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10. Januar 2018

Interview-Reihe 2018: Die FSS-Flachsilostreuer von FIEDLER treffen mitten ins Schwarze

Interview-Reihe 2018: Die FSS-Flachsilostreuer von FIEDLER treffen mitten ins Schwarze

Knapp 30 Jahre nach seiner Gründung hat sich der Hersteller von An- und Aufbaugeräten weltweit einen Namen erarbeitet. Und auch für 2018 sind weitere Produktneuheiten für die Segmente Traktoren, Böschungsmäher sowie Reinigungstechnik geplant

Ob Weltkonzern oder mittelständisches Unternehmen – es ist gerade die Vielfalt an Herstellern von kommunalen Maschinen und Geräten, die den Markt für die Nutzer so interessant macht. Doch welche Erfolgsgeschichte steckt eigentlich hinter dem Unternehmen? Wo nehmen sie ihre Ideen und Inspirationen her? Und auf welche Produkte können sich unsere Leser in Zukunft freuen? In unserer neuen Interview-Reihe 2018 stellen wir Ihnen dazu in regelmäßigen Abständen die unterschiedlichsten Betriebe vor. Den Anfang macht die FIEDLER Maschinenbau und Technikvertrieb GmbH. Das Familienunternehmen mit Sitz in Schmölln-Putzkau (Sachsen) ist für seine breite Produktpalette an kommunalen An- und Aufbaugeräten bekannt. Wir sprachen mit Stefan Fiedler (34), der zusammen mit seinem Vater das Unternehmen führt, über die neuesten Produktentwicklungen, den Erfolg der FSS-Flachsilostreuer-Baureihe, aber auch darüber, welche Rolle zukünftig Elektroantriebe bei FIEDLER spielen werden.

Herr Fiedler, seit nun mehr 27 Jahren wächst Ihr Familienunternehmen stetig an. In regelmäßigen Abständen erweitert sich die Produktionsfläche. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Wir sind immer dran, die richtigen Produkte in Serie auf den Markt zu bringen. Qualität und die technische Umsetzung stehen dabei im Vordergrund. Das hat sich in den Bereichen, die wir bearbeiten, durchgesetzt. Unsere letzte Erweiterung hatten wir Anfang 2015. Hier haben wir unsere komplette Farbgebung und Vorbehandlung erneuert. Zusätzlich wurde die Entwicklungsabteilung deutlich vergrößert und die Fertigung um zwei neue Montagelinien erweitert. Aktuell bauen wir bis zum ersten Quartal 2018 unser neues Besucherzentrum.

Eine Vergrößerung ist auch nötig, schließlich meldet Ihr Unternehmen ständig Neuentwicklungen als Patent an. Wo nehmen Sie überhaupt Ihre Ideen für diese Vielzahl an Entwicklungen her?

Die Vorgaben für unsere Ideen kommen mehr oder minder vom Markt. Wir können nur Lösungen anbieten, die auch eine entsprechende Nachfrage haben bzw. haben werden. Dabei können wir zwar keine Einzellösungen berücksichtigen, versuchen aber, alle Ideen zu Beginn der Entwicklung in Pflichtenhefte mit einfließen zu lassen. Wir haben derzeit 13 Konstrukteure die zusammen über mehrere hundert Jahre Erfahrung verfügen. Generell konstruieren wir im Baukasten, d.h. bewährte Komponenten und Lösungen werden auch für neue Entwicklungen wiedereingesetzt. Grundsätzlich konnten wir dadurch die reine Entwicklungszeit auf circa ein bis drei Jahre – je nach Produkt und Grad der Neuerung – verkürzen. Mindestens dieselbe Zeit wird nochmal für Mustererprobung und feldtechnische Vorserienerprobung benötigt, um ein Produkt in Serie anbieten zu können – d.h., wir haben immer einen sehr weiten Vorlauf in unserer Entwicklung. Im vergangenen Jahr gab es allerdings keine Patent-Anmeldungen, da wir 2017 unser Augenmerk daraufgelegt haben, all unsere Geräte für Traktoren anzupassen. Bestehende Patente und Gebrauchsmuster sind dort natürlich mit eingeflossen.

Sie waren auch die ersten, die eine automatische Steuerung auf den Markt gebracht haben, mit der mehrere Geräte bedient werden können. Wie kam es dazu?

Wir waren 2006 an einem Punkt, wo wir mit der bisherigen Lösung für unsere Winterdienstgeräte an unsere Grenzen gestoßen sind. In diesem Zusammenhang wurde eine neue Steuerung auf CAN-BUS-Basis entwickelt. Dass wir alle Geräte über diese Lösung steuern wollten, war nur unserem Wirtschaftlichkeitsgedanken und Baukasten-Denken geschuldet. Mittlerweile haben wir alle Geräte darauf umgestellt und all unsere Produkte auf denselben digitalen Standard gebracht. Das ist uns für die Zukunft sehr wichtig, da wir ab 2018 die Geräte vernetzen werden.


Auf welche Neuheiten können sich die Kunden denn sonst noch freuen?

Sie wissen doch, dass ich vorab keine Vorankündigungen mache. So viel kann ich aber sagen: Es wird bei den großen Messen wie der IFAT und Galabau in 2018 wieder komplett neue Produkte aus unserem Haus geben. Es wird viel Neues für Traktoren geben und auch das Segment der Böschungsmäher wird Zuwachs bekommen – ebenso wie das der Reinigungstechnik. Unser aktuell größtes Gesamtprojekt ist aber die digitale Vernetzung. Wir wollen unseren Kunden eine Lösung an die Hand geben, mit der sie von all unseren Geräten mit FMC-Steuerung die gesamten relevanten Daten berührungslos auslesen können. Es stellt sich somit bald nicht mehr die Frage, wann, was, wo gemacht wurde und welche Kosten damit verbunden sind. Wir sind bestrebt diese Daten für den Kunden verwertbar zu machen, um gewisse Vorgänge in Zukunft zu automatisieren. Außerdem steht das Jahr 2018 bei uns in erster Linie im Zeichen der internen Digitalisierung. Wir wollen mit einem zusätzlichen System den internen Ablauf und das Handling der vorhandenen Produkte verbessern. An zweiter Stelle steht die Automatisierung der Vorfertigung. Wir selber fangen bei uns im Haus mit dem Schweißen an. Die restliche Vorfertigung haben wir schon seit mehreren Jahren komplett ausgelagert. So werden wir ab dem zweiten Quartal 2018 große Baugruppen wie Flachsilo-Streuer automatisiert schweißen. Damit wollen wir die stetig steigende Nachfrage besser bedienen. Neue Produkte werden bereits konstruktiv auf die neue Fertigungsmethode angepasst. Auch unseren Händlern wollen wir in 2018 entsprechende Optimierungen bieten. Wir arbeiten an einem Konfigurator für unsere gängigen Produkte, um die Arbeit in der Beratungsphase zu vereinfachen.

Kommen wir noch einmal zurück auf das vergangene Jahr. Auch wenn 2017 keine Patente angemeldet wurden, gab es doch eine ganze Reihe an neuen Produkten von FIEDLER?

Knapp zusammengefasst haben wir folgende Produkte 2017 ganz neu auf den Markt gebracht: Heißwasseranlagen zur Unkrautbekämpfung, ein Schrubbdeck zur Flächenreinigung, Sole-/Wasseranlagen für Traktoren im Heckdreipunkt, eine Kehrmaschine mit Mittelantrieb für Frontzapfwellenantrieb, Frontausleger mit 4,50 m Auslageweite in Leichtbauweise für kompakte Fahrzeuge, sowie eine Datenerfassung mit Android-App für die Erfassung ohne Telematik-Modul – für Letzteres kommt die volle Ausbaustufe Ende 2018 auf den Markt.

Gibt es zu den Neuheiten von 2017 bereits Angaben hinsichtlich der verkauften Stückzahlen?

Da wir nur Lösungen entwickeln, die das Potential für eine Serienfertigung rechtfertigen, konnten wir mit unseren Neuheiten zufriedenstellende Ergebnisse erzielen. In Summe für 2017 liegt mir die genaue Auswertung noch nicht vor. Es wird sich aber im Bereich von +8 bis +10 Prozent Wachstum bewegen.

Welche Ihrer Produkte kommen bei den Kunden überhaupt am besten an?

Grundsätzlich zählen natürlich die Winterdienstprodukte zu denen mit den höchsten Absatzzahlen. Insbesondere unsere FSS-Flachsilostreuer-Baureihe läuft hier richtig gut. Wir haben diese für kleine und mittlere Fahrzeuge angepasst und können somit Streuer von 250 bis 2500 Liter anbieten. Durch unser patentiertes Step-by-Step-System wird das Material im Behälter permanent umgewälzt. Dadurch können wir wirklich alles ausbringen und sehr genau dosieren. Wir hatten extra wegen dieser Produktgruppe unsere Farbgebung im Jahr 2014 generell auf Korrosionsschutzklasse C5 umgestellt (Salzsprühnebeltest ca. 2000 h). Der Mehraufwand hält sich auf Grund der Menge für alle Produkte im Rahmen, der Mehrwert für den Kunden ist dagegen deutlich erkennbar.

Der Winterdienst ist also der umsatzstärkste Bereich bei Ihnen. Welcher ist der schwächste?

Von der Umsatzstärke her reihen sich die Bereiche folgendermaßen: Winterdienst, Wassertechnik, Mähtechnik, Unkrautbeseitigung sowie Laub- und Abfallbeseitigung.

Und wie sieht es mit der geographischen Einsatzverteilung Ihrer Produkte aus?

Unsere Verteilung ist relativ gleichmäßig. Wir haben ca. 70 Prozent Export. Hauptabsatzmärkte sind Europa (alle Länder), Nord-/Südamerika und Asien. Wir haben, je nach Produktgruppe, auch unterschiedliche Wachstumszahlen. Was beispielsweise in Asien die Schwemm- und Reinigungstechnik ist, ist in Nordamerika der Winterdienst. Bis 2012/2013 waren wir auch noch stark in Russland unterwegs, doch durch die Sanktionen mussten auch wir in diesem Markt leider den Verkauf zurückfahren.

Wie geht man bei FIEDLER mit Anregungen von Kunden um?

Wir stehen im regelmäßigen Kontakt mit unseren Händlern bzw. Großkunden – und das weltweit. Marktbeanstandungen werden zentral und digital in unserem Wiki-System erfasst. So haben alle den gleichen Kenntnisstand und wir können diese Fälle auch leichter bearbeiten. Unser Wiki-System ist die Grundlage für unsere Konstrukteure. Hier können wir auch relativ einfach unsere Pflichtenhefte erstellen und Punkte für Produktoptimierung anpassen. Grundsätzlich sind technisch ausgereifte Produkte unser Anspruch. Lob erhält man in der Regel selten, da die Kunden passende und funktionierende Geräte voraussetzen. Ich schreibe ja auch keine Lobesbriefe an meine Automarke mit vier Buchstaben und permanentem Allradantrieb – das setze ich als Nutzer einfach voraus. Wir erhalten aber hin und wieder, teils von Endkunden, sehr positive E-Mails, die dies bescheinigen. Diese kommen bei uns an den digitalen Aushang, da das Lob unserem Team gebührt. Die Kritikpunkte werden ebenfalls zentral im Wiki-System gesammelt, bearbeitet und für unseren internen Kundendienst und die Händler aufbereitet. Gerade hier haben wir in den vergangenen Jahren viel gemacht, damit bei älteren Maschinen mögliche Störungen leicht zu finden sind.

Ein großer Pluspunkt Ihrer Produkte ist vor allem auch die Kompatibilität mit verschiedenen Geräteträgern?

Unsere An- und Aufbauten passen mittlerweile an alle Fahrzeuge, die uns auf dem Markt bekannt sind. Rund Prozent unserer Entwicklungszeit wenden wir jedes Jahr für Anpassungen an Fahrzeuge auf. Hier können wir auch keine großen Synergien ziehen, da wir von der Anpassung über die Achslastberechnung und die Risikobeurteilung wirklich alles separat betrachten müssen. Wenn wir eine Lösung anbieten, ist diese fertig abgestimmt, d.h. der Fachhandel baut die Maschine mit entsprechen Unterlagen an – auch diese werden im Werk schon auf das Fahrzeug abgestimmt. Das ist zwar ein sehr großer Aufwand, entspricht aber unserem Verständnis von Qualität. Diese Einschätzung teilt auch Mercedes-Benz – deshalb wurden wir 2017 zum UnimogPartner.

Sie machen zwar keine Vorankündigungen, wenn es um die neuen Produkte für 2018 geht. Dürfen Sie dennoch verraten, in welche Richtung FIEDLER derzeit forscht?

Details von aktuellen Forschungsprojekten darf ich leider nicht verraten. Sie werden die Produkte auf Messen in 2019/2020 sehen. Was ich aber generell verraten kann ist, dass es in naher Zukunft serienreife Lösungen mit Elektro-Antrieb geben wird.  Wir sind dran, all unsere Geräte auf die weltweit gängigen Systeme anzupassen. Es gibt Hersteller mit denen wir hier schon kooperieren.

Fakten zur FIEDLER Maschinenbau und Technikvertrieb GmbH:

- Anzahl der Mitarbeiter: 70
- Geschäftsführer: Frank und Stefan Fiedler
- Sitz: Schmölln-Putzkau in der Oberlausitz
- Gründungsjahr: 1990
- Produktionsfläche: 6000 m²

Interview: JG – Redaktion Bauhof-online.de
Bilder: FIEDLER Maschinenbau und Technikvertrieb GmbH

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