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23. April 2018

Interview-Reihe 2018: 50 Jahre Trilety-Kehrmaschinen – Eine Zeitreise von der TGZ bis zur TK 6000

Interview-Reihe 2018: 50 Jahre Trilety-Kehrmaschinen – Eine Zeitreise von der TGZ bis zur TK 6000

Vor einem halben Jahrhundert brachte das österreichische Familienunternehmen mit der TGZ die erste eigene LKW-Kehrmaschine auf den Markt. Seither hat sich viel im Betrieb getan. Die Anforderungen an ihre Maschinen sind aber immer noch dieselben

Ob Weltkonzern oder mittelständisches Unternehmen – es ist gerade die Vielfalt an Herstellern von kommunalen Maschinen und Geräten, die den Markt für die Nutzer so interessant macht. Doch welche Erfolgsgeschichte steckt eigentlich hinter dem Unternehmen? Wo nehmen sie ihre Ideen und Inspirationen her? Und auf welche Produkte können sich unsere Leser in Zukunft freuen? In unserer Interview-Reihe 2018 stellen wir Ihnen dazu in regelmäßigen Abständen die unterschiedlichsten Betriebe vor. Diesmal haben wir uns ein Unternehmen herausgezogen, das in diesem Jahr gleich doppelt Grund zum Feiern hat: die Gebrüder Trilety Ges.m.b.H. Zum einen begann vor 65 Jahren die Geschichte des österreichischen Familienunternehmens. Zum anderen entstand vor genau 50 Jahren am Produktionsstandort Hallein die erste LKW-Kehrmaschine aus dem Hause Trilety. Ein passender Anlass also, um mit Stephan Trilety, Prokurist und Vertriebsleiter, einen Blick in die Vergangenheit und in die Zukunft des Unternehmens zu werfen. Wir sprachen mit dem 45-Jährigen über die wichtigsten Entwicklungsschritte der vergangenen 65 Jahre, neue Prototypen, die notwendige Entscheidung, Fremdfabrikate mit ins Portfolio aufzunehmen, aber auch über das Dilemma, dass bei einem Problem mit der Kehrmaschine nicht immer gleich die Technik Schuld haben muss.

Herr Trilety, in diesem Jahr feiert Ihr Familienunternehmen Jubiläum. Was waren die wichtigsten Entwicklungsschritte, die Trilety zu dem gemacht haben, was es heute ist?

Das Unternehmen ist von meinen Großeltern gegründet worden. Wobei die treibende Kraft wohl meine Großmutter war, die über ihre Kontakte in dieses Metier durch Zufall hineingeraten ist. Denn nach dem Krieg gab es einen großen Bedarf an Utensilien für die Straßenreinigung. Also haben sie damals begonnen, mit solchen Dingen wie Mülltonnen oder Besen zu handeln. Später sind meine Großeltern dann auch zu Maschinen übergegangen und haben versucht, Fremdfabrikate in Österreich zu verkaufen. Aufgrund der Forderungen der österreichischen Kunden nach einem heimischen Produkt haben sie sich dann irgendwann dazu entschlossen, auch selber zu produzieren. Es gab schließlich einen Lizenzvertrag mit der Firma Schörling und so hat Trilety die Schörling-Kehrmaschine für Österreich gebaut. Das war quasi der Anfang unserer Eigenproduktion.

War es rückblickend die richtige Entscheidung, selbst zu produzieren?

Aus der damaligen Sicht war es die richtige Entscheidung. Denn offensichtlich reichte allein der Handel mit diversen Straßenreinigungsprodukten nicht aus. Der mittlere der drei Söhne meiner Großeltern, mein Onkel Claus, ist bei der Firma Schörling in die Lehre gegangen und hat dort das Kehrmaschinenbauen gelernt. Er hat sozusagen das Know-how mit nach Österreich gebracht. Die Eigenproduktion war somit ein logischer Entwicklungsschritt. Betrachtet man das Ganze heute, dann hat sich natürlich in den vergangenen Jahrzehnten viel getan. Wir sind ein kleines Unternehmen geblieben, obwohl es kaum noch Familienbetriebe in diesem Metier gibt. Viel mehr konzentriert sich alles auf einige wenige Großkonzerne wie Bucher oder die Fayat-Gruppe. Es ist natürlich schwierig, gegen solche Großkonzerne, mit ihren Produktmöglichkeiten und Preisen, zu konkurrieren. Einerseits konzentrieren wir uns deshalb immer mehr auf gewisse Nischen und versuchen diese zu besetzen, da sie für die großen Hersteller schon allein wegen der geringen Stückzahl uninteressant sind. Auf der anderen Seite besteht für uns aber auch die Notwendigkeit, bei bestimmten Maschinentypen eine gewisse Stückzahl zu erreichen. Doch hier sind dann gleich auch wieder die größeren Konzerne am Ball. Deshalb ist das für uns immer eine Gradwanderung.  

Sie führen zusätzlich aber auch Maschinen von Fremdanbietern in Ihrem Portfolio?

Wir haben nicht die Möglichkeiten, unsere Produktion teilweise auszulagern. Und somit bleibt für uns, in einem Hochpreisland wie Österreich, die Eigenproduktion schwierig und teuer. Das ist der Grund, warum wir jetzt verstärkt versuchen, auch Handelswaren mit ins Produktportfolio aufzunehmen. Über das Thema der elektrischen Kehrmaschinen hat sich im vergangenen Jahr die Zusammenarbeit mit Tenax und über das der mechanisch-aufnehmenden Kehrmaschinen die Zusammenarbeit mit Dulevo ergeben. Das Dulevo jetzt auch eine elektrische Kehrmaschine hat, ist ein angenehmer und interessanter Nebeneffekt. Aber in erster Linie ging es uns hier um die mechanisch-aufnehmende Kehrmaschine, weil wir so etwas selber nicht bauen und als wirkliche Ergänzung sehen. Bei unseren Vorführtouren haben wir gemerkt, dass es sehr große Anwendungsbereiche gibt, wo diese Maschine einfach besser ist. Beispielsweise bei der Frühjahrskehrung, bei großen Mengen von Splitt oder auch bei besonders niedrigen Temperaturen im Winter, weil man mit der mechanisch-aufnehmenden Kehrmaschine aufgrund der staubarmen Konstruktion auch ohne Wasser arbeiten kann. Außerdem kann man durch die mechanische Aufnahme bis zu viermal schneller fahren und kehren, als mit einer saugenden Maschine. Genau diese Zweigleisigkeit aus Eigenproduktion – auch von Sonderfahrzeugen und Waschgeräten – ergänzt durch diverse Handelsprodukte, wird ab jetzt unsere Linie sein.    

Hat sich in den vergangenen 50 Jahren hinsichtlich der Anforderungen, die Ihre Kunden an eine Kehrmaschine stellen, etwas verändert?

Wenn du vier verschiedene Kunden fragst, was sie sich wünschen würden, dann bekommst du vier verschiedene Kehrmaschinen (lacht). Wenn man aber mal versucht, die Anforderungen auf eine Art gemeinsamen Nenner herunterzubrechen, dann hat sich im Wesentlichen nicht viel geändert. Es wird vor allem nach Saugleistung und nach einer Einfachheit bei der Handhabung verlangt. Ein Beispiel: Es hat einmal eine Phase gegeben, da ging der Trend, was das Bedienpult in der Kehrmaschine betraf, in Richtung Touchscreen. Die eigentlichen Fahrer, die mit der Maschine arbeiten mussten, waren aber gar keine Fans davon. Denn während des Kehrens schauen sie entweder ins Kamerabild, wo sie den Saugmundbesen beobachten können oder in den Außenspiegel, um zu sehen, wo sie gerade kehren. Ohne hinzuschauen bedient der Fahrer gleichzeitig mit der freien Hand den Besen, verstellt die Drehzahl oder den Auflagedruck. Wenn er aber nicht spürt, wo er hindrückt – und das ist beim Touchscreen der Fall – muss er jedes Mal wieder auf das Bedienpult schauen. Ansonsten soll die Maschine auch robust sein und wenig Elektronik besitzen. Um Letzteres kommt man aber mittlerweile gar nicht mehr herum, vor allem im Zusammenspiel mit dem Trägerfahrzeug. Wo natürlich die Ansprüche in den vergangenen Jahren gestiegen sind, ist bei den Themen Feinstaub, Lautstärke und Treibstoffverbrauch also Energieeffizienz – doch das kommt eher vom Gesetzgeber. Beispielsweise gab es früher fast nur Kehrmaschinen die einen zusätzlichen Dieselmotor hatten, der dann die Hydraulik, die Turbine usw. angetrieben hat. Mittlerweile geht man ja immer mehr dazu über, die Hydraulikanlage über einen Nebenantrieb des LKW-Fahrzeugmotors anzutreiben und somit auf diesen zusätzlichen Dieselmotor zu verzichten. Für bestimmte Anwendungen ist es aber trotzdem noch notwendig, einen Zusatzmotor zu verbauen, vor allem dann, wenn man einfach viel mehr Leistungsbedarf hat. Das wird aber immer schwieriger, weil die Abgasnormen ebenso für den Zusatzmotor gelten, auch wenn er immer eine Klasse unter dem Fahrzeugmotor liegen darf.

Welche Neuheiten hat Trilety im vergangenen Jahr auf den Markt gebracht?

Also eine Neuheit, die den Namen auch wirklich verdienen würde, kann ich nicht anbieten. 2017 haben wir aber, seit längerer Zeit wieder, zusammen mit der Firma Reform auf ihren neuen Muli-Geräteträger eine Kehrmaschine aufgebaut. Die Vorführmaschine ist sehr schön geworden. Sie soll nach Frankreich verkauft werden und es gibt zudem schon einen ersten Kunden in Österreich, der diese Maschine haben will. Außerdem wird sie auch auf der IFAT 2018 stehen.

Wo in Europa und dem Rest der Welt kommen Ihre Produkte zum Einsatz?

Österreich und Deutschland sind sicher unsere stärksten Märkte, dann folgen Länder wie Ungarn, Tschechien und die Slowakei. Wir sind schon auch ein bisschen international unterwegs und haben beispielsweise Maschinen in Korea, Algerien oder Skandinavien laufen. Über Multihog haben wir auch schon welche in die USA verkauft. Aber unser Kernmarkt bleibt trotzdem Mitteleuropa.

Gibt es ein spezielles Land, wo Sie unbedingt einmal eine Ihrer Maschinen im Einsatz sehen wollen?

Unsere Maschinen fahren ja vereinzelt schon fast in jedem Land (lacht). Aber es sind natürlich noch zu wenig. Frankreich zum Beispiel ist eigentlich ein großer Markt, genauso wie England. Aber die haben natürlich eigene LKW-Kehrmaschinen-Hersteller, die sehr günstig produzieren. Außerdem kommen wir mit unseren Wechselsystemen eher in Ländern zum Zug, wo es multifunktionale Geräteträger gibt, bei denen zwischen Sommer- und Winterdienst gewechselt wird. Es gibt aber eben auch Länder, da ist das nicht üblich, wie z.B. in England. Da fallen jetzt nicht Unmengen an Schnee, so dass die Kehrmaschinen im Prinzip das ganze Jahr über eingesetzt werden. Hier herrscht dann eher eine Nachfrage nach Kompaktkehrmaschinen. Die sind natürlich günstiger, als Wechselsysteme. Deswegen tun wir uns in diesen Ländern schwer.  

Welcher Bereich und welches Produkt darin, zählt zu Ihrem umsatzstärksten?

Ich würde einfach mal diese Reihenfolge sagen: Zuerst kommt die Kehrtechnik, dann die Waschtechnik, und schließlich folgen die Spezialanwendungen – hier fallen auch spezielle Waschanwendungen mit hinein wie Schrubbdeck- oder Schienenrillenreinigung bei den Straßenbahnen. Gemessen an der Stückzahl ist die Unimog-Kehrmaschine unser stärkstes Produkt.

Was ist es denn genau, dass Ihre Kunden an den Produkten von Trilety so schätzen? 

Wir sind natürlich nicht davor gefeit, da und dort einmal einen Fehler zu haben. Aber der Grundtenor sind die Leistung und Haltbarkeit unserer Maschinen und unser schneller Support. Wir haben zwar Außenkundendienst- und Servicemitarbeiter, die primär für Problemstellungen vor Ort zuständig sind. Zusätzlich versuchen wir aber auch immer wieder die Mitarbeiter aus der Produktion, die die Maschine gebaut haben, hinaus zum Kunden zu schicken. Ein positiver Nebeneffekt hierbei: Das Feedback, das zurückkommt, fließt direkt in die Produktion mit ein. Also ich behaupte jetzt einfach mal, dass der Großteil unserer Weiterentwicklungen einer bestimmten Produktlinie letzten Endes vom Markt, sprich vom Kunden, kamen.

Wie genau sieht das Einbeziehen der Kunden-Feedbacks aus?

In unseren wöchentlichen Besprechungen sitzt auch unser Kundendienstleister. Wenn irgendwo mal ein Thema hochkocht, dann wird es hier zur Diskussion gebracht und in der Runde überlegt, ob das nur ein Einzelfall ist oder wir konstruktiv etwas ändern müssen. Oft stellt sich aber auch nachträglich heraus, dass es einfach ein Anwendungsproblem war, aufgrund schlechter Schulung. Im ersten Moment hat dann allerdings immer gleich die Maschine Schuld. Häufig sind solche Probleme aber auch ein Wartungsthema. Eine Kehrmaschine ist keine „plug and play“-Geschichte, die man einfach nach dem Arbeiten in die Ecke stellen kann. Sie muss ordentlich gereinigt und regelmäßig kontrolliert werden. Wenn man das nicht macht, ist früher oder später ein Schaden vorprogrammiert. Egal mit wem man spricht – diese Problematik hat jeder Kehrmaschinenhersteller.

Auf welche Produkte von Trilety können sich Ihre Kunden in naher Zukunft freuen?

Wir arbeiten gerade an einem neuen Schrubbdeck. Vor bald zehn Jahren haben wir begonnen, ein solches Gerät für den CityMaster 1200 der Firma Hako zu entwickeln. In den vergangenen Jahren sind immer mehr Hersteller von kleineren Geräteträgern mit dem Anliegen auf uns zugekommen, ein Schrubbdeck so zu adaptieren, dass es auch für ihre Maschine passt. Auch bei Hako hat es Veränderungen an Geräteträgern gegeben. In der Zwischenzeit wollte beispielsweise ebenso die Firma Kärcher für eines ihrer kleinen Kehrmaschinen ein Schrubbdeck haben. Allerdings wäre es zu unpraktikabel geworden, hätten wir das ursprüngliche Gerät so adaptiert, dass es auf alle Maschinen passt. Deshalb haben wir beschlossen, ein neues Schrubbdeck zu designen, das weitgehend auf die verschiedenen Geräteträger aufgebaut werden kann. Hier entwerfen wir gerade den Prototypen. Zudem wollen wir etwas Neues im Zusammenhang mit Elektrotechnik auf den Markt bringen. Wir bauen ja immer wieder kleinere Straßendienstfahrzeuge, mit denen alles Mögliche für den Winter- aber auch Sommerdienst transportiert wird. Beispielsweise ein Hochdruckreiniger, der ja irgendwie angetrieben werden muss. Bisher haben wir das mit einem kleinen Dieselmotor gemacht. Jetzt sind wir dabei ein Kit zu entwickeln, das elektrisch antrieben wird. Ob sich die Idee bewährt und von den Kunden angenommen wird, werden wir sehen.

Fakten zu Trilety:
Anzahl der Mitarbeiter: ca. 50
Geschäftsführer: Mag. Michael Trilety
Sitz: Hallein (Österreich)
Gründungsjahr: 1953
Produktionsfläche: rund 3.500 m2 in Hallein sowie rund 1.500 m2 am Zweitstandort Neualm (Stadtteil von Hallein)

 
Interview: JG – Redaktion Bauhof-online.de
Bilder: Gebrüder Trilety Ges.m.b.H./Bauhof-online.de


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