Top-News Reportagen Kommunen Portrait Reportagen

Herausforderung Straßenreinigung an Karneval

„De Zoch“ geht – die Kehrmaschine kommt

Helau und Alaaf! In diesem Jahr hat das Sturmtief „Ruzica“ den Narren vielerorts einen Strich durch die Rechnung gemacht. Viele der traditionellen Rosenmontagsumzüge mussten abgesagt werden, unter anderem der in Essen. Dabei ist eine Absage durch höhere Gewalt wie drohende Sturmböen so ziemlich das Einzige, was die Festwagen und anschließend die Reinigungskräfte von den Straßen abhalten kann. Denn die Entsorgungsbetriebe Essen (EBE) sind bestens darauf eingestellt, den Zug für die Jecken bei nahezu jeder Witterung möglich und die Straßen anschließend wieder frei zu machen.

„Vor einigen Jahren mussten wir erstmal ein Räumfahrzeug schicken“, erinnert sich Anja Wuschof, Leiterin der Straßenreinigung bei den EBE, an den letzten besonders schneereichen Winter. Doch ob Schnee, Frost oder Regen – solange nicht wie in diesem Jahr ein unwägbares Risiko für die Besucher besteht, ist der traditionelle Rosenmontagszug in Essen auch nicht in Gefahr. Allerdings ist es weniger die Vorbereitung als vielmehr der anschließende Kehraus, der für die EBE alljährlich eine Mammutaufgabe darstellt. „An Karneval steht die Reinigung unter großem Zeitdruck“, erklärt Wuschof. Denn anders als bei gewöhnlichen Straßenfesten, die bis in den späten Abend dauern und bei denen dann die Nacht zur Reinigung zur Verfügung steht, sollen an Rosenmontag die für den Zug abgesperrten Straßen so schnell wie möglich wieder freigegeben werden. Immerhin sind von der Zugstrecke auch Bereiche betroffen, auf denen Busse und Straßenbahnen fahren.

Eine Stadt, zwei Züge

Die Stadt Essen liegt genau an der Grenze des Rheinlandes. Das bedeutet: Einerseits gibt es viele Karnevalisten, andererseits eine ebenso große Gruppe, die mit dem närrischen Treiben nichts zu tun haben möchte. Ein deutlicher Unterschied zu Karnevalshochburgen wie Köln oder Düsseldorf, in denen an den tollen Tagen bis Aschermittwoch das öffentliche Leben still steht. Hinzu kommt als Besonderheit, dass in Essen an Rosenmontag nicht nur ein, sondern gleich zwei Festumzüge veranstaltet werden. Neben dem zentralen Hauptzug südlich der Innenstadt von Essen gibt es am Nachmittag einen zweiten Zug im südlich gelegenen Stadtteil Kupferdreh. Auch hier werden Reinigungskräfte benötigt.

Das Ziel des Kehraus` ist es zunächst, die Verkehrssicherheit wiederherzustellen und gefährliche Gegenstände wie Glasflaschen und Ähnliches zu entfernen. Die Feinreinigung erfolgt dann in der Woche nach Rosenmontag. „Die Polizei sperrt für die Reinigung die Straße ab“, erläutert Manuel Ceballos Roman, Anja Wuschofs Stellvertreter und gemeinsam mit ihr Organisator der Reinigungsaktion. „Solange nicht alles frei ist, darf beispielsweise die Straßenbahn nicht fahren.“

Materialschlacht und Muskelkraft

Für den Kehraus am Rosenmontag wenden die EBE einen Großteil ihrer Reinigungsressourcen auf. 100 Kräfte sind an Rosenmontag im Einsatz. Ceballos Roman: „Das ist die Hälfte unserer Mitarbeiter in der Straßenreinigung.“ Hinzu kommt nahezu alles, was der Fuhr- und Gerätepark der Entsorgungsbetriebe an Reinigungsequipment zu bieten hat: 14 und somit alle Großkehrmaschinen, jeweils sechs Sperrmüllwagen und sechs Klein-LKW mit Ladepritsche – so genannte „Flitzer“ –, rund 17 Kleinkehrmaschinen, dazu 32 Blasgeräte und unzählige Reinigungskarren, Besen, Schaufeln und Zangen.

Kehren in Etappen steigert die Geschwindigkeit

Beim Hauptzug setzen die EBE, die Essener Verkehrs AG (EVAG) und die Polizei seit mehreren Jahren auf eine abschnittsweise Reinigung der Zugstrecke. Auf diese Weise wird eine höhere Geschwindigkeit erzielt. Der Kehraus ist daher in drei Etappen untergliedert. Nicht die Länge, sondern das Müllaufkommen auf den verschiedenen Streckenabschnitten war bei der Einteilung entscheidend. Wuschof: „Der erste Abschnitt ist der kürzeste. Die Straßen sind hier sehr eng und kompakt.“ Allerdings sind hier erfahrungsgemäß die meisten Zuschauer des Zuges und die Verschmutzung der Straßen ist entsprechend groß.

Die Arbeiten sind zeitlich klar getaktet. „Das erste Team wartet am Sammelplatz der Festwagen, bis der Zug losgeht“, so Ceballos Roman. Als erstes werde dann der Sammelplatz gereinigt, anschließend folgt das Team dem Zug und beginnt unmittelbar nach dem letzten Festwagen mit der Straßenreinigung. Dass zu diesem Zeitpunkt noch viele der Feiernden auf den Straßen sind, sei unkompliziert. Ceballos Roman: „Die Leute sind gut drauf und lustig. Wir haben noch nie Probleme gehabt.“

Das Team für Abschnitt zwei trifft sich eine Stunde nach Team eins, sodass die Anfahrt an die entsprechende Sammelstelle reibungslos möglich ist. Das Team wartet, bis der Zug den Anfangspunkt der zweiten Reinigungsetappe passiert hat und folgt dann ebenfalls dem letzten Festwagen. Beim dritten Abschnitt ist es genauso.

An der Ehrentribüne am Ende der Zugstrecke ist ein Sperrmüllwagen platziert. So können die Karnevalisten die leeren Kartonagen von den „Kamellen“ entsorgen, bevor sich ein Teil der Festwagen bereits auf den Weg zum zweiten Zug des Tages im Stadtteil Kupferdreh macht. Die zentrale Entsorgung der Kartonagen ist mit den Karnevalisten abgesprochen. „Wir sind im Vorfeld zu allen Koordinierungstreffen zwischen den städtischen Genehmigungsbehörden und dem Veranstalter eingeladen“, sagt Anja Wuschof.

Weitere Herausforderung: einsetzende Dunkelheit

Der zweite Karnevalszug im Essener Süden ist zwar etwas kleiner, dennoch werden auch hier jährlich 50.000 Besucher erwartet. Ceballos Roman: „Für die Straßenreinigung wird ein Extra-Team mit rund 30 Mitarbeitern aufgestellt.“ Die Straßenreinigung stellt hier eine weitere Herausforderung dar: Da einige Wagen zunächst beim großen Umzug mitfahren, startet der zweite Zug erst um 16.11 Uhr – in der Regel sogar noch etwas später. Für die Reinigung bedeutet das, dass die Dunkelheit während der Arbeiten einsetzt. „Kupferdreh hat außerdem einen etwas dörflicheren Charakter“, erklärt Manuel Ceballos Roman. „Das zeigt sich darin, dass ein harter Kern der Feiernden noch lange vor Ort bleibt.“ Mittlerweile sei für die Feiernden allerdings ein Platz abseits der Straße geschaffen worden. So lasse sich auch in Kupferdreh die Verkehrssicherheit der Straßen zügig wiederherstellen.

Gute Vorbereitung im Vorfeld – Flexibilität bis zum letzten Moment

Die Vorbereitung der Straßenreinigung an Karneval läuft bereits lange vor dem Rosenmontagszug. Die Kehrmaschinen und die weiteren Fahrzeuge werden gewartet und fit gemacht, um Ausfälle zu vermeiden. Die Stammfahrer der Maschinen müssen sicherstellen, dass diese entleert und einsatzbereit sind. Auch kleine technische Hilfsmittel wie Blasgeräte werden vor dem Rosenmontagsumzug noch einmal durchgecheckt.

Die Personalplanung steht ebenfalls frühzeitig. In der Woche vor der Veranstaltung gibt es regelmäßige Teambesprechungen, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Allerdings: „Wir planen immer zweigleisig“, erklärt Manuel Ceballos Roman. Zu groß sei die Gefahr, dass es in der frühen Zeit des Jahres zu einem Wintereinbruch kommt. Ceballos Roman: „Im Plan B sind keine Kehrmaschinen vorgesehen, da diese dann für den Winterdienst benötigt würden.“ Die mit Wasser betriebenen Maschinen ließen sich auf frostigen Straßen ohnehin nicht einsetzen. In dieser Variante der Planung wäre dann mehr Man-Power nötigt, sodass 120 oder sogar mehr Mitarbeiter zum Einsatz kämen. Diese Flexibilität hat in der Vergangenheit immer die zuverlässige und zügige Durchführung des Kehraus nach den Karnevalsumzügen möglich gemacht.

Text: Christoph Lindemann - Redaktion Bauhof-online
Bilder: Bauhof-online.de | EBE, Armin Thiemer

Nach oben
facebook youtube twitter Instagram rss