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27. Februar 2018

Interview-Reihe 2018: Bei der Zaugg AG Eggiwil gleicht kein Winterdienstprodukt dem anderen

Interview-Reihe 2018: Bei der Zaugg AG Eggiwil gleicht kein Winterdienstprodukt dem anderen

Bereits seit über 100 Jahren gibt es das Schweizer Unternehmen. Die selbstfahrende Schneefrässchleuder Rolba 500 sowie das Reinigungsfahrzeug „Steambeast“ gehören zu den neuesten Eigenentwicklungen. Für die Zukunft ist aber noch viel mehr geplant

Ob Weltkonzern oder mittelständisches Unternehmen – es ist gerade die Vielfalt an Herstellern von kommunalen Maschinen und Geräten, die den Markt für die Nutzer so interessant macht. Doch welche Erfolgsgeschichte steckt eigentlich hinter dem Unternehmen? Wo nehmen sie Ihre Ideen und Inspirationen her? Und auf welche Produkte können sich unsere Leser in Zukunft freuen? In unserer neuen Interview-Reihe 2018 stellen wir Ihnen dazu in regelmäßigen Abständen die unterschiedlichsten Betriebe vor. Diesmal haben wir uns die Zaugg AG Eggiwil herausgepickt. Die Erfolgsgeschichte des Schweizer Unternehmens begann 1893 mit dem Kauf einer Schmiede. Heute verbindet man mit der Zaugg AG Eggiwil nicht nur Geräte für die Schneeräumung auf Straßen Schienen und Flugplätzen sowie die Bearbeitung von Schneepisten, sondern auch für den Bereich der Kommunaltechnik und der Bodenreinigung. Wir sprachen mit Verkaufsleiter Hans Greter (50) über das Kerngeschäft des Unternehmens, die Entscheidung, den Teilbereich Flugfeld-Kehrblasgeräte sowie die selbstfahrenden Rolba Schneefrässchleudern von Bucher Municipal zu kaufen, aber auch darüber, welche Auswirkungen die immer milder werdenden Winter langfristig haben werden.

Herr Greter, die Zaugg AG Eggiwil gibt es bereits seit über 100 Jahren. Welche Entwicklungsschritte haben das Unternehmen zu dem gemacht, was es heute ist?

Angefangen hat alles mit Simon Zaugg, der 1893 die Untere Schmiede Eggiwil kaufte und seine Dienste als Huf- sowie Wagenschmied anbot. Er entwickelte 1922 den weitherum bekannten Zaugg-Bergpflug, mit dem sich selbst steile Hänge pflügen ließen. Später übernahmen seine sechs Söhne den Betrieb. Ende der Fünfzigerjahre stellte die Firma die ersten Schneepflüge und -fräsen her. 1965 wurde aus der Familienfirma die Gebr. Zaugg AG und die Geschäftsleitung ging an die dritte Zaugg-Generation über. Anfang der Achtzigerjahre entstand eine neue Produktionshalle. Zu dieser Zeit fabrizierte das Unternehmen vor allem Kommunaltechnik, also Schneefrässchleudern und Schneepflüge, Kehrbürsten sowie Abrandgeräte. Im März 1997 kauften eine Gruppe von Unternehmern aus der Region und einige Mitarbeiter schließlich die Gebr. Zaugg AG und gründeten die Zaugg AG Eggiwil. Sie konzentrierten sich daraufhin auf das Kerngeschäft: Schneeräumung, Pistenpräparation und Kommunaltechnik. 2004 kam eine weitere 4500 m2 große Produktionshalle am Hauptstandort Eggiwil dazu. Im Mai 2010 übernahm die Zaugg AG Eggiwil von Bucher Municipal Teilbereiche der Winterdienstprodukte: Die Flugfeld-Kehrblasgeräte sowie die Rolbas, die selbstfahrenden Schneefrässchleudern.

Die Schneeräumung zählt bei Ihnen zu einem der Kerngeschäfte. Dabei liegt Ihr Fokus aber nicht nur auf Geräten für den Einsatz auf Straßen und Wegen?

Unsere Schneeräumgeräte sind weit über die Landesgrenzen hinaus im Einsatz – und das nicht nur auf der Normal- oder Schmalspur, sondern auch auf der Zahnrad- oder Standseilbahn. Letzterer Bereich ist noch einmal etwas ganz Spezielles. Denn der Qualitäts- und Normenanspruch im Bahnbereich ist auf einem sehr hohen Niveau. Projekte für die Bahn verlangen nach höchster Präzision und Verlässlichkeit sowie einem zusätzlichen Know-how. Spezialisierte und geprüfte Schweißtechnik sowie die Kenntnisse über Zulassungen in den einzelnen Ländern sind nur zwei Punkte davon. An der kommenden InnoTrans 2018 in Berlin werden wir unsere Kompetenzen in diesem Bereich demonstrieren.

Schon der geschichtliche Rückblick hat gezeigt: Die Zaugg AG Eggiwil ist vor allem für seine eigens produzierten Geräte bekannt. Wo nehmen Sie Ihre Ideen für Neuentwicklungen her?

Unsere langjährigen Mitarbeiter bringen immer wieder hilfreiche Ideen und Anstöße aus dem täglichen Umfeld der eigenen Wohngemeinde. Über unsere Vertriebsmannschaft und die weltweiten Händler erreichen uns zudem sehr oft Anfragen im Hinblick auf spezielle Anforderungen, die ein Gerät leisten muss. Dafür gilt es dann, eine Lösung zu finden. 

Welche Neuheit von Zaugg kam im vergangenen Jahr auf den Markt? Gibt es bereits Angaben hinsichtlich der verkauften Stückzahlen?

Wir sind seit 2017 mit unserem „Steambeast“ auf Tour. Mit diesem neuartigen Gerät ermöglichen wir die Reinigung von sensiblen und hochverschmutzten Bodenflächen, für die es diesbezüglich bist jetzt keine effiziente und wirtschaftliche Lösung gab. Mit dem Fokus auf Unkrautbeseitigung, Kaugummientfernung sowie dem 100%-chemiefreien Niederdruck-Dampfverfahren, rücken wir auch Ölflecken und sonstigen Verunreinigungen zu Leibe. Eine Maschine ist bereits bei einem Kunden in Freiburg (im Breisgau) im täglichen Einsatz. Zudem sind unsere Demo-Maschinen – wann immer es die Außentemperatur erlaubt – auf Achse. Da die Reinigungswirkung und das -resultat teilweise erst Tage, wenn nicht Wochen, später richtig wahrgenommen wird und auch der Verkaufs- sowie Überzeugungsprozess mit diesem neuen Produkt eine gewisse Zeit dauert, gibt es momentan noch keine konkreten Zahlen.

Welche Produkte der Zaugg AG Eggiwil zählen eigentlich zu den erfolgreichsten?

Da wir ja eine enorm breite und detaillierte Produktpalette bei den Schneepflügen und den Schneefrässchleudern vorweisen können, ist es natürlich relativ schwierig, hier ein einzelnes Modell zu nennen. Grundsätzlich sind bei uns die Schneepflüge und die Schneefrässchleudern die seit Jahrzehnten erfolgreichsten Produkte. Dazu kommt, dass bei unseren Produkten keines wie das andere ist. Denn wir passen unsere Produkte dermaßen gut den Bedürfnissen und Wünschen unserer Kundschaft an, dass man versucht ist, wirklich fast jedes als Unikat zu bezeichnen. Momentan ist unser traditionelles Kerngeschäft mit den Winterdienstgeräten und -fahrzeugen immer noch der Bereich, der am meisten Umsatz bringt. Wenn es allerdings mit den schneearmen Wintern – bei uns besonders im Unterland – so weitergeht, werden wir uns sehr bemühen, das Gewicht in andere Geschäftsfelder zu verschieben.

Apropos schneearme Winter: 2014/15 mussten sie deshalb sogar auf Kurzarbeit zurückgreifen. Wie sieht die Auftragslage derzeit aus?

Dank der breiteren Aufstellung mit Produkten für den Winterdienst – Straße, Bahn, Schiene sowie dem Flughafensektor – und den über 40 Ländern, die wir beliefern dürfen – denn: „Irgendwo ist immer Winter!“ – haben wir derzeit eine solide Auftragslage. Natürlich helfen die milden Winter, insbesondere in unserem wichtigen Heimmarkt, der Schweiz, nicht unbedingt dabei, die Umsatzzahlen signifikant zu steigern. Aber wie gesagt. Wenn es so weitergeht, werden wir unser Augenmerk vermehrt auch auf andere Geschäftsfelder legen.

Sie beliefern mit Ihren Produkten also über 40 Länder. Welche Sind die absatzstärksten?

Im Prinzip liefern wir überall dahin, wo Schnee fällt. Ganz vorne mit dabei sind die Alpenländer, Skandinavien sowie das restliche Europa. Auch Nordamerika, Russland und Asien – im speziellen China – sind für uns wichtige Absatzgebiete. Die Schneepflüge, zusammen mit den Schneefrässchleudern, sind auf dem Schweizermarkt die stärkste Produktgruppe. Je nach Projektverlauf und Anfragen können die anderen Geschäftsbereiche wie Schiene oder Flughafen, sowohl national als auch international, die weiteren Plätze für sich beanspruchen.

2010 kaufte die Zaugg AG Eggiwil den Teilbereich Flugfeld-Kehrblasgeräte sowie die selbstfahrenden Rolba Schneefrässchleudern von Bucher Municipal. Was hat dieser Schritt Ihrem Unternehmen rückblickend gebracht?

Durch die Akquisition ergab sich für die Zaugg AG Eggiwil die einmalige Gelegenheit, das Produktsortiment im Winterdienstbereich sinnvoll und profitabel abzurunden, um so ein wohlüberlegtes Wachstum zu gewährleisten. Außerdem wurde dadurch das Weiterbestehen der 50-jährigen schweizerischen Traditionsmarke Rolba gesichert. Zudem ergänzen sich die übernommenen Produkte hervorragend mit den von Zaugg entwickelten und produzierten Schneepflügen sowie Schneefrässchleudern. Aktuell bringen wir gerade die neue Rolba 500 auf den Markt. Sie ist einzigartig, was ihre Dimension und Leistung angeht. Es gibt keine vergleichbare selbstfahrende Schneefrässchleuder in dieser Art und Größe auf dem Markt. Der Leistungsumfang kann genau an die Kundenbedürfnisse angepasst werden. So stehen beispielsweise verschiedene Fräsbreiten zur Auswahl. Neben dem Direktauswurf werden außerdem unterschiedliche Kaminlängen und sogar ein Teleskopkamin angeboten.

Wie zufrieden sind denn Zaugg-Kunden mit Ihren Produkten? Welche Rückmeldungen bekommen Sie dahingehend?

Nicht nur unser frisch erneuertes ISO 9001 Zertifikat beantwortet die Frage nach der Kundenzufriedenheit. Zusätzlich prüfen und erfragen wir in regelmäßigen Abständen oder auch bei unseren Kundenbesuchen deren Zufriedenheit und Wünsche. Die Feedbacks unserer Kunden sind dabei durchweg positiv. Sowohl für die hohe Lieferbereitschaft wie auch für die langjährig gelieferte Qualität dürfen wir laufend Lob erfahren. Tradition sowie qualitativ hochwertige und verlässliche Geräte – das sind genau die Merkmale, die unsere Kunden mit ihrem Zaugg-Pflug oder der Zaugg-Schneefrässchleuder verbinden. Denn unsere Kunden können sich überdurchschnittlich viele Jahre nach dem Kauf des Gerätes auf einen erstklassigen Service und Ersatzteildienst verlassen. Nicht selten bringt ein Zaugg-Mitarbeiter ein Ersatzteil oder Neugerät direkt vorbei, installiert es vor Ort oder instruiert den Bediener auch gleich an Ort und Stelle. Aber auch bei uns ist nicht alles Gold was glänzt: Wir erhalten ebenso Kritik – doch die hilft Zaugg dabei, immer noch besser zu werden. Aus diesem Grund ist ein regelmäßiger Austausch mit den Bereichen Entwicklung, Technik und Verkauf bei Zaugg ein wichtiger Bestandteil für einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess sowie für die Neuentwicklungen. Man muss aber auch immer bedenken, dass nicht jede Anpassung oder Veränderung für jeden Kunden nützlich ist. Daher setzen wir nach wie vor auf die maßgeschneiderte Kundenlösung. Die Tatsache das wir sehr vieles „in House“ produzieren, bzw. die Tatsache, dass wir eine sehr große Fertigungstiefe haben, hilft uns dabei, schnell und effizient auf Kundenanforderungen einzugehen.

Was können die Kunden also in Zukunft noch von der Zaugg AG Eggiwil erwarten?

Der Fortschritt macht auch beim Winterdienst nicht Halt. Vielleicht werden wir dereinst von der warmen Stube aus die Rolbas und Winterdienstgeräte per Funk steuern und per GPS überwachen. Sicherlich ist auch der Elektroantrieb ein Thema bei uns. Außerdem erfährt die Produktlinie der Rolba-Maschinen zurzeit nicht nur eine Überarbeitung. Hier wird sich auch im Leistungsumfang einiges tun. Da die Markteinführung der R500 in der Saison 18/19 abgeschlossen sein soll, werden wir bereits im Frühjahr 2019 mit weiteren Rolba-Varianten in den Test gehen können. International wird die engere Zusammenarbeit mit Händlern und Vertragspartnern ein weiterhin wichtiges Thema sein und natürlich wollen wir unsere schweizerischen und internationalen Kunden noch intensiver und professioneller betreuen. Zudem ist bei den Monoblock-Aggregaten eine Änderung bzw. Anpassung im Gange. Wichtig ist jedoch, dass die Neuentwicklungen und Produktanpassungen erprobt und verlässlich sind, bevor sie den harten Kundeneinsatz im Winter bestehen müssen. Hier gibt es bei Zaugg keine Kompromisse.

Fakten zur Zaugg AG Eggiwil:

Anzahl der Mitarbeiter: ca. 130
Geschäftsführer: Daniel Frutiger
Sitz: Eggiwil
Gründungsjahr: 1893

Interview: JG – Redaktion Bauhof-online.de

Bilder: Zaugg AG Eggiwil


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