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Fahrzeug-Test Can-Am Traxter Pro DPS HD10 T: vielseitiges Kraftpaket

Bombardier Recreational Products (BRP) hat mit dem Can-Am Traxter Pro ein vielseitiges UTV entwickelt, das eine hohe Nutzlast-Beförderung bei ausgeprägter Geländegängigkeit bietet. Welche Vorteile das UTV aufweist und wo die Konstrukteure noch nachsteuern könnten, hat Bauhof-online.de herausgefunden.

Lesedauer: min | Bildquelle: Tim Knott
Von: Tim Knott

„Spaß macht das schon“, ruft Christian Ziegeltrum vom Bauhof Füssen, während er mit dem Can-Am Traxter Pro über die Bergstraßen des Allgäus donnert. Sein nächster Satz geht im Dröhnen des 82-PS-Rotax-Motors unter. Zwar schafft das Triebwerk mit seinen 93 Nm Drehmoment auch steilere Hänge. Kehrseite der Medaille: das ohrenbetäubende Motorengeräusch, das schon bei 80 km/h eine Kommunikation innerhalb der kleinen Kabine fast unmöglich macht.

Dafür stimmt die Griffigkeit. Auch die schneebedeckte Fahrbahn zur Allgäuer Saloberalm kommt das UTV sicher hinauf. Zumindest so lange, bis die Reifen auf einer Eisfläche endgültig durchdrehen. Hier tut sich die Maschine zuerst schwer, bevor der manuell zugeschaltete Allradantrieb und das Hinterachs-Differenzial inklusive Geländemodus eingreifen.

Vom Experten gibt es Zustimmung: „Es ist ein cooles Fahrgefühl“, beschreibt Ziegeltrum die Fahrt. Positiv fällt vor allem die Beschleunigung auf, auch wenn sich mit einem UTV kein Geschwindigkeitsrekord aufstellen lässt. Bei durchgedrücktem Bleifuß sind 100 km/h schnell erreicht. Respektabel, auch wenn der Motor dabei so sehr aufbrüllt, dass man sich nach einem Gehörschutz sehnt. „Das ist schon ein großes Manko. Das wäre mir langfristig zu unangenehm“, bemerkt der Bauhof-Mitarbeiter. Auch die quietschenden Bremsen tragen ihren Teil zur Geräuschkulisse bei, was neben dem starken Motorengeräusch jedoch eher zur Nebensache wird.


Eine Dichtung hält nicht dicht

Ganze Arbeit leistet dagegen die Heizung, die die Kälte des Allgäuer Winters schnell aus der Kabine vertreibt. Eine Wohlfühl-Atmosphäre stellt sich dennoch nicht ein, da genau in diesem Moment Regentropfen durch die Türdichtung quellen. Tatsächlich scheinen diese weder wind- noch wasserdicht zu sein, da die Türen nicht formsteif genug sind und die Kabine auch dementsprechend schlecht abdichten. So lassen sie sich am oberen Rand trotz Verriegelung von innen einfach aus dem Rahmen drücken. Ebenfalls nervig: Im Fußraum sorgt ein stetiger Luftstrom auf Dauer für kalte Füße. Insgesamt schwierige Bedingungen, wenn das Fahrzeug ganzjährig eingesetzt werden soll.

Abgesehen von der Dichtungs-Problematik gibt es bei den Türen allerdings auch eine positive Überraschung. Denn wo diese bei etwa 90 Prozent aller Pkw vorne an der A-Säule angeschlagen sind, fällt der Traxter aus der Reihe. Stattdessen befinden sich die Scharniere an der C-Säule, sodass die Türen nach hinten aufgehen. Diese technische Lösung – auch als Selbstmördertüren bekannt – sorgt beim ersten Öffnen für einige Verwirrung und Unglauben. Immerhin hat es einen Grund, warum solche Konstruktionen nicht mehr in Autos zu finden sind. Bei unbeabsichtigtem Öffnen während der Fahrt werden die Türen aufgrund des großen Luftwiderstands aufgerissen, was neben Schäden am Auto auch zu Unfällen führt – daher der ungewöhnliche Name. Trotzdem ist der Einbau am Traxter nicht völlig sinnfrei, weil mit dem Fahrzeug eher geringere Geschwindigkeiten gefahren werden. Und bei 30 km/h sind die Auswirkungen einer unbeabsichtigt geöffneten Tür eher marginal. Derweil bietet diese Lösung einen ungeahnten Vorteil, nämlich ein bequemeres Ein- und Aussteigen, was insbesondere bei Arbeiten mit vielen Stops von Vorteil ist.

Wichtige Randnotiz: Weder Türen noch Kabine sind in der Standard-Ausstattung des UTV vorhanden. Die Hersteller sprechen hier von Zubehör, das zusätzlich zur Basisversion des Traxters erworben werden kann. Kann ist hier allerdings ein Wort mit Interpretationsspielraum, denn in der Ursprungsversion besteht die Kabine des UTV – abgesehen von Sitzen und Armaturenbrett – lediglich aus einem Überrollkäfig, Seitenspiegeln sowie Fall-Netzen an den Seiten. Jeder, der nicht vorhatte, gegen Mad Max in einem Rennen anzutreten, wird hier noch weiter investieren müssen.

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Kabine: spartanisch aber praxistauglich

Ansonsten bietet die Kabine eine spartanische, aber praxistaugliche Grundausstattung. Das Armaturenbrett und die entsprechenden Elemente sind komplett in robustem, aber unspektakulär wirkendem Plastik gehalten. Klar ist, bei diesem Fahrzeug schlägt Praktikabilität eindeutig Design, dazu reicht ein Blick auf die Deckenverkleidung an deren Seite vereinzelte Kabel herausragen. Bei den Knöpfen des Armaturenbrettes hört diese Praktikabilität aber leider schon wieder auf, denn nicht alle sind beleuchtet. Beispielsweise sind in der dunklen Kabine die Schalter für den Allrad-Antrieb und die Differentialsperre problemlos auffindbar. Jener für das Fernlicht aber paradoxerweise nicht. Immerhin wurde an einer wichtigen Stelle beim Komfort nicht gespart – die Sitze sind sehr bequem.

Punkten kann der Traxter auch mit seiner Übersicht. Durch die geräumige Windschutz- und Heckscheibe ist ein großer Sichtbereich über die Straße gegeben. Und auch beim Rückwärtsfahren lassen sich die kritischen Bereiche gut einsehen. Leider gilt dies nicht für die Spiegel. Während die Seitenspiegel zu klein sind, um den Straßenverkehr gut überblicken zu können, fehlt der Panorama-Mittelspiegel komplett. Den gibt’s ebenfalls unter „Zubehör“ zu erwerben.

Fazit

Die Zubehör-Problematik beiseite, bietet der Traxter eine gute Option, um auch abseits der Wege Arbeitsaufgaben zu realisieren. Wenngleich das Fahrzeug nicht unbedingt für den Ganzjahres-Einsatz ausgelegt ist, finden dennoch mutmaßlich zahlreiche Betriebe in dem vielseitigen Utility-ATV eine schlagkräftige Lösung für ihre Einsatzgebiete. Einzig bei den lauten Motorgeräuschen könnten die Konstrukteure noch nachbessern. Denn Beschleunigung ist immer gut, man sollte sich aber im Mehrsitzer auch unterhalten können.

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