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22. November 2017

INTERFORST 2018: Wälder im Klimawandel – unverzichtbar, schutzbedürftig

INTERFORST 2018: Wälder im Klimawandel – unverzichtbar, schutzbedürftig

- Neue waldbauliche Strategien sind notwendig- Nachhaltig bewirtschaftete Wälder sind Klimaschützer- Auf der INTERFORST trifft sich Praxis, Forschung und Politik

Weltweit wird kontrovers über Klima- und Umweltschutz diskutiert. Über die Bedeutung von gesunden und wachstumsstarken Wäldern herrscht hingegen Einvernehmen, Wälder sind Teil vieler regionaler und nationaler Klimaschutzprogramme. Doch Bäume und Wälder leiden selbst unter dem Klimawandel. Welche Strategien können helfen?

Wärmer, trockener und mehr extreme Ereignisse: Klimaprognosen sagen mehr Stress für die Natur voraus – und er ist bereits heute deutlich spürbar: „Umgestürzte Bäume nach Unwettern sowie Schädlinge und Waldbrände in Folge trockener Sommer zählen dazu“, sagt Philipp zu Guttenberg, Präsident der AGDW – Die Waldeigentümer. Das erfordere eine Reihe von Maßnahmen, „darunter das Anpflanzen klimatoleranter Baumarten sowie die Bereitstellung geeigneter Mittel, um Schädlinge wie Borkenkäfer oder Eichenprozessionsspinner zu bekämpfen“. Der Einsatz aktueller Technologie und neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse sei ebenfalls entscheidend.

Nachhaltige Bewirtschaftung ist Klimaschutz
Die Frage lautet nicht mehr, ob der Klimawandel kommt, sondern wie schnell und in welchem Ausmaß. Zwar können Bäume sich durch natürliche Selektion an Umweltveränderungen anpassen und sogar teilweise von einer verlängerten Vegetationszeit oder höheren CO2-Gehalten in der Atmosphäre profitieren. Ein sehr rascher Klimawandel mit extremen Einflüssen könnte jedoch die Anpassungsfähigkeit der Wälder überfordern (Quelle u.a.: Brang/Klimawandel als waldbauliche Herausforderung).

Ein Schlüssel, um den Wald langfristig zu schützen, heißt nachhaltige Bewirtschaftung. Denn sehr langfristig gesehen sind Wälder, die sich selbst überlassen werden, CO2-neutral. Nach dem Absterben der Bäume wird der im Holz gespeicherte Kohlenstoff wieder freigesetzt, gleichzeitig nehmen junge Bäume wieder CO2 auf. Es stellt sich ein biologisches Gleichgewicht mit einem mehr oder weniger gleich bleibenden Kohlenstoffspeicher ein. Der naturbelassene Wald entzieht der Atmosphäre dann aber nur noch wenig zusätzliches CO2.

In einem bewirtschafteten Wald werden die Bäume geerntet und das Holz genutzt, bevor der Abbauprozess beginnt. Ein nachhaltig bewirtschafteter Wald erbringt über lange Zeiträume auf diese Weise eine große CO2-Senkenleistung. Daher ist die verantwortungsvolle nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern und eine intelligente Nutzung des kostbaren Rohstoffes Holz ein wichtiger Baustein und Beitrag zum weltweiten Klimaschutz.

Vielfalt sorgt für Widerstandskraft
Ein weiterer Hebel für den Waldschutz ist der Aufbau von strukturreichen Mischwäldern, die ein hohes Anpassungspotential haben. „Eine höhere Vielfalt bei den Baumarten steigert die Resilienz. Damit einher geht ein Artenreichtum der Lebewesen im Boden, das erhöht wiederum die langfristige Bindung des Kohlenstoffs im Waldboden“, erläutert Prof. Dr. Karl Stampfer vom Institut für Forsttechnik der Universität für Bodenkultur in Wien. „Eine breitere Altersstruktur bei den Bäumen und eine frühere Ernte sind weitere diskutierte Maßnahmen."

Auch moderne Forstmaschinen und Holzerntesysteme spielen eine große Rolle, ebenso die Qualifikation, betont Stampfer: „Gut ausgebildete Fachleute sorgen dafür, dass die vielfältigen Erwartungen an den Wald ohne negative Auswirkungen auf das Ökosystem erfüllt werden.“

Bayerische Staatsforsten: hin zu strukturreichen Mischbeständen
Auf einen umfangreichen Waldumbau setzen auch die Bayerischen Staatsforsten. „Wir wollen weg von einschichtigen Reinbeständen hin zu strukturreichen Mischbeständen mit mindestens vier Baumarten“, erklärt Martin Neumeyer, Vorstandsvorsitzender Bayerische Staatsforsten. Dies geschehe auch auf Kosten der Fichte, die derzeit einen Anteil von 43 Prozent hat, in 50 Jahren aber nur noch 35 Prozent ausmachen soll. Nadelholz bleibe aber wichtig, „vor allem vor dem Hintergrund einer zunehmenden Nachfrage nach Holz für den Gebäudebau“. Deshalb haben die Bayerischen Staatsforsten eine Tannenoffensive ausgerufen: „Wir wollen bis 2050 den Tannenanteil von heute rund zwei auf sechs Prozent steigern, im Gebirge auf deutlich über zehn Prozent.“

Diskussion um den klimafitten Wald auch auf der INTERFORST
Fachleute diskutieren den richtigen Weg zu stabilen Mischwäldern durchaus kontrovers. Waldbesitzer fordern politische Unterstützung ein, um Alternativen zu suchen und zu erproben. Um ihr Risiko zu minimieren, wollen viele beispielsweise nicht nur auf die üblichen heimischen Baumarten setzen, sondern auch auf klimatolerante Baumarten wie Douglasie, Roteiche oder Küstentanne als Beimischung.

Die Diskussion um den klimafitten Wald ist Bestandteil der INTERFORST, die vom 18. bis 22. Juli 2018 auf dem Messegelände München stattfindet. Das Thema wird sich u.a. im Kongress sowie im Forenprogramm niederschlagen. Auf der INTERFORST treffen alle relevanten Gruppen der Forstwirtschaft und -technik zusammen, hier tauschen sich Wissenschaft, Politik und Praxis aus.

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