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„I mog Unimog“: Kranimog macht Allrounder zum mobilen Lastenheber

Bisweilen treibt die Corona-Pandemie gar fruchtbare Blüten: Mit dem Kranimog hat die Firma Anton Fischbacher vom ersten Lockdown bis zum Frühwinter einen wechselbaren Heckanbaukran für den Unimog entwickelt und auf den Markt gebracht.

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Von: Michael Loskarn

Von Zeit zu Zeit spielt einem das Leben – trotz aller Widrigkeiten – in die Karten. Wenn beispielsweise junge Wilde in Sachen Kran und Unimog zueinanderfinden, entsteht Einzigartiges. Toni Bader, Stefan Holzki und Sebastian Schäfer haben im vergangenen Jahr die Gunst der Corona-Stunde genutzt und ein einfaches Verfahren mit spezieller Schnittstelle zur Montage eines abnehmbaren Heckanbaukrans am Unimog entwickelt. Das Besondere an diesem System – der Kran kann von nur einer Person und in kürzester Zeit an- und abgebaut werden. Clou dabei: Über einen speziell dafür entwickelten, mobilen Trolley kann der Lastenheber platzsparend abgestellt sowie verstaut werden, und er folgt der Kontur des Unimog. Außerdem ist das Fahrzeug – trotz Kran – weiterhin geländegängig flexibel und mit den verschiedensten Anbaugeräten einsetzbar.

Im Vergleich zum Kipppritschenrahmen wurde die Ladekante um 40 mm abgesenkt, wobei die originalen Kipppunktauflagen erhalten werden konnten. Nur wenige Minuten sind für die Montage bzw. Demontage nötig, und zwar aufgrund der selbstnachspannenden Verriegelung komplett werkzeuglos. Über die Unimog-Hydraulik (Nebenantriebe frei für weitere Anwendungen) wird der HIAB-Kran betrieben. Zusätzlich ist es möglich, selbst bei montiertem Kran einen Anhänger ans Multitalent mit dem Stern anzukoppeln. Idee der Konstrukteure: „Wenn man dem Unimog Arbeitsstunden gibt, dann wird er noch wirtschaftlicher und zum Ganzjahresfahrzeug“, schildert Diplom-Ingenieur Holzki. Diesen „Fächer“ öffne der Kranimog nun noch weiter.

Mit dem Kranimog Umsatzeinbußen vorbeugen

Selbstredend waren Bader, Holzki und Co. ursprünglich nicht angetreten, um dem Unimog mit weiteren „Fächern“ mehr Luft zum Atmen zuzufächeln. Weitaus bodenständigere Gründe gaben den Ausschlag, um ordentlich Hirnschmalz in die Entwicklung eines neuen Anbaugeräts zu stecken. Denn, für den 39-jährigen Toni Bader, Geschäftsführer der Firma Anton Fischbacher, ist klar: „Der Brennerbasistunnel kommt.“ Dies bedeute für eine Vertragswerkstatt der Daimler-Benz AG, die zu „64 Prozent Lkw-lastig“ ist, Umsatzeinbruch. „Da musst du kein Wirtschaftsweiser sein“, so Bader lapidar. Hintergrund: Der Wirtschaftsingenieur prognostiziert, dass in Sachen Basistunnel in München-Riem die Verladung auf die Schiene über die Bühne gehen wird – bis nach Verona. In Nußdorf am Inn, direkt am Autobahnkreuz A8 und A93 gelegen, komme dann kaum mehr Fernverkehr vorbei.

Als erster und ältester Partner von Mercedes und Unimog im Landkreis Rosenheim beweist Fischbacher seine Kompetenz seit mehr als 80 Jahren. Da liegt es für Anton III. – wie der Enkel des Firmengründers Anton Fischbacher, Toni Bader, firmenintern respektvoll genannt wird – auf der Hand, sich „gezielt auf den Nahbereich“ zu konzentrieren. Dem anstehenden Verdrängungskampf im Lkw- und Pkw-Geschäft will er mit cleveren Lösungen für den Unimog entgegenwirken. Und, Toni hält sich dabei an die Maxime des Großvaters: „Du musst es selber machen, sonst wird’s sowieso nichts.“ Ergo: Obwohl das Thema Absattelkonsole bei den Profis „schwer negativ behaftet“ und weil eben „nix Gutes“ auf dem Markt war, nahm es der Vater einer Tochter vor etwa zweieinhalb Jahren ins Visier. „Mal mit mehr, mal mit weniger Elan.“ Marktforschung betreibt er bei den Experten in orange, hört genau hin, was nicht „schön und gut“ ist. Ergebnis: „80 Prozent der Kritikpunkte sind deckungsgleich.“ Daraus erstellt Bader sein Lastenheft. Er weiß nun, wichtig ist den Bauhofteams, dass der Kran der Kontur des Unimogs folgt, nach unten bzw. hinten weg absattelbar sein muss und platzsparend aufräumbar sein sowie über ein Positioniergerät geparkt werden sollte.

„Menschlich und fachlich hat es gepasst“, sagt Stefan Holzki über die Zusammenarbeit mit Toni Bader.

Allein, es fehlt am geeigneten „Vertriebler“. Bajuwarisch-bodenständig löst Bader das Problem bei ein „paar Bier“ und holt den Rheinland-Pfälzer Holzki ins Boot, den er zuvor über Projekte mit HIAB kennengelernt hatte. Ursprünglich von der Karlsruher Unimog-Generalvertretung kommend, hatte der 47-Jährige bereits nach der Übernahme durch HIAB das „Thema Kran und Unimog bespielt“. „Und menschlich und fachlich hat es gepasst“, sagt der zweifache Familienvater. Am 01. März steigt Holzki bei Fischbacher als Vertriebsingenieur ein, bereits am 22. März tritt der erste Corona-Lockdown in Deutschland in Kraft. Doch Bader und Holzki verhalten sich antizyklisch – von wegen Kurzarbeit. Vielmehr nutzen sie die Wochen und Monate der wirtschaftlichen Flaute, um auf Basis der 3-D-Konstruktionsdaten von Daimler und Hiab dem Kranimog Leben einzuhauchen. Was die Beiden am Reißbrett entwerfen, gießt Schäfer – ein „grandioser Fahrzeugbauer“ (Originalton Holzki) – in Stahl und Eisen. Neben den verbauten Originalteilen von Daimler und HIAB setzen die Fischbacher-Leute auch bei den Rahmenteilen auf Langlebigkeit und Durabilität: alles ist feuerverzinkt und pulverbeschichtet. Und, alles ist „in Bayern entwickelt, gebaut und vertrieben“, so Holzki.


Doch, weil die Bayern nicht nur stolz, sondern auch clever sind, ist das System bereits zum Patent angemeldet. „Der Patentschutz besteht auch schon“, verrät der studierte Fahrzeugtechniker. Bader dagegen gibt preis, dass sich das bisherige Invest auf eine „niedrige sechsstellige Summe“ belaufe. Auch seine Idee, in Sachen Entwicklung „ganz vorsichtig unter dem Lockdown durchzusurfen“, sei aufgegangen. Wenngleich es dennoch „schwierig“ gewesen sei. Insbesondere die Materialbeschaffung habe sich aufgrund der Pandemie als tückisch erwiesen. Andererseits, durch die Tatsache, dass seine „eingespannten“ Studienfreunde Lockdown-bedingt in der Lage waren, kleine Serien zu fertigen, „Rohrlaserteile“ zu schneiden oder die Pulverbeschichtung zu erledigen, war die Fertigstellung des Kranimogs innerhalb weniger Monate möglich.

Weitere Innovationen in der Pipeline

Bereits seit Ende vergangenen Jahres laufen die Vertriebsaktivitäten: Mit einem U318 samt Kranimog am Heck reist Holzki von Interessenten zu Interessenten. Dabei seien die Rückmeldungen durchweg positiv: „Wir haben eine Trefferquote von 100 Prozent. Alle sind total begeistert.“ Originalton einer fränkischen Bürgermeisterin, die für ihren Bauhof ordern will: „Grüßen Sie Ihren Chef, Sie können stolz darauf sein, was sie hier geschaffen haben.“ Doch das soll es nicht gewesen sein, was die jungen Wilden in Sachen Kran und Unimog auf den Markt bringen. „Es wird weitere spannende Entwicklungen und Innovationen im Bereich Kran auf Unimog geben“, verspricht der Fischbacher-Vertriebsingenieur. Denn, auch ohne Corona-Pandemie sollen die Entwicklungen aus Nußdorf am Inn in Zukunft fruchtbare Blüten tragen.

Bilder: Fischbacher

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Anton Fischbacher e.K. - KRANIMOG

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