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Hering Bau GmbH + Co. KG: Textilbewehrter Beton

Mit der Entwicklung von textilbewehrtem Beton ergeben sich seit einigen Jahren völlig neue Konstruktions- und Gestaltungsoptionen in der Fassadenarchitektur.

 

Ob bei der (energetischen) Fassadensanierung öffentlicher Gebäude oder beim Neubau von Industrie-, Schul- und Verwaltungsgebäuden: Fertigteil-Elemente aus Textilbeton erweisen sich – eingesetzt als Vorhangfassade – durch ihr geringes Ge-wicht und ihre Freiheit in Bezug auf die Farb- und Oberflächengestaltung als überzeugende Lösung.

Vielfältige Vorteile
Elemente aus Textilbeton erlauben relativ kleine Betonüberdeckungen der Bewehrung, da die zur Verwendung kommenden Textilien korrosionsunempfindlich sind. Dadurch ergeben sich schlanke, großformatige und relativ leichte Bauteile, die während des Herstellungs- und Montageprozesses  einfach zu handhaben sind. Zu den konstruktiven Vorzügen kommen auch wirtschaftliche und gestalterische Vorzüge. So kann z. B. bei  Fassadensanierungen aufgrund der sehr dünnwandigen Elemente eine stärkere Dämmung angebracht werden, ohne den Volumenzuwachs der Fassade übermäßig zu erhöhen.

Forschung und Entwicklung
Schon 2004 entwickelte die TU Dresden gemeinsam mit dem Industriepartner Hering Bau eine 20 mm dicke und 1,20 m x 0,60 m große textilbewehrte Betonplatte zur Fassadenverkleidung. Kurz darauf erhielt das unter dem Namen betoShell® bekannte Produkt die „Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung“ des Deutschen Instituts für Bau-technik. In Kooperation mit Prof. Josef Hegger und dem Institut für Massivbau der RWTH Aachen entwickelt das Unternehmen Hering Bau die Fassadenplatten bis heute stetig weiter. Vorrangiges Ziel ist es, die Formate der Elemente weiter zu vergrößern und die Gestaltungsmöglichkeiten im Bereich der Fassade zu erhöhen, ohne dass Stabilität und Festigkeit beeinträchtigt werden.

Schon heute können betoShell®XXL-Platten aus hochfestem Feinbeton mit bis zu 12 m² Fläche und einer Dicke von nur 35 mm zuzüglich zweier rückseitig angebrachten Verstärkungsrippen hergestellt werden. Durch die Vergrößerung der Elementfläche werden die Aufhängungen und der Fugenanteil reduziert. Hierdurch werden auch we-niger Arbeitsschritte erforderlich. Das wiederum bedeutet kürzere Montagezeiten und einfacheres Handling  der Fassadenelemente.

In Zusammenarbeit mit Prof. Manfred Curbach und dem Institut für Massivbau der TU Dresden entwickelte Hering Bau das textilbewehrte Fassadensystem betoShell®BIG mit einer maximalen  Abmessung von 2,40 m x 1,20 m bei einer Dicke von nur 30 mm. Die Fassadenplatte ist als vorgehängte hinterlüftete Fassade universell an allen Gebäudetypen einsetzbar, und dies für charakteristische Winddrücke von bis zu 1,80 kN/m². Innovativ ist dabei auch die Bewehrung. Zum ersten Mal kommt hier eine zweilagige Bewehrung in Form eines sogenannten 3D-Textiles zum Einsatz. Dieses SITgrid® genannte System wurde gemeinsam mit der Firma V. Fraas entwickelt und besteht aus zwei Textillagen im Abstand von 10 mm. Die beiden Lagen werden durch sogenannte Polfäden drucksteif miteinander verbunden. Das Textil besteht aus alkali-resistenten Glasfaserrovings, für die vom DIBt inzwischen eine Zulassung erteilt wurde. Der besondere Vorteil in der Herstellung liegt darin, dass durch die Verwendung des 3D-Textiles nur noch zwei Betonierabschnitte erforderlich werden. Bisher musste der Beton bei zweilagiger Bewehrung in drei Betonierabschnitten eingebracht werden. Damit der Beton ungehindert seinen Weg durch die Öffnungen findet und keine Ent-mischung der Betonmatrix entsteht, müssen die Maschenweiten des Textils und die Gesteinskörnungen des Betons in einer bestimmten Relation stehen. Am Institut für Baustoffkunde der Fakultät Bauingenieurwesen der Technischen Universität Dresden kamen die textilbewehrten Fassadenplatten betoShell®BIG  erstmalig zum Einsatz.

Nachhaltigkeit
Durch die textile Glasfaserbewehrung der betoShell®-Elemente und die spezielle Be-tonrezeptur werden extrem hohe Biege-, Zug- und Schlagfestigkeiten erreicht. Aufgrund dieser Eigenschaften ist betoShell® hervorragend geeignet für energetische Fassadensanierungen aber auch für Neubauten. Zudem zeichnen sich die textilbe-wehrten Betonfassadenelemente  durch eine enorm umweltschonende Herstellung aus und erfüllen somit die Forderung nach „Nachhaltigem Bauen und Konstruieren“. In der 2010 veröffentlichten Produktökobilanz erzielt betoShell® hervorragende Ergebnisse in Punkto CO2-Ausstoß, Ressourcen- und Energieeffizienz.

Gestaltungsvielfalt
Im Laufe vieler Jahre hat Hering immer wieder neue Möglichkeiten zur Oberflächen-veredelung von Fassaden und damit zur individuellen Gestaltbarkeit von Beton entwi-ckelt. Zu diesen Möglichkeiten gehört der Schalungsbau ebenso wie die verschiedenen Fertigkeiten, den natürlichen Gesteinszuschlag freizulegen oder  die Farbe des Betons zu variieren

Alle Elemente können mit einer fein gewaschenen, gesäuerten, gestrahlten oder ge-schliffenen Oberfläche hergestellt werden. Darüber hinaus gibt es noch Möglichkeiten, die Platten mit einer Reliefstruktur, BETOGLASS®-Elementen, einem Fotobetonmotiv  oder einer lichtreflektierenden BLINGCRETETM-Oberfläche zu versehen.
Maßstab sind die individuellen Wünsche des Planers und / oder des Bauherren.

Community College Leiden (CCL) in Leiden
Ein aktuelles Beispiel des Einsatzes von betoShell® Textilbeton-Fassadenelementen ist das im Sommer 2011 fertig gestellte Community College ROC Leiden. Für das bis zu 10-geschossige  College- und Bürogebäude in Leiden fertigte Hering Bau ca. 9.000 Elemente zur Verkleidung der ca. 9.500 m² großen Fassadenfläche.

Zur Gestaltung wählten die Architekten von RAU aus Amsterdam einen grün einge-färbten Beton mit gesäuerter Oberfläche.

Die Vorzüge von betoShell® lagen für die Architekten auf der Hand, wie der verant-wortliche Architekt Thomas Rau von Rau & Partner Amsterdam erklärt: „Der Einsatz von betoShell® an der Fassade gab uns die Freiheit, sozusagen mit Beton auch wirklich in die Gestaltung einzugreifen, in die Textur einzugreifen, in die Oberflächen und in die Farbgestaltung einzugreifen. Darüber hinaus sind sowohl die Herstellung als auch der Transport und die Montage sehr wirtschaftlich.“ Reiner Grebe / Thomas Reh

www.heringinternational.com

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