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Einsatz von Mährobotern – Fazit des Experten aus Bielefeld fällt verhalten aus

Sebastian Richter zieht nach zehn Jahren Bilanz – „Es kann gut funktionieren, es geht aber nie komplett ohne Personaleinsatz“

Von: Michael Loskarn

Einsatz von Mährobotern: Dieses Thema brennt vielen kommunalen Entscheidern auf den Nägeln. Entsprechend gut besucht war am Dienstagvormittag der Erfahrungsbericht von Sebastian Richter, stellvertretender Abteilungsleiter Grünunterhaltung/Ausbildung beim Umweltbetrieb der Stadt Bielefeld, im Rahmen des demopark-Vortragsprogramms. Und dies, obwohl die Temperaturen im VDMA-Pressezelt gefühlt jenen in einer finnischen Sauna glichen. Allein, ein eindeutiges Fazit pro Mähroboter wollte der Fachmann nach zehn Jahren Einsatz nicht ziehen. Zu viele Unbekannte enthält die Gleichung. Über ein „es kann gut funktionieren, aber nie komplett ohne Personaleinsatz“, wagte sich Richter aus nachvollziehbaren Gründen nicht hinaus.

Und dies, obwohl der Diplom-Ingenieur detailliert die Kosten je Gerät auf Vergleichsniveau brachte, Für und Wider akribisch abwog und selbst Details des Rasenzustands einfließen ließ. Aus „Wirtschaftlichkeits- und Optimierungsgründen“ habe die Stadt Bielefeld bereits 2009 die ersten Mähroboter beschafft, klärte Richter auf. Insgesamt elf Geräte – fünf Belrobotics Bigmow, drei Etesia ETM 105 sowie drei Eurogreen CutCat – wurden seither zur Rasenpflege „unter erhöhten Anforderungen“ auf zehn Sportanlagen eingesetzt. Satte 66.000 Quadratmeter betrug die zu pflegende Gesamtfläche. Klarer Vorteil laut Richter: Alle Mähroboter arbeiten mit weniger als 70 db(A) relativ leise, dies entspricht ungefähr der Lautstärke eines normalen Gesprächs oder eines Fernsehers in Zimmerlautstärke.

Verbesserte Mineralisierung des Bodens

Doch weshalb hatte sich Bielefeld damals für die Anschaffung der Mähroboter ausgesprochen? Ganz einfach: sie arbeiten selbständig, Nacht- und Regenfahrten sind möglich und die Mähintervalle sind kürzer – es wird also häufiger gemäht. Dies habe, so der Ingenieur weiter, positive Effekte, wie beispielsweise eine gute Mineralisierung des Bodens sowie die Entwicklung einer dichten Rasendecke. Außerdem fühle sich der Maulwurf unter solchen Voraussetzungen überhaupt nicht wohl im Stadion. Und, selbst die Notwendigkeit, „Dicksoden“ im Bereich des Fünf- sowie des 16-Meter-Raums auszutauschen, sinke, was zusätzlich mit einer Kostenreduktion einhergehe. Des Weiteren verringere der Einsatz von Mährobotern den Kohlendioxid-Ausstoß.


Gegen den Einsatz sprächen dagegen die hohen Anschaffungskosten der Geräte – rund 12.000 Euro netto plus 1.000 Euro pro Lithium-Ionen-Akku schlagen zu Buche – sowie Nebenkosten für Strom, Reparaturen und für den Personaleinsatz. Zusätzliche Kosten fielen an für Induktionskabel, eine separate Stromzufuhr, den Messertausch sowie die Ausstattung der Mitarbeiter mit Smartphones – schließlich kommunizieren die cleveren kleinen Helfer heutzutage äußerst smart. Hinzu komme ein notwendiger Schutz vor Vandalismus, weshalb die findigen Bielefelder Stab-Gitter-Konstruktionen mit Dach als Unterstände – optisch ähnlich einer Hundebox – schufen. Außerdem sei es wichtig, das Personal entsprechend zu schulen, wodurch ebenfalls Kosten anfallen. Weiteres Manko: Die Roboter mähen nach dem Zufallsprinzip, wodurch kein Schnittmuster gelegt werden könne. Last not least könne sich der seit 2018 gesetzlich vorgeschriebene Notfallbutton negativ auf den Workflow auswirken. Insbesondere im öffentlichen Raum sei dies geradezu eine Einladung für übermütige Jugendliche, einfach immer mal wieder die stoische Arbeitsmoral der Roboter zu untergraben. Etwaige Erfahrungswerte gelte es jedoch noch zu sammeln, klärte der Experte auf.

Einsparung versus Dauerpflegekosten

Bezogen auf all diese Fakten präsentierte Richter gegen Ende seines Vortrags eine Vergleichsrechnung für das Jahr 2018. Der Pflegeaufwand von circa 8.000 Quadratmeter Stadionrasen wurde genauer unter die Lupe genommen. Insgesamt 627 Stunden waren die Mitarbeiter der Bielefelder Umweltbetriebe im Einsatz. 513 Stunden ackerten dagegen die Mähroboter. Um hier einen adäquaten Vergleichswert zu generieren, rechnete Richter auf die Minute um. Wichtig: „Es handelt sich nicht um Kosten, sondern um die Umrechnung auf Minuten pro Jahr gemäß der Pflegepläne des Bielefelder Modells: 4,66 min beim Stadionrasen, 3,82 min beim Roboter.“ Dennoch könne nicht per se der Vergleich dahingehend interpretiert werden, dass sich durch Mähroboter extreme Einsparpotentiale auftun. Um ganzjährig eine hohe Qualität des Stadiongrüns zu gewährleisten, gelte es immer unter anderem zusätzlich Laub zu entfernen, zu bewässern, zu belüften oder zu besanden. Hierfür fielen selbstredend Personalkosten an. Verhalten fiel deshalb das Fazit des 39-Jährigen aus: „Der Einsatz von Mährobotern kann gut funktionieren, es geht aber nie komplett ohne Personaleinsatz.“ Letztlich müsse jede Kommune für sich selbst entscheiden, und zwar vor dem Hintergrund „Einsparung versus Dauerpflegekosten“. Somit wird dieses Thema wohl weiterhin der Mehrzahl der kommunalen Entscheider auf den Nägeln brennen.

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