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GERÄTETRÄGER-PROTOTYP K Trac von Pfanzelt – für kommunale Aufgaben entwickelt

Mit dem K Trac schickt die Pfanzelt Maschinenbau GmbH gegen Ende dieses Jahres einen neuen Kommunal-Geräteträger ins Rennen um das geeignetste Ganzjahres-Fahrzeug. Neben drei durchzugsstarken Motorvarianten mit 205, 253 oder 292 PS punktet die Maschine mit vier An- und Aufbauräumen, stufenlosem variaDRIVE-Getriebe, Allradlenkung sowie pneumatisch gefederter XXL-Komfortkabine inklusive drehbarem Fahrerstand oder vollwertigem Beifahrersitz. Bauhof-online.de hat den nahezu serienreifen Prototypen bereits vorab im Werk in Rettenbach am Auerberg unter die Lupe genommen.

Lesedauer: min | Bildquelle: Tim Knott
Von: Michael Loskarn

Auf den ersten Blick sticht die Länge des K Tracs ins Auge: Mit knapp fünf Metern – bei circa 3,33 Meter Radstand – fällt dieser größer aus, als der über knapp zwei Jahrzehnte hinweg arrivierte Pm-Trac-Forstschlepper der Ostallgäuer. Es wurde Platz geschaffen, um beispielsweise im Heck einen Vier-m3-Streuer Huckepack zu nehmen. Außerdem ist das neue Fahrzeug höher. Eine Stufe mehr gilt es zu erklimmen, um im geräumigen Bedienerstand Platz zu nehmen. Clever gelöst: Aufgrund der durchdachten Anordnung der einzelnen Geräteräume sowie der Antriebstechnik war es den Ingenieuren möglich, die Fahrzeugkabine in der Mitte des Geräteträgers zu platzieren. Übrigens entspricht die XXL-Kabine exakt jener des Pm Trac, klärt Eberhard Scheu, der für die Produkteinführung des K Trac verantwortlich zeichnet, beim Firmen-Rundgang auf.

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Und diese ROPS- und FOPS-geprüfte Kabine hat es in sich. Hier steht, respektive sitzt der Fahrer buchstäblich im Mittelpunkt, und zwar auf einem um 360 Grad elektronisch drehbaren sowie luftgefederten Sitz. Höhe in Verbindung mit großflächigen Sicherheitsscheiben in alle Richtungen – sogar nach oben –, ermöglicht eine nahezu perfekte Sicht auf etwaige Anbaugeräte. Arbeitet der Anwender beispielsweise in 90 Grad zur Fahrtrichtung, wird das Lenkrad nach rechts gekippt und das Gefährt über den Joystick manövriert.

Echtes Ganzjahresfahrzeug für den kommunalen Betriebshof

Ziel der Entwickler war es, den Geräteträger aufgrund von vier An- und Aufbauräumen als echtes Ganzjahresfahrzeug für den kommunalen Betriebshof sowie für Einsätze in der Landschafts- und Umweltpflege zu gestalten. Unterhalb der an ein geöffnetes Haifischmaul erinnernden Schnauze wurde eine Kombination aus Frontkraftheber (optional) und kommunaler Anbauplatte, Größe 3 bzw. 5, realisiert.

„Es müssen lediglich vier Bolzen gezogen, die Platte entfernt werden und wir haben einen Frontkraftheber inklusive leistungsfähiger Frontzapfwelle“, erläutert der 76-jährige Scheu. Außerdem sei die Motorhaube bewusst tailliert entworfen worden, um den Frontladeranbau direkt vor der Kabine zu realisieren. Hinter dem komplett in Eigenfertigung hergestellten Führerhaus bietet das K-Trac-Konzept einen recht üppigen Aufbauraum für Streuer, Mähausleger, Ladekrane oder eine Pritsche. Zudem besteht im Heck die Möglichkeit, einen Kraftheber samt 1.000-U/min-Zapfwelle der Kategorie 2 bzw. 3 zu ordern.

Heckkraftheber, Zapfwelle, hydraulische Federung sowie die automatische Niveauregulierung lassen sich über Bedieneinheiten an den beiden Kotflügeln steuern. Stichwort Niveauregulierung: Diese zahle sich insbesondere bei Kurvenfahrten unter Anbaugeräten aus und mache Seitenstützen überflüssig, schildert Fachmann Scheu, der vor zehn Jahren von Firmengründer Paul Pfanzelt angeworben wurde, als er eigentlich in Rente gehen wollte.

„Vorne links“ reift der erste Gedanke zum K Trac

In Rente geht der der 59-jährige Paul Pfanzelt derweil noch lange nicht. Laut Scheu gilt er als kreativer Kopf des 170 Mitarbeiter zählenden Unternehmens, das er zusammen mit einem Mitarbeiter vor 32 Jahren gegründet hatte. Auch die Idee zum K Trac stammt aus der Feder des Allgäuers, der direkt nebenan, im Stadel des elterlichen Bauernhofes, mit der Produktion und Montage von einfachen Getriebeseilwinden für den Dreipunkt-, Steck- und Festanbau an landwirtschaftliche Traktoren startete. „Werk 1“ nennt die vorwiegend landwirtschaftlich geprägte Belegschaft liebevoll dieses Holzgebäude. Direkt gegenüber, also „vorne links“, wie die Mitarbeiter Pfanzelts Büro bezeichnen, ist vor mehr als zehn Jahren der erste Gedanke zum kommunalen Geräteträger gereift. Bereits 2015 präsentierten die Forstspezialisten auf der demopark eine Fahrzeug-Studie.


 

Zur IFAT 2022 wurde die neue Baureihe offiziell vorgestellt und sollte Ende vergangenen Jahres in Serie gehen. Weshalb es zu Verzögerungen gekommen war, schildert Vertriebsmann Scheu folgendermaßen: „Wir sind in allen Bereichen an der Produktionsgrenze, überall am Limit.“ Und weiter: „Wir müssen die Maschinen bauen, die verkauft sind.“ Bodenständige Gründe unter der Maxime: „das eigentliche Geschäft abwickeln“. Mit den neuen AGCO-Power-Motoren, die seit Anfang dieses Jahres auch in den Forstmaschinen verbaut werden, sie dies nun „etwas ganz anderes“, so der Künzelsauer. Auch das weiterentwickelte S-Matic-Getriebe habe dazu beigetragen, den K Trac Ende 2023 an den Start zu bringen.

Unter anderem exakt dieses variaDRIVE – wie Pfanzelt das stufenlose Antriebssystem bezeichnet – wird zahlreichen Experten in Orange in die Karten spielen: ein Wählhebel (vorwärts, rückwärts), ein Fahrpedal, eine Bremse, stufenlos von null bis 70 km/h. Es arbeitet extrem weich, ermöglicht, verschiedene Geschwindigkeiten vorzuwählen und lässt sich einfach sehr gut fahren.

Übrigens: Auf der demopark im Juni wird der neue K Trac mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Es bleibt also spannend, das Rennen um den geeignetsten Ganzjahres-Geräteträger. Allein, Pfanzelt wird zukünftig ein ordentliches Wörtchen mitreden.

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