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Gelber Sack stinkt dem Abfallbetrieb

Abfallwirtschaftsbetrieb des Wetteraukreises (AWB) zweifelt an der Kompetenz des Büdinger Unternehmens Remondis

Alle vier Wochen bietet sich in den Kommunen des Wetteraukreises das gleiche Bild: Gelbe Säcke verschandeln die Gegend. Sauber von den Bürgern getrennt gesammelt und pünktlich an den Straßenrand gestellt, bleiben sie manchmal tagelang liegen. Die dünnen Säcke platzen auf, und der Abfall fliegt auf Straßen, in Vorgärten und wo sonst der Wind ihn hinweht.
Man könnte denken, dass ein Müllstreik ausgebrochen ist, doch es ist anders, hat Uwe Steinhauer von der AWB recherchiert: Seit diesem Jahr ist die Firma Remondis GmbH & Co. KG im Auftrag des Dualen System Deutschland (DSD GmbH) für die Verteilung und Einsammlung der Gelben Säcke bis Ende 2009 zuständig und hat scheinbar zu wenig Kapazitäten für die Einsammlung eingeplant.

Schon mit der Verteilung im Dezember vergangenen Jahres fingen die Probleme an. Remondis hatte an jeden Haushalt zwei Rollen Gelber Säcke verteilen lassen. Dies funktionierte nur unzulänglich, teilweise wurden ganze Straßenzüge nicht bedient. Bei außenliegenden Grundstücke war es fast die Regel, dass sie keine Gelben Säcke erhielten.

Auch bei der Abholung der Gelben Säcke gibt es bis heute erhebliche Defizite. An den Tagen, an denen laut Abfallkalender die Gelben Säcke abgeholt werden sollen, stehen die Telefone bei den Kommunen und beim AWB nicht still. Und die Liste der Beschwerden ist lang: Beginnend bei dem Problem überhaupt an Gelbe Säcke zu kommen, dass diese nicht pünktlich abgeholt werden bis hin zu Beschwerden über deren Qualität. Ein Anrufer berichtete sogar von einem verbalen Angriff eines Müllfahrers, als er diesen fragte, warum er einen von ihm rausgestellten Sack nicht mitgenommen habe.

Weder die Kommunen noch der AWB haben Einfluss auf die Auftragsvergabe der Einsammlung der Gelben Säcke, sie können die aufgebrachten Bürger nur an Remondis verweisen.

Für Kurt Schäfer, Betriebsleiter des AWB, liegt die Ursache für das Problem im System. „DSD ist in ganz Deutschland für die Entsorgung von Verpackungen zuständig. Dazu beauftragt DSD dann Entsorgungsunternehmen. Bei der Auftragsvergabe zählt nur noch der Preis. Damit sich der Auftrag aber dann doch rechnet, werden die Leistungen heruntergefahren: Säcke bleiben stehen, die Verteilung wird verknappt etc. Die Folgen sehen wir nicht nur im Wetteraukreis, sondern bundesweit. Dies verschandelt unsere Städte und unsere über die Jahre aufgebaute Kultur der Getrenntsammlung geht langsam den Bach runter.“

Ebenfalls verantwortlich an der unzumutbaren Entsorgungssituation sieht Schäfer die Firma Remondis und fordert die Fachkompetenz des Unternehmens ein. „Remondis hat die Preise für die Einsammlung zu knapp kalkuliert, um den Auftrag im Wetteraukreis zu bekommen. Um dies zukünftig zu verhindern, fordern wir mit den kommunalen Spitzenverbänden per Verordnung den Kommunen, die Verantwortung für die Einsammlung zu übertragen und Auftragsvergaben nach öffentlichem Vergaberecht durchzuführen.“

DSD gibt sich zuversichtlich

Remondis habe im Gespräch mit Vertretern des Kreises und DSD Probleme bei der Arbeit vor Ort eingeräumt und wird durch Optimierung der Tourenplanung hier kurzfristig für Besserung sorgen, teilt Pressereferent Norbert Völl auf Anfrage des europaticker mit. Von bundesweiten Problemen, wie in der Pressemitteilung der AWB behauptet, könne jedoch nicht die Rede sein, so der Sprecher des Kölner Konzerns.

Von dem Entsorger Remondis lag bis zum Redaktionsschluss noch keine Stellungnahme vor.

Info-Hotline der Firma Remondis für den Gelben Sack: 01801/961100

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