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Hausausstellung: HEN AG hat Rückenwind

Zahlreiche Gäste verschaffen sich vor Ort einen positiven Eindruck und feiern 20-jähriges Firmenbestehen

Von: Michael Loskarn

Mit den Flaggen der HEN AG hat der raue Wind am Donnerstagmorgen kurz nach 9 Uhr leichtes Spiel. Frauen und Männer in grauen Softshell-Jacken eilen geschäftig auf dem Firmengelände umher: Große Zugmaschinen mit diversen Anbaugeräten gilt es, entsprechend auf dem Hof in Szene zu setzen. Nahezu alle 22 Mitarbeiter befinden sich im Einsatz. Für 9.30 Uhr sind die Gäste geladen – zur Hausausstellung und um 20 Jahre HEN AG in Steinheim an der Murr zu feiern.

Vorstandschef und Firmengründer Helmut Nafzger sitzt hinter dem Computer. „Ich muss nur noch schnell ein Angebot für Serbien fertig machen, dann habe ich für Sie Zeit.“ Gesagt, getan – keine 10 Minuten später nimmt sich der 64-Jährige Zeit für einen Rundgang über das Firmenareal. Im wahrsten Sinne des Wortes stehen alle Türen offen. Mitten im Hof steht ein mehrere Meter langer Trailer: die Hähnchenbraterei. In der Verlängerung ist ein etwa 40 Quadratmeter großes Zelt aufgebaut, das an diesem regnerisch-stürmischen Mai-Tag gute Dienste tut.

Serienreif: neuer Alu-Müllsammelbehälter

Schnurstracks läuft Helmut Nafzger an der Braterei vorbei in die Montagehalle. Auf der Hebebühne steht ein Schmalspurfahrzeug mit Aluminiumaufbau im Heck. Es handle sich hier noch um einen Prototyp, klärt Nafzger über den Müllsammelbehälter auf dem ESAGONO-Trägerfahrzeug auf. „Aber“, wirft der Firmenchef ein, „da kann unser Konstrukteur viel mehr dazu sagen als ich.“ Konstrukteur Sebastian Nafzger bildet mit allen anderen Mitarbeitern die gemeinsame Basis der „HEN-AG-Familie“, der das Thema Fahrzeugtechnik sowie Maschinen- und Gerätebau in die Wiege gelegt worden zu sein scheint.

Mit einer entsprechenden Dichtlippe ist die komplett geschweißte Alu-Konstruktion versehen, dies ermögliche auch Standzeiten – beispielsweise auf einem Bauhofgelände. Hintergrund: Flüssigkeitsreste laufen nicht mehr aus und es müsse nicht mit einem „halbleerem“ Fahrzeug zur Deponie gefahren werden, erläutert der Diplom-Ingenieur. An beiden Seiten des Behälters sind große Schiebetüren mit pfiffigem Arretier-Mechanismus verbaut. So kann der Behälter von links und von rechts befüllt werden. Solide, seitlich montierte Verschlüsse an der Heckklappe sorgen dafür, dass Bediener diese – in der Regel – auch seitlich stehend öffnen: „Das ist einerseits ein Thema des Arbeitsschutzes, andererseits sorgen wir damit auch dafür, dass den Arbeitern kein Müll auf die Füße fällt.“

Mittelfristig sollen 15 bis 20 Behälter verkauft werden

Um den Müllsammelbehälter vom Elektro-Mini-Truck heben zu können, wurde auf dessen „Dach“ stabile Halterungsösen angebracht. So kann der Behälter, nachdem die vier Schrauben an der Kipperpritsche des Fahrzeugs gelöst wurden, bequem mit einem Kran herabgehievt und entsprechend versetzt werden. „Eigentlich ist das kein richtiger Prototyp“, sagt Sebastian Nafzger, „sondern schon eine Vorserie, die ab sofort auch in Serie gehen kann.“ Um aus der „Kleinstserie“ eine „Kleinserie“ zu machen, suche die HEN AG derzeit Handels- und Servicepartner für den deutschen Markt. Mittelfristig plant das schwäbische Unternehmen 15 bis 20 Müllsammelbehälter pro Jahr zu verkaufen.

Ordentlich verkauft hat die HEN AG in den vergangenen zwei Jahrzehnten vor allem im Bereich der Spezialgeräte für Wegeunterhaltung und Straßenbau. Neben der „Cash cow“ WPF 200 ist in der Montagehalle auch die neue WPF 100 ausgestellt. Bei einem Meter Arbeitsbreite kommt sie in erster Linie zur Pflege und Instandsetzung von Rad-, Wander- oder Parkwegen zum Einsatz. „Wir erledigen das Engineering, Konstruieren und Entwickeln – inklusive aller CAD-Zeichnungen – hier im Haus“, erläutert der Ingenieur. Andere Arbeitsschritte werden vergeben, wie komplexe Schweißarbeiten sowie die ein oder andere mechanische Bearbeitung der Bauteile. Die Endmontage erfolge jedoch letztlich bei der HEN AG.


Clevere Lösungen in Sachen Laubaufnahme

Auf einen Anhänger ist das Laubverladegebläse S400 montiert. Es bietet unterschiedlichste Möglichkeiten der Laubaufnahme. Äußerst clever konstruiert ist das hängend angebrachte Führungsgestell für den rund 30 Zentimeter im Durchmesser fassenden Aufnahmeschlauch. Fast schon spielerisch-einfach lässt sich so der Schlauch über das Laub bewegen, ohne die Bandscheiben allzu sehr zu malträtieren.

Völlig bandscheibenschonend lässt sich dagegen mit dem neuen Anbau-Laubverladegebläse, am Unimog U 218 angebaut und für nahezu alle Trägerfahrzeuge geeignet, arbeiten. „Dieses Gerät ist unser Highlight“, lässt Nafzger mit einem gerüttelt Maß an Stolz in der Stimme wissen. Via Joystick kann der Laubsaugarm vom Führerhaus aus entsprechend von links nach rechts geschwenkt werden. Die Höhenführung erfolgt über ein Parallelogramm – hydraulisch gesteuert. Über einen Elektromotor wird die Saugdüse angetrieben und pendelt über das aufzunehmende Gut. Via Schlauchleitung und Gebläse wandert das Laub in den Aufnahmebehälter im Heck des Unimogs und wird dort zerkleinert. „Unsere Idee war, dass ein Mitarbeiter mit einem Fahrzeug komplett autark Laub entsorgen kann.“ Seitlich ist der Arm auf und ab zu bewegen, was die Aufnahme von großen Laubhaufen ermöglicht. Insgesamt ein Jahr habe die Entwicklung in Anspruch genommen. „Also, von der Idee bis zur ersten Vorführung – da waren wir schon fix.“

Breite Angebotspalette präsentiert

Neben all den „fixen“ Eigenentwicklungen stehen an diesem Donnerstag auch Profi-Anbaugeräte zur Landschaftspflege von Flächen, Grabenrändern, Böschungen und Gehölz- bzw. Knickpflege von BRUNI und VOTEX sowie Kehrmaschinen und Schneeschilder von BEMA und – was das Geschäftsfeld der HEN Fahrzeugtechnik betrifft – Fahrzeuge von Bonetti, Picco Truck, Goupil und Unimog im Fokus der Hausausstellung.

Rauer Wind hin oder her – was bei der Hausausstellung der HEN AG deutlich wird, ist klar: Derzeit hat das schwäbische Familienunternehmen absolut Rückenwind.

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