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DEUTSCHE BAUMPFLEGETAGE 2024 Zwischen Kettensägen und Kletterforum

Wahrscheinlich haben wenige Messen so einen Traditionscharakter für ihre Klientel wie die Baumpflegetage in Augsburg. Während der Veranstaltung für die Grüne Branche hat sich auch die Bauhof-online.de-Redaktion unters Volk gemischt. Neben neuen Maschinen gab es dabei auch ein breites Angebot an Baumkatastern zu sehen.

Lesedauer: min | Bildquelle: Tim Knott
Von: Tim Knott

Der Beginn eines Messetages auf den Baumpflegetagen hat etwas von dem Beginn einer Hausparty. Überall liegen sich Menschen in den Armen, freundschaftliche Grüße werden ausgetauscht, Erzählungen machen die Runde. Neben der überproportionalen Sichtung von Hunden und Dreadlock-Trägern auf dem Gelände ist der Zusammenhalt wohl eins der Alleinstellungsmerkmale unter den Messebesuchern. Die „Baumis“, wie sie von den Herstellern genannt werden, sind stark vernetzt. „Nicht nur vernetzt, wir sind sogar verwurzelt“, kommentiert ein Besucher die Feststellung.

Auch bei den Herstellern ist die Stimmung gut. Messetypisch wird hier eine Vielfalt an Produkten ausgestellt, von denen viele auch einen ökologischen Anspruch haben, wie z.B. am Stand der Scharr Fuels GmbH. Als Antwort auf die steigende Nachfrage nach umweltfreundlichen Lösungen im Maschineneinsatz bieten die Produktmanager mit ihren Cleanlife-Produkten u.a. ein Bio-Kettenöl auf Rapsbasis sowie natürlich abbaubares Gerätebenzin. Der Treibstoff für Zwei- und Viertakter ist vollsynthetisch hergestellt und kommt ursprünglich aus Finnland. „Die Skandinavier sind da die Erfinder und schon weiter als wir“, erklärt Fachberater Ralf Illenberger. Geeignet sind die Produkte besonders im Forst- und Gartenbereich.


 

Mehr Wasserversorgung für den Baum

Dass aufgrund des Klimawandels immer weniger Wasser zur Verfügung steht, ist mittlerweile anerkannter Konsens. Wie sich diese Wasserarmut lindern lässt, ist dagegen ein heiß diskutiertes Thema. Ein Ansatz dafür findet sich bei der Lite-Soil GmbH aus Wien, die Wasserspeicher-Vliese vertreibt. Um Bäume oder andere Gewächse zusätzlich mit Feuchtigkeit zu versorgen, werden die Vliese entweder als kleine Streifen oder als Netz vergraben. „Sozusagen wie bei einer Bodenheizung“, erläutert Geschäftsführerin Dorothea Sulzbacher. Laut Herstellerangaben kann ein Kilo des vergrabenen Materials bis zu zehn Liter Wasser speichern und ist besonders in Kombination mit Tropfrohren effektiv, da das Material ein Verstopfen der Tropflöcher durch Wurzelwuchs verhindert. Um verschiedene Szenarien abzudecken, werden die Vliese in drei Material-Versionen angeboten, die sich in ihrer Haltbarkeit unterscheiden: Zellulose, die nach ein bis zwei Jahren zersetzt ist, ein Zellulose PLA-Gemisch, das fünf bis zehn Jahre hält und Polypropylen, das eine beständige Haltbarkeit aufweist.

Doch auch Akkumaschinen gibt es auf der Messe zuhauf. Neben Stihl und Husqvarna ist der Vertrieb von Echo Motorgeräte ebenfalls präsent. Hier führt Geschäftsführer Stefan Beck durchs Maschinenportfolio. Neben den zahlreichen handlichen Motorsägen, die bei den anwesenden Baumpflegern auf einiges Interesse stoßen, ist mit dem neuen DTT-2100 auch ein handlicher Akku-Balkenmäher verfügbar. „Damit ermöglichen wir ein schnelles und vor allem schleuderfreies Mähen“, erläutert Beck. Je nach Untergrund kann der Balkenmäher auf Rollen oder Kufen geführt werden. Der gewünschte Schnittwinkel lässt sich unkompliziert mit einem Hebel am Balken einstellen. Bei den Akkus haben die Anwender die Auswahl zwischen einem kleinen und einem großen Modell, die laut dem Geschäftsführer für 40, beziehungsweise 80 Minuten Arbeitszeit sorgen.

Baumkataster: viele Produkte, verschiedenste Schwerpunkte

Abgesehen von Kletterutensilien und Handmaschinen ist noch ein weiteres Thema auf der Messe präsent: die Baumkataster. Softwares zum Erfassen und Managen von Bäumen haben an Popularität gewonnen, entsprechend groß ist die Menge an Herstellern. Und obwohl die Herangehensweisen unterschiedlich ausfallen, gibt es Überschneidungen: Fast allen gemein ist, dass die Kataster auf allen Endgeräten einsetzbar sind und so auch über das Smartphone der Baumpflege- oder Bauhofmitarbeiter bedient werden können. Ebenfalls praktisch: alle Baumkataster lassen sich offline einsetzen. Vorgenommene Änderungen werden nach dem Verbinden mit dem nächsten WLAN-Netzwerk synchronisiert.

Doch zu den Herstellern: Den Preis für den originellsten Baumkataster-Namen kann die ReJö-Software GbR für sich entscheiden. E.N.T.S. (Environment Nature Tree System) wurde ursprünglich als Software für Baumkontrollen entwickelt. Obwohl die Hersteller das Programm mittlerweile zur webbasierten Software umgewandelt haben, ist der Ursprung dennoch erkennbar. Grundlage des Systems ist ein eigens konzipiertes, kompaktes Baumschema, aus dem leicht ersichtlich ist, welche Schäden oder Befunde wo am Baum behoben werden müssen. Besonderer Fokus liegt dabei auf einer schnellen Zugänglichkeit. So sollen alle Arbeitsschritte mit minimalem Aufwand dokumentierbar sein. „Wir haben bei der Konzeption versucht, die benötigten Klicks für jeden Arbeitsschritt zu minimieren“, erinnert sich Geschäftsführer Jörg Hirzmann. Komfortfunktionen wie eine Linkshänder-Version und eine Vergrößerungsfunktion sind ebenfalls implementiert. Diese ist in der Praxis wichtig, denn „Baumkontrolleure werden immer älter“, wie Hirzmann erklärt. Und so müssen sich diese zum Bedienen immerhin nicht auf ihre Lesebrille verlassen – praktisch.

Eine interessante Preispolitik verfolgt dagegen die map topomatik Digital Portfolio GmbH & CO. KG. So setzen die Hamburger bei ihrer Software Immospector Tree auf eine jährliche Grundgebühr, die sich aus einem Euro pro erfasstem Baum oder alternativ aus 399 Euro zusammensetzt. Darüber hinaus stellt das Unternehmen bei Bedarf getrennte Zugänge bereit, sodass ausführende Firmen ihren Kunden eine Möglichkeit bereitstellen können, den Fortschritt der Arbeiten live nachzuvollziehen.

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Schnelle Bedienung, schneller Workflow

Benutzerfreundlichkeit steht im Fokus der PBSGEO GmbH. Dementsprechend ist die Software pg_baum, die auf der Messe vorgestellt wird, auf schnelle Bedienung und intuitive Baumkontrolle ausgelegt. Und das geht schon mit dem Workflow los. Über eine Datenansicht zu jedem einzelnen Baum im Kataster wird der Benutzer zu den hinterlegten Befunden und schließlich den Maßnahmen geleitet, die für jeden Baum ergriffen werden müssen, sodass die zur Verfügung stehenden Informationen sinnvoll geordnet sind. Auch darüber hinaus ist die Benutzeroberfläche sehr durchdacht und erinnert fast schon an das Interface eines Apple-Produkts. So lassen sich für jeden Baum eine Reihe vordefinierter Parameter schnell dazuschalten und Kommentare hinterlassen. Dank der Synchronisierung der Daten könnten die Endgeräte theoretisch auch als Kommunikationsmittel genutzt werden, wie Geschäftsführer Stefan Schumacher ausführt.

Ganzheitlich geht es bei der R3 GIS G.m.b.H. weiter. So ist die betriebseigene Green Spaces-Software eigentlich für das Management von Kommunen ausgelegt, allerdings existiert auch ein designiertes Programm zum Baummanagement. Dabei haben die Programmierer mit zahlreichen Fakultäten zusammengearbeitet, unter anderem der HAWK in Göttingen und der Universität Mailand. Das Besondere: Neben dem eigentlichen Baummanagement ermöglicht es Green Spaces, die Kosten und Gewinne sichtbar zu machen, die durch die Bewirtschaftung und Instandhaltung von Grünflächen entstehen. Denn die CO2-Bindung und Feinstaubtilgung der Bäume haben laut Weltbank einen monetären Gegenwert. Eine entsprechende Visualisierung kann z.B. dabei helfen, Bürgern die Wichtigkeit von Grünanlagen sichtbar zu machen.

Trotz einer Vielzahl an ausgereiften Lösungen ist die Entwicklung der Baumkataster ein fortschreitender Prozess. Welche Durchbrüche erzielt oder neuen Methoden ausprobiert werden, erfahren Interessierte spätestens bei der nächsten Ausgabe der Deutschen Baumpflegetage. Anberaumter Zeitpunkt ist vom 06. bis 08. Mai 2025.

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