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Informieren und Ausprobieren beim Tag der Kommunaltechnik von HOLDER

Der Fahrzeughersteller veranstaltet einen Tag der Kommunaltechnik in Metzingen. Dabei begeistert nicht nur ein Geräteträger mit enormer Zugkraft die knapp 200 Besucher

Von: Jessica Gsell

Egal welche Witterung: Mit ihren vielen verschiedenen Anbaugeräten sind die Maschinen von Holder multifunktional einsetzbar. Nicht umsonst wird hier mit dem Slogan geworben: „Vier Jahreszeiten, ein Holder“. Als das Unternehmen nun erstmals zum Tag der Kommunaltechnik in ihr Werk einlud, waren die Verantwortlichen jedoch froh, dass sich ein Wetterphänomen – auf das man normalerweise sehnsüchtig wartet – noch zurückhielt: der Schnee. Denn sonst wären die zahlreichen Besucher, bestehend aus Vertretern von Kommunen, Dienstleistern sowie GaLaBau-Unternehmen, wohl eher mit Schneeräumen beschäftigt gewesen. Petrus meinte es aber gut, und so machten sich knapp 200 Interessierte auf den Weg nach Metzingen, um die Gelegenheit zu nutzen, sich über das umfangreiche Holder-Sortiment zu informieren und den ein oder anderen neuen Trend im Bereich der Kommunaltechnik zu entdecken.

>>> Bildergalerie: Tag der Kommunaltechnik 2016

Um den Tag möglichst abwechslungsreich zu gestalten, hatten sich die Verantwortlichen bei Holder einiges einfallen lassen. An acht Stationen konnten sich die Besucher jeweils über einen bestimmten Bereich der Kommunaltechnik informieren. Zur Auswahl standen die Themen Winterdienst, Wildkrautbeseitigung, Kehren, Holder Powerdrive, Miete & Gebrauchte, Wartung & Pflege, Spezialanwendungen sowie eine Service- & Infotheke. An jeder Station fanden die Besucher jeweils die passende Maschine plus Anbaugerät sowie einen Vertreter der Firma Holder vor, der ihnen Rede und Antwort stand. Stefan Heinzelmann, Leiter des Bereichs Verkaufsförderung bei Holder, hält einen solchen Tag für sehr wichtig. Nicht nur, weil Interessierte so die Möglichkeit haben, sich einen Überblick über das umfangreiche Sortiment des Unternehmens zu verschaffen. „Hier können wir den Nutzern auch noch den ein oder anderen Trick mit auf den Weg geben“, sagte Heinzelmann. Dafür richtete Holder zusätzlich an einer Station eine Expertenfahrschule ein. Besucher, die bislang noch nicht viel mit den Maschinen des baden-württembergischen Herstellers zu tun hatten, konnten hier bei einer Slalom-Fahrt ein erstes Gefühl für die Fahrzeuge entwickeln. Den „Holder-Profis“ dagegen zeigte ein Mitarbeiter des Unternehmens noch einmal, was aus der Maschine so alles herauszuholen ist und somit die tägliche Arbeit noch effizienter macht. Durchgehend wurde dieses Angebot von den Besuchern angenommen. Auch der Mitarbeiter des Bauhofs einer Stadt unweit von Metzingen drehte auf dem Parcours seine Runden. „Wir haben schon einen Holder. Der ist aber bereits sehr alt. Deshalb wäre es jetzt mal an der Zeit für einen neuen“, berichtete sein Bauhofleiter. Den Namen der Stadt will er geheim halten. Schließlich wolle er der Entscheidung des Stadtrates nicht vorgreifen, erklärte er mit einem Lächeln. „Es soll schon wieder ein Holder werden“, so der Wunsch des Bauhofleiters. Zum einen sei man mit der jetzigen Maschine sehr zufrieden, zum anderen sei die Nähe zum Werk ein großer Pluspunkt. Denn sollte es Probleme mit der Maschine geben, hätte man gleich einen Ansprechpartner und die Service-Werkstatt vor Ort. Der gleichen Meinung waren an diesem Tag auch noch andere Besucher.

Kleiner Holder zieht großen Sattelzug

Nicht nur an den einzelnen Stationen erhielten die Besucher umfangreiche Informationen über die verschiedenen Maschinen und ihre Anbaugeräte. Immer wieder führte Heinzelmann zusätzlich eine Präsentation mitten auf dem Werksgelände vor, wo er unter anderem auch den neuen Geräteträger C 70 vorstellte, den es in zwei Ausführungen mit Einmann- (C 70 SC) und Zweimannkabine (C 70 TC) gibt. Hier konnten die Besucher außerdem noch einmal genau sehen, durch welche Besonderheiten sich die Holder-Maschinen auszeichnen: Neben einer hohen Steigfähigkeit, die anhand der steilen Auffahrt auf einem Anhänger veranschaulicht wurde sowie der Demonstration des Knickgelenks, durch das engste Kurvenfahrten möglich sind, beeindruckte eine Vorführung die Besucher am meisten: Um die starke Zugkraft des Holder PowerDrive Antriebs der Maschinen deutlich zu machen, ließ Heinzelmann kurzerhand einen Sattelzug über Holzklötze ziehen – und das von einem Holder C 70 SC. An den Stationen selbst faszinierte eine weitere Neuheit im Bereich der Anbaugeräte die Besucher: der Holder Stripe Hog®. Mithilfe des kompakten Wasser-Hochdruckreinigungssystems lassen sich Fahrbahnmarkierungen ganz einfach entfernen und reinigen. Das Anbaugerät kann aber auch zur Flächenreinigung eingesetzt werden. Immer wieder wurde Holder-Mitarbeiter Jochen Straube gebeten, das Anbaugerät vorzuführen. Und so funktioniert es: Die Wasserpumpenkapazität von 2750 bar und 11 l/min. sorgt dafür, dass sich die Farbe schonend von der Fahrbahn löst. Gleichzeitig regelt ein Vakuum-Schmutzwassersystem den Wasserkreislauf. So wird der Schmutz aufgenommen und die behandelte Oberfläche gleichzeitig getrocknet. Der Schmutz wird anschließend aus dem Wasser herausgefiltert und kann dann leicht entsorgt werden. Um den enormen Wasserdruck den Besuchern noch deutlicher zu demonstrieren, klappte Straube die Bürste mit den Düsen nach oben und schaltet das Gerät erneut ein. Daraufhin wollte ein Besucher wissen, ob dasselbe auch mit Fahrbahnmarkierungen möglich sei, die aus Folien bestehen. Staube versprach, dahingehend Erkundungen einzuholen.

Bisher hat Holder vier dieser Anbaugeräte verkauft, berichtete der Vorsitzende der Geschäftsführung, Andreas Vorig, in seiner Begrüßungsrede. Die Anbaugeräte des amerikanischen Herstellers Waterblasting Technologies aus Florida, der das Wasser-Hochdruckreinigungssystem speziell auf den Holder S 990 optimiert hat, gingen jedoch allesamt ins Ausland, unter anderem nach Australien und Bogotá. Natürlich hoffe er, dass der Hochdruckreiniger auch bald in Europa zum Einsatz komme. Er sei besonders für Flughäfen geeignet. Wie stark das Unternehmen der Max Holder GmbH mit seinen Maschinen auf der ganzen Welt vertreten ist, zeigte sich beim anschließenden Firmenportrait. „Zwei Dinge sind mir vor der Veranstaltung durch den Kopf gegangen“, berichtete Vorig. Zum einen der Winterdienst, in der Hoffnung, dass es an diesem Tag nicht schneien möge. Zum anderen die USA und der Ausgang der Wahlen. Denn in Nordamerika sei man sehr stark mit den Holder-Produkten vertreten. Welche gravierenden Auswirkungen der Wegfall eines ganzen Marktes für das Unternehmen haben kann, zeigte sich erst kürzlich im Zuge des Russland Embargos. „Das hat uns mehrere Millionen Euro Umsatz gekostet“, machte der Vorsitzende der Geschäftsführung deutlich. Doch nun gehe es in Russland wieder bergauf mit Holder. In diesem Jahre verzeichne man bereits wieder einen deutlichen Umsatzzuwachs. Und dieser werde sich bald noch einmal steigern. „Wir haben vor ein paar Wochen einen Großauftrag aus Moskau bekommen“, verriet Vorig. 30 Stück der Modellreihe S 990 wurden bestellt. „Das hat uns sehr gefreut“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung. Daraufhin gab er noch einen kleinen Überblick über die breite Produktpalette des Unternehmens. Das Ziel von Holder sei es, „eine komplette Fahrzeugpalette im Schmalspurbereich mit einer Außenbreite bis 1,50 Metern“ zu haben. Diese Palette umfasst Maschinen mit Leistungen von 30 bis zu über 100 PS.

Fachvorträge zum Thema Grünpflege

Den Besuchern wurden an diesem Tag außerdem zwei Fachvorträge zum Thema Grünpflege geboten. Zunächst referierte Dr. Jörg Morhard von der Universität Hohenheim über „Ausgewählte Aspekte moderner Grünflächenpflege in der Kommune“. „Es gibt viele verschiedene Typen von Rasen“, erklärte der Fachmann. Und für jeden gebe es eine spezielle Pflege und somit auch ein spezielles Gerät. Wichtig sei es, bereits von Beginn an die passende Saatgutmischung zu verwenden. Hier empfahl Morhard den Gebrauch von Regelsaatgutmischungen (RSM). Denn diese Produkte seien, im Gegensatz zu günstigeren, optimal auf den Verwendungszweck zugeschnitten. Beim Schneiden sollte dann die sogenannte Ein-Drittel-Regel ihre Anwendung finden. Sie besagt, dass maximal Ein-Drittel des Aufwuchses abgeschnitten werden darf, um einen Stress der Gräser zu vermeiden. Diskussionen gebe es auch oft bei der Frage: Stumpfes oder scharfes Messer? „Hier spielt die Ästhetik und der Kraftstoffverbrauch eine große Rolle“, erklärte der Experte. Denn beim Einsatz eines scharfen Messers gehe das Schneiden zwar schneller und auch das Ergebnis hinterher könne sich sehen lassen. Allerdings kämen die Gräser nach einem solchen Schnitt auch viel schneller wieder hoch, als beim Einsatz eines stumpfen Messers. Dafür sehe hier das Ergebnis am Ende aber auch nicht besonders schön aus. Ein weiterer Punkt, an dem sich „die Geister scheiden“, sei die Entscheidung zwischen Mulchen oder den Schnitt aufnehmen und abtransportieren. Wenn es die Möglichkeit gebe, das Schnittgut auf der Fläche zu belassen, dann riet Morhard zu diesem Verfahren. So bekäme der Rasen auf natürliche Weise Nährstoffe. Am Ende seines Vortrags warf Morhard noch einen Blick auf die neuesten Entwicklungen in diesem Bereich. Ganz vorne mit dabei seien die ferngesteuerten Mäher, gefolgt von den Mährobotern mit einer elektronischen Flächenbegrenzung, aber auch Mäher mit Raupenfahrwerken sowie Reifen ohne Luft, als Schutz vor Fremdkörpern.

Der zweite Redner an diesem Tag war Dr. Friedrich Merz vom Regierungspräsidium Stuttgart. In seinem Vortrag ging es um das Dauerbrenner-Thema Wildkrautbeseitigung. Merz gab einen Überblick über die Regelungen bei Herbizid-Einsätzen in den Kommunen. „Dieses Thema ist über die vergangenen Jahre immer schwieriger geworden“, sagte der Experte. Denn die rechtliche Grundlage hätte sich immer mehr verschärft. Kein Problem gebe es bei gärtnerisch genutzten Flächen, die nicht von der Allgemeinheit mitbenutzt werden, beispielsweise bei Überwinterungspflanzen. Anders sehe es bei den Flächen aus, zu denen die Allgemeinheit Zutritt hat, wie Parks, Grünanlagen oder auch Sportplätze. Auf der Homepage des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) könne man sich unter dem Punkt Pflanzenschutzmittel genau informieren, welches Produkt für welches Einsatzgebiet verwendet werden darf und in welcher Form es Auszubringen ist. Bei Nichtkulturland wie Parkplätzen oder Gehwegen müsse stets die Genehmigung der zuständigen Behörde eingeholt werden. Dies geschieht in Form eines Antrags, der jedoch von jemandem gestellt werden muss, der einen Sachkundenachweis besitzt.    

Von der Schneefräse bis zur Kehrmaschine

Da an diesem Tag noch kein Winter im baden-württembergischen Metzingen Einzug gehalten hatte, ließ sich Holder eine Alternative einfallen, um dennoch die verschiedenen Schneefräsen und Schneeräumschilder im Einsatz zeigen zu können. Anstelle von Schnee wurden 30 Kubikmeter Hackschnitzel zur Verfügung gestellt. So lag an diesem Tag immer wieder eine dunkle Wolke aus Staub über dem Gelände. Um die Wirkung der Kehrbürsten zu demonstrieren, zogen die Holder-Mitarbeiter eine Spur aus Erde und anderem Dreck über das Betriebsgelände. Von der Möglichkeit, alle Maschinen und Anbaugeräte einmal selbst auszuprobieren, waren auch die Mitarbeiter eines zehn-Mann-großen Bauhofs einer Gemeinde aus dem Raum Günzburg begeistert. „Ein Auto würden sie ja auch nie kaufen, ohne vorher eine Probefahrt zu machen“, brachte es einer von ihnen auf den Punkt. Derzeit gebe es die Überlegung einer Ersatzbeschaffung. Momentan fahre man dort allerdings noch das Fahrzeug eines anderen Herstellers. „Wir hätten aber schon gerne einen Holder als nächstes Fahrzeug“, verrieten die drei Mitarbeiter des schwäbischen Bauhofs. Vor allem die vielen Einsatzmöglichkeiten durch die verschiedenen Anbaugeräte hätten sie überzeugt. Aus diesem Grund waren auch Vertreter der namhaften Anbaugerätehersteller, von Fiedler über GMR, Kahlbacher, KIF bis hin zu Kugelmann und Wave, anwesend, um die Besucher über ihre Produkte zu informieren.

Was an diesem Tag allerdings fehlte, war die neue Holder-X-Baureihe mit Benzinmotor, die das Unternehmen im September das erste Mal auf der GaLaBau 2016 in Nürnberg präsentierte. In anderen europäischen Ländern sei das Interesse nach einem Kommunalfahrzeug mit Benzinmotor bereits sehr groß. So wie beispielsweise in Paris. Dort gilt ab dem kommenden Jahr ein striktes Dieselverbot in der Innenstadt. Deshalb liefert Holder nun 12 Fahrzeuge seiner X-Baureihe mit Benzinmotor im Januar in die Hauptstadt Frankreichs. Denn bei der zweiten Alternative zum Diesel, einem Fahrzeug mit Elektromotor, gebe es, abgesehen von der Motortechnologie, die noch nicht ausgereift ist, auch noch Herausforderungen hinsichtlich der Arbeitsleistung und -dauer zu bewältigen, berichtete der Vorsitzende der Geschäftsführung Vorig. „Die flächendeckende Markteinführung in Deutschland und Europa ist für das zweite Quartal 2017 geplant“, so Franziska Reiche, Leiterin für Marketing und Kommunikation bei Holder.

Die Idee für den Tag der Kommunaltechnik reifte im vergangenen Jahr, als die letzte Veranstaltung der Roadshow im heimischen Werk einen so großen Anklang fand. Und eines steht bereits jetzt schon fest: 2017 soll es wieder einen Tag der Kommunaltechnik im Holder-Werk in Metzingen geben.

Text: Jessica Gsell – Redaktion Bauhof-online.de
Bilder: Bauhof-online.de

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