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17. April 2018

Grünflächenpflege in Lohmar: Ein Wettlauf gegen die Zeit

Grünflächenpflege in Lohmar: Ein Wettlauf gegen die Zeit

Viel Natur umgibt die nordrhein-westfälische Stadt. Für die Männer und Frauen des Bauhofs bedeutet das jedes Mal wieder Dauerstress, sobald die Vegetation einsetzt – vor allem wegen der zahlreichen Grünstreifen und Pflanzbeete in den Wohngebieten

Als Ausläufer zum Bergischen Land ist Lohmar ein Naturparadies. Wald und Wiesen umgeben die mehr als 30.000-Einwohner große Stadt in Nordrhein-Westfalen. Doch diese beschauliche Lage im Grünen bedeutet für den hiesigen Bauhofs vor allem eines: jede Menge an Arbeit. Besonders dann, wenn im Frühjahr die Vegetation einsetzt. Ab diesem Zeitpunkt heißt es für einen Teil der Männer wieder mulchen, mähen und Unkraut entfernen im Akkord. Richtig anstrengend wird die Grünflächenpflege, wenn das Wetter wie im vergangenen Jahr ständig zwischen sehr feuchten und heißen Perioden wechselt. Denn diese Witterung ist das perfekte Klima für die Pflanzenwelt, um in Windeseile zu sprießen, so dass die Bauhofmitarbeiter in Lohmar in kürzester Zeit immer wieder an dieselben Stellen ausrücken müssen.

Acht Männer sind für die Grünflächenpflege in Lohmar mit ihren 30 Ortsteilen verantwortlich. „Das sind nicht gerade viel“, weiß Bauhofleiter Stefan Musfeldt mit Blick auf die rund 230 Hektar an Grünflächen sowie 3500 laufenden Meter an Hecken. Letztere werden bereits Anfang des Jahres, sofern es die Witterung zulässt, in Angriff genommen – schließlich müssen sich auch die Lohmarer an gesetzliche Vorschriften hinsichtlich der Vogelbrutzeit halten. Neben dem Heckenschnitt stehen zu dieser Zeit auch Arbeiten wie der Winterschnitt an den Wirtschaftswegen sowie das Regulieren von Gräbern und Banketten an. „Die richtige Grünflächenpflege startet, sobald es das Wetter im Frühjahr zulässt und die Vegetation einsetzt“, berichtet Musfeldt. Dann ziehen die Mitarbeiter des Bauhofs unter anderem mit ihrem Steyr-Traktor sowie zwei Kompaktschleppern – einen ISEKI sowie einen Landini – los. Da der Steyr mit einem Dücker-Auslegearm ausgestattet ist, an dem sich die verschiedensten Geräte zur Grünflächenpflege anbauen lassen – angefangen von einer Astschere bis hin zum Mulchmäher – wird der Traktor hierbei für das Mähen der Bankette an den Stadtstraßen und Wirtschaftswegen sowie für Baumschnittarbeiten eingesetzt. Auch bei den beiden Kompakttraktoren, an die entweder ein kleines Mähgerät oder ein Häcksler montiert wird, hat jeder seinen Einsatzbereich: Während der ISEKI auf den Groß- und Brachflächen in und um Lohmar unterwegs ist, kümmert sich der Fahrer des Landini um den Unterhalt der Sport-, Rasen- sowie Kunstrasenplätze.

Unmengen an Verkehrsbegleitgrün sowie Pflanzbeeten erfordern Feinarbeit

Ein Bereich der Grünflächenpflege in Lohmar, der die Bauhofmitarbeiter immer wieder aufs Neue ins Schwitzen bringt, ist die große Anzahl an Straßen- bzw. Verkehrsbegleitgrün. Denn jedes Wohngebiet in der nordrhein-westfälischen Stadt besitzt ein solches. „Das ist so viel Arbeit, dass wir kaum hinterherkommen“, sagt der Bauhofleiter. Denn hier kann nicht einfach mit großen Maschinen angerückt werden, diese Tätigkeiten bedeuten viel mehr Feinarbeit. Vorwiegend mit Stihl-Motorgeräten geht es den Grünflächen dann an den Kragen. Aber nicht nur Verkehrsbegleitgrün ist in Unmengen in Lohmar vorhanden. Wohin man auch sieht, überall schaffen Grün- und Pflanzbeete mit Bodendeckern, Strauchwerk sowie Bäumen kleine Oasen in der Stadt, die ebenfalls in Handarbeit geschnitten werden müssen. „Es gab schon den Versuch, dies über Patenschaften der Anwohner zu lösen“, berichtet Musfeldt. Allerdings blieb dieser Vorstoß bislang ohne Erfolg. Kommen die Bauhofmitarbeiter hier nicht schnell genug ihrer Arbeit nach, ruft das mitunter die Bürger Lohmars auf den Plan, die sich dann über zu spät gemähte Grünflächen in ihren Wohngebieten beschweren. Doch seine Männer könnten in der Hochsaison einfach nicht überall gleichzeitig sein, gibt Musfeldt zu bedenken. Zumal die Bauhofmitarbeiter, wenn sie nicht mit dem Mähen und Pflegen von unzähligem Verkehrsbegleitgrün und Pflanzbeeten beschäftigt sind, auch noch andere Aufgaben zu erledigen haben. So kümmern sie sich zusätzlich um die Grünanlagen der insgesamt sechs Kindergärten, fünf Schulen sowie 16 Spielplätzen. Bei Letzteren fällt auch die Sichtung und Kontrolle der Geräte in den Zuständigkeitsbereich der Männer. Darüber hinaus besitzt Lohmar noch fünf Kunstrasenplätze, die ebenfalls von den Bauhofmitarbeitern betreut werden. In vielen Städten wird vor allem auf die Gestaltung des Zentrums ein erhöhtes Augenmerk gelegt. Nicht so in der nordrhein-westfälischen Stadt. Hier erhält nicht nur das Zentrum von Lohmar, sondern auch alle Ortsteile dieselbe Aufmerksamkeit in Sachen Pflege und Sauberkeit.    

Wie in anderen Kommunen, hat auch der Bauhof in Lohmar mit einer unbeliebten Pflanzenart zu kämpfen: dem Unkraut. „Wir entfernen unser Wildkraut nur mechanisch mit handgeführten Wildkrautbürsten von Sabo und dem Steyr mit seiner Dücker-Wildkrautbürste“, berichtet der 55-jährige Bauhofleiter und fügt hinzu: „Ansonsten wird das Wildkraut bei uns nur abgemäht.“ Im Zuge dessen machen vor allem Neophyten, also eingewanderte Pflanzen, die die heimische Flora verdrängen, der Stadt zu schaffen. Die Rede ist von Gewächsen wie dem Springkraut, dem Riesenbärenklau oder auch der Ambrosia – die beiden letzteren Pflanzen können für den Menschen sogar gefährlich werden, weil der Kontakt mit ihnen neben allergischen Reaktionen ebenso Verbrennungen dritten Grades auslösen kann. „Auch Lohmar ist mit solchen Pflanzen eingedeckt. Besonders schlimm ist es an den drei Flüssen Sülz, Agger und Naaf, die durch unser Einsatzgebiet fließen“, berichtet Musfeldt. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, wird versucht – wo es geht – die Pflanzen auszugraben. „Auf den Großflächen an den Flüssen dagegen ist das schwierig“, weiß der Bauhofleiter. Hier würden Ackerverbände mit den Bauern zusammenarbeiten, um eine Lösung zu finden, die Gewächse in den Griff zu bekommen.  

Gut ausgestatteter Fuhrpark mit der neuesten Technik

Auch wenn sich Stefan Musfeldt gerne noch etwas mehr Personal wünschen würde, so ist er dagegen mit einem anderen Bereich völlig zufrieden: seinem Fuhrpark. „Wir haben eine ziemlich gute Ausstattung, die sich auf dem neuesten Stand befindet“, berichtet der 55-Jähriger stolz. Alle Maschinen und Geräte sind auf dem rund 15.000 Quadratmeter großen Bauhofareal untergebracht. Auf diesem stehen nicht nur eine Fahrzeugwerkstatt sowie diverse Fachwerkstätten für Schreiner, Maler usw. Das Gelände beherbergt zudem ein Lager für die Beschilderungen sowie eine Salzhalle. Was den Fuhrpark angeht, sind in diesem Jahr noch zwei Neuanschaffungen geplant. Zum einen soll es für den Bauhof Lohmar einen Friedhofsbagger geben, zum anderen für den Maler ein Elektrofahrzeug. „Das Thema Elektromobilität hat in Lohmar insoweit eine Bedeutung, dass wir bei der Neuanschaffung von Geräten, bei der Ausschreibung, auch alternative Antriebstechniken berücksichtigen“, erklärt Musfeldt. Beim Thema Feinstaubbelastung spielt dagegen die ländliche Lage der Stadt dem Bauhof in die Karten. „Wir haben hier kein Problem mit Feinstaub“, so der Bauhofleiter. Einzig und alleine wenn sich die Mitarbeiter auf den Weg nach Köln machen, um Ersatzteile zu besorgen, könnte die Feinstaubproblematik künftig ein Thema sein. „Aber dann haben wir immer noch Benziner, mit denen wir diese Fahrten erledigen können“, antwortet der 55-Jährige mit einem Augenzwinkern.


Fakten zum Bauhof Lohmar:

Leitung des Bauhofs: Stefan Musfeldt
Anzahl der Mitarbeiter: 25
Aufgabenbereich des Bauhofs: Leerung und Instandhaltung der Abfallkörbe; Instandhaltung von Kanaldeckeln, Straßeneinläufen und Gullys; Winterdienst; bauliche Unterhaltung von 16 Spiel- und fünf Kunstrasenplätzen; Grünflächenpflege; Reinigungsarbeiten.
Ausstattung des Fuhrparks: 1 Steyr-Traktor, 2 Kompaktschlepper (ISEKI/Landini), 2 Traktoren, 2 LKW (18-Tonner und 15-Tonner), 8 Pritschenfahrzeuge, 1 Minibagger.
Verantwortungsbereich: 230 Hektar Grünfläche, 3500 laufende Meter an Hecke, 250 km an Straßen.
Größe der zu betreuenden Fläche: Der Bauhof ist zuständig für die Stadt Lohmar mit ihren 30 Ortsteilen mit einer Fläche von knapp 66 Quadratkilometern.

Text: Jessica Gsell – Redaktion Bauhof-online.de
Bilder: Lohmar/Frank Kremer

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