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In Owschlag jagt ein Großbauprojekt das andere

In der schleswig-holsteinischen Gemeinde betreuen die Bauhofmitarbeiter eine ganze Reihe an Baumaßnahmen. Dank ihrer zahlreichen Eigenleistungen konnten bereits große Geldsummen eingespart werden. Dafür braucht es aber qualifiziertes Personal.

Von: Jessica Gsell

Der Frühling ist in Deutschland angekommen. Auch im schleswig-holsteinischen Owschlag haben die Mitarbeiter des dortigen Bauhofs mit der Wintersaison abgeschlossen. Von Anfang November weg waren sie damit beschäftigt, die 266 km an Straßen und Wegenetz von Schnee und Eis freizuhalten. Dafür stehen den acht Mitarbeitern ein großer Case sowie ein kleiner John Deere Schlepper zur Verfügung. Bei extrem strengen Wintern können zusätzlich noch ein zweiter Kommunalschlepper, ein Unimog U417 sowie ein Ahlmann Radlader in kürzester Zeit mit Schneeschild und Streuer ausgerüstet werden. Doch jetzt werden die Winterdienstgeräte, nachdem sie die Mitarbeiter zuvor gründlich in Augenschein genommen haben, erst einmal wieder eingelagert. Zeit zum Durchschnaufen bleibt in Owschlag allerdings nicht: Für die Männer des Bauhofs und ihre Maschinen stehen bereits die nächsten Aufgaben auf der Tagesordnung.

„Im April rechnen wir schon immer mit dem ersten Mähtörn“, berichtet Bauhofleiter Dennis Börgmann. „Zur Vorarbeit begradigen wir die ganzen Unebenheiten und Maulwurfshügel zunächst mit einer Wiesenschleppe“, erklärt der 36-Jährige. Für 33,5 Hektar Grünfläche ist der Bauhof Owschlag verantwortlich. Der heiße und zugleich trockene Sommer im vergangenen Jahr hat auch in der schleswig-holsteinischen Gemeinde die gewohnten Aufgaben mitunter etwas durcheinandergewirbelt. „Auf der einen Seite hat uns der verringerte Graswuchs etwas Luft bei den Mäharbeiten gelassen. Auf der anderen Seite mussten wir die freien Ressourcen in die Baumbewässerung investieren“, erinnert sich Börgmann. Sollte sich das Wetter in diesem Jahr wiederholen, dürften neben den Bäumen auch die Blumen in Owschlag beim Gießen besondere Aufmerksamkeit verlangen. Denn bereits im Herbst 2018 wurden auf 250 Quadratmetern an verschiedenen Grünflächen im Ort Blumenzwiebel gesetzt und zusätzlich auf rund sechs Hektar die Blühmischungen aus dem Förderprojekt „Schleswig-Holstein blüht auf“ ausgebracht. Die dabei entstehenden Blühflächen sollen bis in den Spätsommer hinein Insekten und Feldvögeln Nahrung sowie einen Rückzugsraum bieten. In Kürze sollen noch weitere solcher Blühflächen entstehen. „Unser ehrenamtlicher Bürgermeister ist beruflich als Gärtnermeister tätig. Gerade auch deshalb legen wir vermehrt unser Augenmerk auf solche Blühstreifen“, berichtet Börgmann.  

Eigenleistungen des Bauhofs sparen Geld

Neben der Grünflächenpflege ist der Bauhof Owschlag auch an einer Reihe von Bauprojekten in der Gemeinde beteiligt: So wird der stillgelegte Nordflügel der ehemaligen Regionalschule zu einem Dorfgemeinschaftshaus umgebaut. Die Mitarbeiter des Bauhofs sind bei diesen Arbeiten vollständig involviert: Sie kümmern sich um die Entkernung des Objekts, richten die 150 Quadratmeter große Außenanlage her und verlegen dort auch die Abwasserleitungen. Zusätzlich wird ein Gehweg geschaffen. Für den Bauhof Owschlag zählen solche Großprojekte zum Arbeitsalltag: Von 2015 bis 2017 waren die Mitarbeiter für die Umgestaltung von zehn Spielplätzen im Gemeindebereich verantwortlich – unter anderem an der wohl wichtigsten Sehenswürdigkeit in der Gemeinde, dem Owschlager See. Vor zwei Jahren stand der Umbau des Grundschulhofs zu einem großen Spielplatz auf dem Programm. Vergangenes Jahr musste der 680 Quadratmeter große Krippenparkplatz ausgebaut sowie eine gemeindeeigene Wohnung komplett saniert werden. Allein bei den eben genannten Großprojekten konnten, dank der Eigenleistungen des Bauhofs, mehr als 60.000 Euro der anfänglich geplanten Projektsummen eingespart werden. Darauf ist Börgmann, der seit knapp sieben Jahren das Amt des Bauhofleiters innehat, sehr stolz. Der reibungslose Ablauf solcher Projekte sei aber nur mit guten und qualifizierten Mitarbeitern möglich, betont er.

Um das hohe Arbeitsniveau seiner Mitarbeiter weiter zu fördern, aber auch als Zeichen der Wertschätzung, nehmen die Männer regelmäßig an Schulungen teil. Erst Anfang des Jahres erwarben sie den ‚Baumaschinenführerschein für Bagger‘. „Jetzt kann ich fast jeden meiner Mitarbeiter mit jeder Maschine losschicken“, freut sich Börgmann. Die Bagger-Schulung sei vor allem auch deshalb wichtig gewesen, weil sich der Bauhof vor gut einem halben Jahr einen neuen Teleskoplader – einen Weidemann T4512 – zugelegt hat. Die Mitarbeiter hatten bei der Wahl der Maschine ebenfalls ein Mitspracherecht. Denn Börgmann weiß: Maschinen, mit denen seine Mitarbeiter gerne arbeiten, werden auch pfleglich behandelt. Mit der jüngsten Schulung kann sich der Bauhofleiter nun zusätzlich sicher sein, dass der neue Teleskoplader sowie die anderen Baumaschinen des Fuhrparks auch richtig bedient werden und so lange funktionsfähig bleiben.

Kein Papierkram mehr dank BIS-System

Um 7 Uhr in der Früh werden die Mitarbeiter täglich für ihre Aufgaben eingeteilt. Erweitert sich die To-do-Liste im Laufe des Tages, informiert sie darüber das sogenannte BIS-System (Bauhofinformationssystem). „Der Bauhof in Owschlag hat schon vor meiner Zeit begonnen, mit diesem System zu arbeiten“, sagt Börgmann. Mit der Software-Lösung von Public Solutions erfolgen Arbeitsdokumentation und Zeiterfassung nicht mehr handschriftlich oder über eine Stempeluhr, sondern ganz einfach mithilfe eines Smartphones. „Jeder Bauhofmitarbeiter hat deshalb ein Outdoor-Handy erhalten. Das ist größer als ein herkömmliches Handy und vor allem auch wasserfest“, berichtet der Bauhofleiter. Mit der dazugehörigen App können nicht nur direkt vor Ort die Aufträge sowie die Art der Tätigkeit und Dauer eingegeben, sondern auch die Rechnung für den jeweiligen Kunden direkt über das Smartphone an die Kostenstelle geschickt werden. „Und das, ohne den lästigen Papierkram“, freut sich Börgmann. Für die kommende Wintersaison soll das BIS-System noch um eine eigene App zur Winterdiensterfassung erweitert werden.


Der Ausbau des BIS-Systems ist aber nicht die einzige Entwicklung, die in Kürze in Owschlag ansteht. „Wir werden in diesem Jahr auf dem Bauhof einen großen Pultdachunterstand als Lagerfläche und Maschinenunterstand bauen“, berichtet Börgmann. Außerdem wird der Fuhrpark in den kommenden Wochen um ein neues Mitglied erweitert: einen Hakenliftanhänger samt Container. Im Großen und Ganzen sind der 36-Jährige und sein Team aber mit der Maschinenausstattung des Bauhofs sehr zufrieden. „Durch einen Fünf-Jahres-Investitionsplan hat die Politik einen guten Überblick und kann die begrenzten Ressourcen besser planen“, sagt Börgmann. Auf diese Weise wurde in den vergangenen Jahren in ein durchdachtes Fahrzeugkonzept investiert. „Dadurch ist die Bauhofbelegschaft natürlich hochmotiviert“, freut sich der 36-Jährige. Bei den Neuanschaffungen wird in Owschlag zudem immer mehr in Richtung ökologische Verträglichkeit gedacht. „Wir prüfen stets, ob es auch eine Alternative zum herkömmlichen Verbrennungsmotor gibt“, berichtet Börgmann und fügt mit einem Lächeln hinzu: „Allein durch meine Herkunft von der autofreien Nordseeinsel Langeoog bin ich Elektrofahrzeugen gegenüber sehr aufgeschlossen.“ Und auch beim Winterdienst soll bei zukünftigen Neuanschaffungen die Gewichtung mehr auf die Feuchtsalz- statt bislang auf die reine Trockensalztechnik gelegt werden.

Eine Sache liegt dem Bauhofleiter aber noch ganz persönlich am Herzen: Er will bei den anfallenden Arbeiten wieder selbst mehr Hand anlegen. „Mich haben in den vergangenen Jahren die Verwaltungstätigkeiten so sehr eingenommen, dass für das Mitarbeiten fast gar keine Zeit mehr übrigblieb“, berichtet Börgmann und hofft: „Da wir aber den Bauhof in Teilzeit mit einer Bürokraft aufstocken werden, verspreche ich mir wieder freie Kapazitäten, um mehr mit meinen Kollegen im Außeneinsatz tätig werden zu können.“  


Fakten zum Bauhof Owschlag

Leitung des Bauhofs: Dennis Börgmann
Anzahl der Mitarbeiter: 20;acht Bauhofmitarbeiter und 12 Reinigungskräfte
Aufgabenbereiche des Bauhofs: Grünflächenpflege; Verkehrssicherungspflicht (z.B. Baum-, Straßen- und Spielplatzkontrolle); Winterdienst (24-Stunden-Rufbereitschaft); Straßenreinigung; Unterhaltung und Wartung der Straßenbeleuchtung; Betreiben und Unterhalten derWasserversorgungsanlagen inklusive Trinkwassernetz mit Schiebern, Hydranten und Hausanschlüssen sowie der Abwasserreinigung inklusive Kanalnetz mit Pumpstationen und der Regenwasserkanäle inklusive der Straßenabläufe und Regenrückhaltebecken; Unterhaltung aller Liegenschaften der Gemeinde (24-Stunden-Rufbereitschaft) wie Kindertageseinrichtungen, Sportanlagen und Turnhallen, Spielplätze und Badestrand, Schule, Dorfgemeinschaftshaus, Feuerwehren, alter Bauhof, Kleiderkammer, Jugendzentrum sowie alter Bahnhof; Friedhofspflege; sozialer Dienst; Technische Dienstleistungen für das Amt Hüttener Berge.
Fuhrpark: 12 Fahrzeuge: 1 Case Maxxum CVX mit Spearhead-Ausleger für Knickschere, Astkreissäge und Mulchkopf, Frontauslegermulcher, Frontlader, Wegehobel, Räumschild und Streuer, Dreiseitenkippanhänger (acht Tonnen); 2 John Deere 3045 R mit Überfahrmähwerk mit Grasaufnahmecontainer, Heckmulcher, Frontbesen, Sportplatzgräter, Wiesenschleppe, Räumschild und Streuer, 2 Dreiseitenkipper (drei Tonnen); 1 Unimog U417 mit Anbauschredder, Schneeschleuder, Räumschild und Streuer, Dreiseitenkippanhänger (acht Tonnen); 3 Pritschenfahrzeuge (1 Mercedes Sprinter und 2 VW Crafter); 1 VW Caddy Kastenwagen; 1 Ford Transit Connect Kastenwagen; 1 Teleskop-Schwenkradlader Ahlmann AS 90 Tele mit Hubarbeitskorb, Buschzange, Schaufel, Gabel, Kehreinheit, Räumschild; 1 Weidemann T4512 Teleskoplader mit Schaufel, Gabel; 1 Yanmar SV 18CRE Minibagger.
Verantwortungsbereich: 33,5 Hektar Grünfläche; 266 km Straßen und Wegenetz.
Zu betreuende Fläche: Der Bauhof ist zuständig für die 39,35 Quadratmeter große Gemeinde Owschlag samt ihrer fünf Ortsteile Norby, Boklund, Ramsdorf, Steinsieken und Sorgwohld.

Text: Jessica Gsell – Redaktion Bauhof-online.de
Bilder: Bauhof Owschlag

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