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Fendt-Versuchsleiter geht für den AGCO-Konzern von Marktoberdorf nach China

„Wer sich entwickeln will, muss aus Komfortzone raus“

Wenn die Rede auf die chinesische Küche kommt, dann strahlen die Augen von Stephan Kraus. Besonders die Gewürze aus dem Reich der Mitte haben es dem begeisterten Hobbykoch angetan. Wie oft er sich freilich in den nächsten Jahren an den Herd stellen kann, um Köstliches aus dem Wok zu zaubern, wird sich zeigen.

Denn auf den 43-Jährigen wartet reichlich Arbeit: Der Versuchschef beim Traktorenbauer Fendt übernimmt ab 1. März für drei Jahre die Leitung eines Mähdrescherwerkes in Yanzhou, eine Großstadt in der Provinz Shandong. Dieser Schritt in eine ganz neue Arbeits- und Lebenswelt ist eine spannende Herausforderung – die ihn ähnlich strahlen lässt wie der Gedanke an Chinas Gewürze.

„Landtechnische Steinzeit“

Fendt-Mutterkonzern AGCO hat 2011 den Mähdrescherhersteller Dafeng und damit ein Familienunternehmen mit 760 Mitarbeitern übernommen. Diese produzieren jährlich 8000 kleinere Mähdrescher, die laut Kraus eher unter der Rubrik „Landtechnische Steinzeit“ einzureihen sind: rein mechanisch, ohne Elektronik, nur zum Teil selbstfahrend, bar jeder Abgasreduzierung...

Der gebürtige Gräfelfinger, der Technische Physik studierte, hat nun aber nicht den Auftrag, „AGCO-Dafeng“ in ein Werk für Hightech-Mähdrescher umzukrempeln. Für solche Maschinen bestünde in China allein schon wegen des Preises keine Nachfrage. Seine wichtigste Aufgabe sei vielmehr, die Produktqualität zu verbessern und die Organisation dem AGCO-Standard anzupassen.

Als Executive General Manager ist er zuständig für alle Bereiche der Firma: Entwicklung, Einkauf, Produktion, Personal, Vertrieb, Marketing, Qualität...

Kraus weiß um die Herausforderung. So entspricht das dortige Material häufig nicht seinen Qualitätsansprüchen. Die ohnehin armen Beschäftigten müssen teils unter erbärmlichen Verhältnissen arbeiten – was sich wiederum negativ auf die Qualität ihrer Arbeit auswirkt. Somit sei eine seiner Aufgaben, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Dazu kommt, dass der Einstieg des US-Konzerns die Arbeiter verunsichert hat. Wichtig sei deshalb, nah an den Menschen zu sein, ihnen die Chancen durch Veränderungen aufzuzeigen und „plausibel zu machen, was man will“.

Kraus: „Sie sollen erkennen, dass ihr Job unter AGCO sicherer wird.“ Ein Dolmetscher wird ihn hierbei unterstützen.

Ganz auf sich gestellt ist der AGCO-Mann, der gut zehn Jahre bei Fendt war, in China ohnehin nicht. In Peking hat neuerdings das AGCO-„Headquarter“ für Asien sein Domizil. Zudem gibt es bereits vier AGCO-Werke in China. So im einige hundert Kilometer von Shanghai entfernten Changzhou, wo ebenfalls ein Fendtler, und zwar aus dem Bereich Qualitätssicherung, tätig ist, berichtet Fendt-Pressesprecher Sepp Nuscheler. Dazu Personalchef Nils Mütze: „Es freut uns, wenn auch Führungskräfte von Fendt im internationalen Einsatz die AGCO- Strategie mitgestalten.

“ Gute Unterstützung seitens AGCO erhielt Stephan Kraus, als nach einigem Ringen („ich hatte schlaflose Nächte“) seine Entscheidung feststand, zusammen mit seiner Frau nach China zu gehen. Ein Stück Abenteuerlust, das Wissen um dieses ziemlich einmalige Angebot und nicht zuletzt der Blick auf die nächste Sprosse der Karriereleiter gaben den Ausschlag für sein Ja. Kraus: „Wer sich entwickeln will, muss raus aus der Komfortzone.“

Rennrad bleibt zu Hause

AGCO habe „ein fantastisches Vorbereitungsprogramm“ angeboten mit Sprachkurs, interkulturellem Training und einer Reise ins Reich der Mitte. Ein Konzern wie AGCO biete seinen Mitarbeitern „hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten mit vielen internationalen Chancen“, so Mütze und Nuscheler.

Packen müssen Kraus und seine Frau, die in China vorerst nicht arbeiten wird, freilich selbst. Für eine dreijährige „Reise“ muss reichlich mit, so zum Beispiel Bücher. Darunter dürfe aber keine Literatur sein, die den Argwohn der (politischen) Sittenwächter erregen könnte, so Kraus.

Kamera und Wanderschuhe kommen ebenfalls mit, denn Bergsteigen und Fotografieren sind neben dem Kochen weitere Hobbys von Stephan Kraus. Auch das Rennrad gehört eigentlich dazu, doch lässt er dieses lieber zurück. Bei der starken Luftverschmutzung in China sei Rennradeln dort wohl nicht angeraten.

Quelle: www.all-in.de

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