Kommunen

Bayern: Streusalz wird wieder knapp

Die Stadt Königsbrunn braucht an Wintertagen fünf bis zehn Tonnen Streusalz. Da muss bei dieser strengen Wetterlage selbst das über 200 Tonnen umfassende Depot im Bauhof ständig nachgefüllt werden. Doch von den letzten acht Bestellungen durch Josef Marko im Rathaus beantwortete der ansonsten sehr zuverlässige Lieferant der Stadt in diesem Winter nur zwei mit neuen Lkw-Ladungen. Bis Montag reicht der Rest an Salz im Bauhof.

Wenn dann kein Nachschub kommt, bestellt Marko vermutlich Salz aus Salinen an den Küsten Afrikas. Deren Ware ist zwar dreimal so teuer, doch sind längst ganze Schiffsladungen nach Europa unterwegs. Hier droht nämlich erneut das Streusalz knapp zu werden. Aus Österreich und der Schweiz ist nichts mehr zu bekommen. Bayerische Salzwerke sind im Dauereinsatz. Die Großlieferanten kündigten dennoch weitere Lieferverzögerungen an, weil sie angesichts der Nachfrage aus ganz Deutschland nicht mehr nachkämen, die Lager der Bauhöfe und Straßenmeistereien aufzufüllen.

Auf mehrere Winterwochen an einem Stück und in ganz Mitteleuropa, darauf waren Industrie und Straßenmeistereien offenbar nicht mehr eingestellt. Jetzt werden bevorzugt Autobahnmeistereien beliefert, um die Fernstraßen frei halten zu können. Das erfuhr gestern auch Bobingens Stadtbaumeister Rainer Thierbach. „Uns geht es so wie allen vergleichbaren Städten“, sagte er. Das verlange, mit den Vorräten gut hauszuhalten. Schon einmal in diesem Monat blieb der Nachschub länger als eine Woche aus.

Nachschub wäre jetzt alle paar Tage nötig

Angesichts vieler Ortsteile, einer großen Gemeindefläche und eines langen Straßennetzes müssen viele Kommunen im Augsburger Land im Winter normalerweise wöchentlich ihre Lager auffüllen. Zuletzt machte steigender Verbrauch zweimal in der Woche eine Nachbestellung nötig. In Schwabmünchen reichen die beiden Silos mit 60 Tonnen bei extremem Winterwetter gar nur zwei Tage. Da es in den vergangenen Jahren danach stets wieder milder wurde und der Lieferant schnell zur Stelle war, kam der örtliche Bauhof damit gut zurecht. Nun plant die Stadtverwaltung einen Ausbau des Salzlagers auf die doppelte Menge: 120 Tonnen sollen vor Ort gebunkert werden. Doch dazu muss der Stadtrat noch das nötige Geld freigeben.

In Bobingen hat der Finanzausschuss einem Plan von Stadtbaumeister Thierbach am Donnerstag schon die Zustimmung angekündigt: Durch Abbau einer kaputten Ladevorrichtung will auch er das Salzlager verdoppeln - auf 200 Tonnen. Doch für diese Saison kommt das zu spät: „Das ist eine extreme Erfahrung. So eine Situation hatten wir noch nie. Das sagen ebenso Kollegen anderer Städte im Landkreis“, erläutert Thierbach. Bereits vor einem Jahr blieb in Bobingen einmal eine bestellte Lieferung tagelang aus. Diesmal trifft es nahezu alle Kommunen.

Griff in die Streubox ist erlaubt

Thierbach vermutet, dass dies vor allem mit der anhaltend extremen Situation in der nördlichen Hälfte Deutschlands zusammenhängt. Aus Norddeutschland meldet die Polizei vermehrt Fälle von Salzdiebstahl aus Lagern von Straßenmeistereien und Bahn. Im Landkreis ist dies kein Thema. Im Gegenteil: „In den Boxen am Straßenrand ist nur Split - minimal mit Salz vermengt. Und daraus darf man im Notfall berechtigt etwas entnehmen, wenn man zum Beispiel einen öffentlichen Weg vor dem Haus sichern muss.“ Das sagte gestern ein Sprecher der Polizei in Bobingen.

Für den privaten Gebrauch gibt es in vielen großen Geschäften noch Salz in handelsüblichen Tüten oder Schachteln. „Ganz aus war es bei uns in diesem Winter noch nie, aber öfter kurz vor knapp“, hieß es gestern in einem Supermarkt in Bobingen. In Schwabmünchen war gestern Streusalz nur schwer zu kaufen, am Montag sollen allerdings neue Lieferungen kommen, lautete hier eine Auskunft.

Quelle: augsburger-allgemeine.de

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