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Baumaschinen nicht mehr fest in Männerhand

Zeppelin bildet erstmals zwei Frauen zu Land- und Baumaschinenmechanikerinnen aus

Die Baumaschine ist weiblich – doch bislang galten Berufe, bei denen Mitarbeiter mit Baumaschinen in Berührung kommen, als klassische Männer-Domäne. Im 21. Jahrhundert rücken Frauen erstmals nicht nur in Dax-Vorstände vor, sondern sie fassen auch ganz langsam Fuß in einer Arbeitswelt, in der Frauen bis heute eine Ausnahmeerscheinung darstellen.

Das Kuriose: Die größten Baumaschinen der Welt, wie Muldenkipper, die in den Kupfer, Eisen- und Goldminen verkehren, sind bevorzugt in Frauenhänden. Das Argument: Frauen steuern  feinfühliger eine Maschine. Schon beim Auto gilt laut dem ACE, dem Auto Club Europa – auch wenn es Männer nicht gerade gerne lesen – dass Frauen die besseren Autofahrer sind. Eine Studie des ACE belegt, die Damen der Schöpfung fahren sicherer. Mehr als zwei Drittel aller Unfälle mit Verletzten werden von Männern verursacht. Sicherheit ist auch ein Aspekt, warum die großen Minenbetreiber dieser Welt die millionenschweren Investitionen lieber Frauen anvertrauen.

Keinen Frauenbonus
Anders ist es jedoch beim Warten und Reparieren von Maschinen. Die Ausbildungsquote von Frauen im Bereich Land- und Baumaschinenmechaniker liegt im Bundesdurchschnitt bei gerade einmal 0,6 Prozent – bei Zeppelin beträgt sie 1,2 Prozent. „Das ist nicht viel, aber damit liegen wir schon mal über dem Durchschnitt“, macht Walter Rohusch deutlich, verantwortlich für die gewerbliche Ausbildung bei Zeppelin. Seit 2010 hat das Unternehmen Erfahrungen mit weiblichen Auszubildenden, die ihre Lehre als Land- und Baumaschinenmechaniker absolvieren:  „Frauen wissen, was sie wollen. Sie nutzen ihre Chance, sind sehr leistungsorientiert und zeigen Geschick im Umgang mit Baumaschinen und sie strengen sich sehr an, uns von ihren Fähigkeiten zu überzeugen“, erklärt Rohusch und führt zwei Beispiele an: Aileen Bönisch und Kerstin Hof.

Kerstin Hof absolviert seit zwei Jahren ihre Lehre in der Niederlassung Straubing und Aileen  Bönisch lernt im dritten Lehrjahr in der Niederlassung Köln alles, was ein Monteur bei Zeppelin können und wissen muss. Was sie bewogen hat, den Berufsweg einzuschlagen und wie Freude und Kollegen reagiert haben, haben sie im Vorfeld zu „Werkstatt live“ berichtet, wo sie ihren Mann stehen und anderen Jugendlichen zeigen wollen, was sie in ihrer Ausbildung bereits alles gelernt haben und wie interessant ihr Betätigungsfeld ist. Dazu Aileen Bönisch, Auszubildende der Zeppelin Niederlassung Köln: „Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Technik hat mich schon immer gereizt. Darum wollte ich auch was Handwerkliches machen, das zugleich außergewöhnlich ist. Als ich meinen Freunden von meinem Berufswunsch berichtet habe, gab es unterschiedliche Reaktionen. Die einen waren sofort begeistert und fanden das hochinteressant. Von den anderen wurde schon der eine oder andere Spruch geklopft. Da muss man dann halt zeigen, dass man was drauf hat und Sprücheklopfern das Wasser abgraben, indem man durch Leistung, Können und Wissen überzeugt und sich so Anerkennung erarbeitet. In meiner Ausbildung in Köln werde ich behandelt wie jeder andere Auszubildende auch. Ich muss genauso Leistung zeigen wie jeder Mitarbeiter bei Zeppelin. Da gibt es keinen Frauenbonus. In der Regel braucht man für die Arbeiten keine Muskelkraft, sondern Köpfchen. Als Land- und Baumaschinenmechaniker muss ich mir Gedanken machen, wie ich Hilfsmittel einsetze. Man muss sich nur zu helfen wissen. Auch Männer können nicht alles alleine machen. Zur Not bitte ich eben meine Kollegen um Hilfe. Aber man hat schon seinen Stolz, es in erster Linie alleine zu schaffen. Mir macht meine Arbeit unglaublich viel Spaß – sie ist äußerst vielfältig. Ich werde nicht nur in der Werkstatt eingesetzt, sondern in Köln lerne ich auch die verschiedensten Abteilungen, wie Schweißerei, Hydraulikspezialisierung, Kettenpresse, Motor- und Getriebeinstandsetzung sowie Lackiererei, kennen. Dass man sich mit Baumaschinen die Finger schmutzig macht, dürfte jedem klar sein. Da darf man nicht empfindlich sein. Ich habe da kein Problem damit. Meine Fingernägel lackiere ich dann eben am Wochenende oder wenn ich Schule habe.“

Auf die Frage, was die gewerblichen Auszubildenden bei Zeppelin machen können, wenn sie ihre Lehre erfolgreich abgeschlossen haben, meint Walter Rohusch: „Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung ist nicht nur der Einsatz im Außendienst denkbar, sondern wir haben auch viele Jobs im Servicevertrieb, im Innendienst oder im Bereich Ersatzteile, wo technisches Wissen eine Grundvoraussetzung ist.“

Köpfchen ist gefragt
Eine, die es direkt in den Außendienst zieht, ist Kerstin Hof, die in der Zeppelin Niederlassung  Straubing lernt, wie ein Land- und Baumaschinenmechaniker einen Bagger, Radlader oder eine Raupe wartet. Ihre Motivation erklärt sie so: „Ich habe mich schon immer für Baumaschinen interessiert. Mein Vater ist Baggerfahrer und hat mir viel über die Maschinen berichtet. Er hat mir immer Prospekte von Caterpillar und Zeppelin mitgebracht, die ich eifrig studiert habe. Auch in meinem Freundeskreis gibt es einige Baggerfahrer. Als ich ihnen von meinem Berufswunsch erzählt habe, war ihre Reaktion: „Gut, dass Frauen endlich auch so was machen.“ Als ich die ersten Mal mit meinem Zeppelin Kollegen auf die Baustelle gefahren bin, waren die Kunden schon überrascht. Denn damit hatten sie nicht gerechnet. Aber wer sich als Frau in diesem Berufsumfeld bewegt, darf sich nicht den Schneid abkaufen lassen und muss zeigen, dass man was kann. Darum bin ich auch sehr stolz, dass ich zu den besten meines Jahrgangs in der Ausbildungsklasse gehöre. Ich will es mir selbst beweisen, aber auch zeigen, dass dieser Job nicht nur was für Männer ist. Nicht immer kommt man bei der Arbeit mit Muskelkraft weiter, sondern oft ist Intelligenz gefragt. Am liebsten zerlege ich das Getriebe und den Motor von einer Baumaschine, weil man bis in das innerste Maschinenleben vordringen kann und sieht, wie alles zusammenläuft.“

www.zeppelin-baumaschinen.de

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