dabei liegen die Wurzeln ganz wo anders

Ob Weltkonzern oder mittelständisches Unternehmen – es ist gerade die Vielfalt an Herstellern von kommunalen Maschinen und Geräten, die den Markt für die Nutzer so interessant macht. Doch welche Erfolgsgeschichte steckt eigentlich hinter dem Unternehmen? Wo nehmen sie Ihre Ideen und Inspirationen her? Und auf welche Produkte können sich unsere Leser in Zukunft freuen? In unserer Interview-Reihe 2018 stellen wir Ihnen dazu in regelmäßigen Abständen die unterschiedlichsten Betriebe vor. Diesmal haben wir unsere Aufmerksamkeit einem Familienunternehmen gewidmet, das seit bald 30 Jahren besteht und als einer der wenigen sämtliche Bestandteile seiner Produkte selbst herstellt. Die Rede ist von Eco Technologies. Das österreichische Unternehmen mit Sitz in Lebring produziert An- und Aufbaugeräte für sämtliche kommunalen Einsatzgebiete wie Winterdienst, Grünflächenpflege oder auch Reinigung. Im Interview verriet uns Hans-Peter Hackl (37), Sohn des Gründers und einer der Geschäftsführer, wie das Unternehmen eher zufällig in den Kommunalbereich hineingerutscht ist, warum sie sich von keinen Externen abhängig machen wollen und wieso der IceFighter® so gut in ihre Firmenphilosophie passt.

Herr Hackl, seit bald 30 Jahren hält sich Eco Technologies auf dem hart umkämpften Markt für kommunale An- und Aufbaugeräte. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Erfolgsgeheimnis ist ein bisschen übertrieben (lacht). Dass wir noch immer am Markt sind, liegt glaube ich daran, dass wir versuchen, Dinge immer anders zu machen, als es in der Branche üblich ist. Sehr wichtig ist für uns außerdem, dass wir sehr schnell arbeiten und enorm flexibel sind. Das ist unter anderem auch der Grund, warum wir alles im Haus selbst fertigen – angefangen von den Hydraulikzylindern, bis hin zu den Bolzen. Wir wollen von niemandem abhängig sein. Das einzige, was wir extern dazu kaufen, sind vollverzinkte Oberflächen und Laserzuschnitte. Außerdem ist es uns wichtig, dass wir unsere Kunden mit ins Boot holen, d.h., dass es einen Erfahrungsaustausch mit den Anwendern gibt, die auch wirklich mit unseren Maschinen arbeiten. Dabei versuchen wir immer alles kritisch zu hinterfragen und zu betrachten, um daraus dann neue Ideen zu kreieren und nicht alles beim Alten zu belassen. Das alles passiert in enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden, aber auch unseren Händlern und Partnern. Wir zählen hier auf eine ehrliche, loyale Partnerschaft – so wie wir selbst eben auch sind. Denn nur auf einer solchen Partnerschaft kann man weiter aufbauen. Eine weitere Stärke von Eco Technologies ist unsere umfangreiche Produktpalette. Nimmt man andere Hersteller her, dann bieten die vielleicht ein Räumschild mit zwei verschiedenen Breiten an. Wir dagegen haben beispielsweise acht Schneepflugtypen mit 24 verschiedenen Breiten, allein nur für die Kompakttraktoren. Und warum? Weil im Süden von Deutschland andere Anforderungen an die Geräte gestellt werden, als im Norden. Auch die Anforderungen in Zentraleuropa sind anders als in Skandinavien oder in Osteuropa. Somit müssen wir als Hersteller von An- und Aufbaugeräten jedem irgendwo gerecht werden.

Gibt es Beispiele für Entwicklungen oder auch Veränderungen, die aus einer solchen Zusammenarbeit mit den Kunden entstanden sind?

Ein gutes Beispiel ist der Multiwash als Pritschenaufbau. 2014 haben wir hier ein komplett neues Konzept entworfen. Wir sind den Weg gegangen, dass wir Piktogramme eingeführt haben, die das System in Gießen, Waschen und Hochdruckreinigen untergliedern – immer mit der Angabe des jeweiligen Druckbereichs. Diesen haben wir als Firma ecotech definiert, einfach deshalb, damit es für jeden greifbarer wird. Damit unsere Kunden, Händler und wir selbst immer auch vom Gleichen sprechen. Denn davor war es eher so, dass beispielsweise vom Schwemmen die Rede war, der Kunde aber einen Wasserdruck von 180 bar benötigt hat – das ist aber nicht mehr Schwemmen, sondern schon Hochdruckreingen. Es hat einfach für die verschiedenen Arten von Reinigung bis dahin keine eindeutige Definition gegeben. Genau die haben wir jetzt eingeführt. Schwemmen heißt beispielsweise der Einsatz einer hohen Wassermenge beim geringerem Druck bis zu 50 bar. Dieses Prinzip wird eingesetzt, wenn man loses Material von der Straße entfernen will. Beim Hochdruckreinigen dagegen wird mit einem hohen Druck, aber einer geringeren Wassermenge gearbeitet, um eine Tiefenreinigung zu erzielen. Uns ist nicht nur wichtig, dass der Kunde unsere Produkte nutzt, wir wollen auch, dass sie richtig eingesetzt werden. Dasselbe gilt auch beim Solesprühen: Dass die Technik funktioniert und eine ganze Reihe von Vorteilen bringt, wissen wir alle. Dafür ist sie lange genug erprobt worden. Aber was für uns noch viel wichtiger ist: Ich muss auch den Kunden über die Soletechnik aufklären, wie sie richtig funktioniert, wann man sie einsetzen sollte und wo die Technik an ihre Grenzen stößt. Wenn ich das dem Kunden nicht richtig erkläre und er nicht so arbeitet, wie es sein muss, dann wird die beste Technik nicht funktionieren.

Sie haben bereits die Einsatzbereiche Reinigung und Winterdienst angesprochen. Es sind aber nicht nur Produkte für Kommunal, die Sie produzieren?

Wir untergliedern unsere Produkte in vier Bereiche: Kommunal, Landwirtschaft, Bauwirtschaft/-maschinen und Flughafentechnik. Der stärkste Bereich ist für uns aber der kommunale. Dabei kommen wir ursprünglich aus der Bau- und Fördertechnik. Mein Vater hat 1990 die Firma gegründet, ein Jahr später ist sie aktiv geworden. Anfänglich haben wir Kehrmaschinen für Radlader und Gabelstapler entwickelt. 1993 sind wir dann durch Zufall in die kommunale Branche gerutscht, weil jemand eine Anfrage für eine kleine kompakte Kehrmaschine für Kompakttraktoren hatte. So haben wir ab da eine komplette Produktpalette für den Innerortsbereich entwickelt. Das wir letztlich auch im Kommunalen geblieben sind war so nicht geplant, sagt mein Vater immer, es hat sich einfach ergeben. 

Und welcher Sektor innerhalb des Kommunalen ist der umsatzstärkste?

Wir waren bislang immer sehr Winter lastig, aber mittlerweile ist es bei uns recht ausgewogen. Das liegt auch daran, dass wir unser Multiwash-Programm weiterentwickelt haben. Und ebenso im Kehrmaschinenbereich sind wir nun stärker unterwegs. Dasselbe gilt für die Gras- und Laubsauger. Dieser Bereich wurde zuletzt ein bisschen vernachlässigt, muss man dazu sagen. Aber auch hier haben wir jetzt wieder Akzente gesetzt, beispielsweise mit unserem neuen Gras- und Laubsauger GS1S, den wir vergangenes Jahr auf der demopark präsentiert haben.

Wo kommen Ihre Produkte überall zum Einsatz?

Deutschland ist unser stärkster Absatzmarkt. Dann folgen Österreich, Schweiz, Frankreich, Belgien und Holland. In Ländern wie Slowenien, Slowakei oder auch Tschechien ist es für unsere Produkte teilweise schwierig, aufgrund der Problematik, dass es da sehr viele günstigere Anbieter gibt. Wobei sie dort trotzdem auch auf Qualität und Technik setzen. Schaut man sich dagegen beispielsweise Länder wie Skandinavien an, dann hätten wir schon Maschinen im Programm, die wir dorthin ausliefern könnten. Allerdings unterscheidet sich die skandinavische Bauweise der Produkte stark von der deutschen oder österreichischen – man muss sich nur einmal einen Schneepflug oder eine Kehrmaschine dort anschauen.

Zwischen all Ihren Produkten sticht der IceFighter® besonders hervor. Welchen Stellenwert hat er bei Ihnen?

Der IceFighter® passt schon allein deshalb so gut zu uns, weil Eco Technologies ganz einfach übersetzt „Umwelttechnologie“ bedeutet. Für uns ist es deshalb wichtig, dass wir unserem Namen entsprechend auch Lösungen anbieten können, die umweltfreundlich sind. Begonnen hat die Entwicklung des IceFighters® im Jahr 2000, unter anderem zusammen mit der Stadt Wien. Denn die hatte ein Problem in puncto Salz- und Splitt-Streuung – Splitt ist ein Feinstaubverursacher, während beim Salz dafür die Umweltbelastung sehr groß ist. Deshalb musste eine andere Lösung her. Da sind wir dann auf die Sole gekommen und haben diese Idee damals weiterentwickelt. Bis heute wurden rund 1500 IceFighter® verkauft. Und dass weltweit. Der Exportanteil von all unseren Produkten macht hier 75 Prozent aus. Und von diesen 75 Prozent gehen 95 Prozent nach Europa und fünf Prozent nach Übersee. Auf Letzterem liegt jetzt nicht unbedingt unser Fokus. Klar liefern wir auch unsere Produkte dorthin, wenn es sich ergibt. Wir haben beispielsweise IceFighter® in Singapur, China, Amerika oder auch der Türkei laufen.  

Wie auch der IceFighter® passen Ihre An- und Aufbaugeräte an eine ganze Reihe von Maschinen. Gibt es hierbei bestimmte Voraussetzungen?

Wir bauen nur an Profimaschinen an. Bei Traktoren gibt es ja die genormten Schnittstellen, wie Kuppeldreieck und Dreipunkt. Deshalb ist hier der Anbau an jedes Fabrikat machbar. Bei den Geräteträgern, bis hin zum Unimog, gibt es im Prinzip auch keine Maschine, die wir nicht beliefern. Es gibt ein fertiges Konzept, wo wir sagen, das ist der Standard. Darüber hinaus unterscheiden wir uns aber von vielen anderen Herstellern, da wir auch mit maßgeschneiderten Lösungen arbeiten. Nehmen wir beispielsweise die Wassertechnik und das Solesprühen her: Hier können wir unseren Kunden jedes Behältervolumen anbieten. Um ein Beispiel zu nennen: In der Nähe von Berlin läuft eine Gießanlage, die wir unter einen aufgebauten Kran am Unimog montiert haben. Wir arbeiten nicht mit Standardvarianten, sondern machen es immer so, wie es der Kunde haben möchte. Denn wir wollen mit dem Kunden eine Lösung erarbeiten, die für ihn passt – aber auch optisch etwas hermacht.


An welcher Technologie forscht Eco Technologies derzeit? Dürfen Sie schon etwas verraten?

Für 2019/2020 steht eine wirkliche Neuheit aus unserem Hause an. Mehr darf ich momentan leider noch nicht verraten.

Wie viel haben Sie bislang schon alles in Ihr Unternehmen investiert und was steht in naher Zukunft noch an?

Wir haben 2011 circa 2,1 Mio Euro investiert, um unsere Produktionsstätte in Lebring zu erweitern. Von der Produktion her sind wir seither bestens aufgestellt. Wir haben sogar eine Ausfallsicherheit, da wir jede Maschine in zweifacher Ausführung haben. So sind wir in der Lage, immer unseren Liefertermin und die Schnelligkeit bei der Herstellung beizubehalten. Die Investition 2011 ist deshalb zustande gekommen, weil wir in drei Jahren unseren Umsatz verdreifachen konnten. Deshalb haben wir die Entscheidung getroffen, relativ viel zu investieren und im Haus zu automatisieren – beispielsweise durch CNC-Drehautomaten, ein Bearbeitungszentrum, einen Schweißroboter oder auch einen Sandstrahlautomaten. Seither wird jedes Teil von uns vorher sandgestrahlt, damit die Qualität top ist. Zudem haben wir jetzt auch das komplette Know-How im Unternehmen, wir sind also unabhängig von Externen. Denn nur so können wir bis zum Endkunden hin unsere Schnelligkeit gewährleisten. Wir haben beispielsweise bei Standardprodukten eine Lieferzeit zwischen zwei und vier Wochen. Bei Pritschenaufbauten beträgt unsere Lieferzeit – je nach Ausführung – rund sechs Wochen. Handelt es sich um etwas Komplizierteres, dann sprechen wir – je nach Kapazität – von zehn bis 12 Wochen. Solche Lieferzeiten sind, glaube ich, einzigartig in unserer Branche. Demnächst planen wir die nächste Erweiterung. Denn wir haben mittlerweile ein Platzproblem. Derzeit müssen wir extern bei Speditionen Lager angemietet. Zudem wollen wir unsere Partnerschaften mit unseren Händlern stärken und auch unseren Vertrieb weiter ausbauen.

Fakten zu Eco Technologies:

- Anzahl der Mitarbeiter: 45
- Geschäftsführer: Ing. Johann Hackl
- Sitz: Lebring
- Gründungsjahr: 1991
- Produktionsfläche: 2.000 m2

Interview: JG – Redaktion Bauhof-online.de

Bilder: Eco Technologies

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