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bauma: Hersteller setzen immer häufiger auf Elektrifizierung und vernetzte Maschinenkommunikation

Zwölf Produkt-Entdeckungen bringen den „kommunalen Blutdruck“ mächtig in Wallung

Von: Michael Loskarn

Zahllose Krane ragen kaum enden wollend in den wolkenverhangenen Münchner Himmel. In den Löffel des Riesenbaggers – mit den Ausmaßen eines Einfamilienhauses – passt problemlos ein Mittelklasse-Pkw. Fast so groß wie 85 Fußballfelder ist das Gelände, über das sich die flächenmäßig größte Messe der Welt erstreckt – die bauma. Zugegeben, der geneigte Betrachter läuft Gefahr, vor lauter Wald die Bäume nicht zu sehen. Dennoch ist es unserer Redaktion gelungen, Neuheiten, raffinierte Entwicklungen und smarte Produkte aufzutun, die den Blutdruck so manches „Vollblut-Kommunalers“ mächtig in Wallung bringen.

Um keine Begehrlichkeiten zu wecken, haben wir uns für eine Auflistung nach Alphabet entschieden.

Der neue Bobcat Minibagger E10e mit Batterieantrieb und Kurzheckbauweise (Zero Tail Swing, ZTS) passt trotz seiner 1.220 kg Betriebsgewicht problemlos durch Standardtüren sowie in Aufzüge. Ideal eignet sich der erste vollelektrische Bobcat-Minibagger für Kernsanierungen im Innenbereich sowie für den Keller- und Tiefgaragenbau. 7,5 kW leistet der Elektromotor bei einer Akkukapazität von 12,7 kWh. Zwischen 2,1 und 3,1 Km/h bewegt sich die Arbeitsgeschwindigkeit. Variabilität beweist der E10e aufgrund des ein- und ausfahrbaren Unterwagens – von 710 bis 1.100 mm changiert die Breite. Durch Anschluss des E10e an einen optionalen externen Bobcat-Supercharger in den Arbeitspausen lässt sich der Minibagger einen ganzen Arbeitstag lang nutzen. Mit einer einzigen Ladung kann er unter normalen Betriebsbedingungen vier Stunden lang ohne Unterbrechung arbeiten. Da dieses neue Modell für den Einsatz bei anspruchsvollen Abbrucharbeiten mit Hydraulikhammer konzipiert ist, verfügt es über eine Zusatzhydraulik und ein effizientes Ölkühlsystem für den Dauereinsatz von Hydraulikhämmern.

Einen zuverlässigen Überblick über das gesamte Umfeld des Fahrzeugs bietet das Backsense-Network-Radarsystem der Brigade Elektronik GmbH. Für die neue Radarlösung wird der CAN-Bus direkt in das Netzwerk des Fahrzeugs integriert und mit bis zu acht Sensoren verbunden. Mithilfe der „Frequency Modulated Continuous Wave“-Radartechnologie (FMCW) bietet es eine zuverlässige Objekterkennung im CAN-Nachrichtenformat, das einfach verarbeitet werden kann. „Bis zu acht Radargeräte können im Bildschirm im Fahrzeug eingeblendet werden“, sagt John Osmant, Brigades Managing Director. Befinde sich beispielsweise ein Hindernis links hinter dem Fahrzeug, so erscheine dies auch auf dem Bildschirm links unten, erklärt Osmant. „Die Backsense-Network-Radarlösung hat Zugriff auf sämtliche Steuerungsfunktionen des Fahrzeugs“, erläutert er. „Dadurch ist es individuell für jedes Einsatzgebiet einstellbar und kann beispielsweise in die Bewegung eines Baggers eingreifen, ihn stoppen und eine Kollision verhindern.“

Mit den ZECOM-Baggern (zero emission construction Machinery) halten batteriebetriebene elektrische Antriebsstränge Einzug in die Welt der HitachiRaupenbagger. Da die Maschinen emissionsfrei und geräuscharm arbeiten, eignen sie sich bestens für den Einsatz in geschlossenen Räumen und Wohngebieten. Bei einem Gewicht in Höhe von 2.200 kg leistet der Elektromotor satte 12 kW. Die Onboard-Ladeleistung liegt sogar bei 18 kW. Durch seine hohe verbaute Ladeleistung zeichnet sich der E-Bagger ZE 19 aus. Diese übertrifft die durchschnittliche Leistungsabnahme des Antriebsstrangs deutlich, sodass bei einem Wechselbetrieb von autarkem und kabelgebundenem Arbeiten im Verhältnis zwei zu eins ein kontinuierlicher Betrieb sichergestellt wird. Dabei wird neben einem 400 V CEE Anschluss keine weitere Einrichtung benötigt, da das Ladesystem vollständig im Bagger integriert ist. Sofern weniger Speicherkapazität benötigt wird, kann der ZE19 auch nur mit einer Batterieeinheit betrieben werden. Bei zweieinhalb Stunden liegt dann die Laufleistung – 50 Minuten dauert der Ladezyklus.

Nass- oder Trockenschleifen: Mit dem neuesten Produkt der akkubetriebenen Geräte von Husqvarna, dem Trennschleifer K 535i, ist dies alles möglich. Er ist gut geeignet für schnelle, effiziente Schnitte. Da er nicht auf die Stromversorgung des Stromnetzes angewiesen ist, erledigt er ganz einfach die Arbeit, egal wo oder wann er gebraucht wird. Selbstredend arbeitet das Gerät emissionsfrei, bietet eine geringe Geräuschentwicklung sowie niedrige Vibrationswerte. Durch sein schlankes Design und sein niedriges Gewicht von 3,5 kg lässt sich der K 535i während des Einsatzes einfach anheben, bedienen und manövrieren. Auch die zentrale Positionierung der Klinge bietet mehr Stabilität und Kontrolle im Vergleich zu herkömmlichen Winkelschleifern. Für eine erhöhte Sicherheit und leichte Bedienbarkeit stoppt die Trennscheibe von Vollgas auf Stillstand in 3,1 Sekunden. Der seitlich angebrachte Akku maximiert die Kühlung und minimiert das Risiko, dass sich Schlamm und Staub in der Maschine festsetzen. Und, bei den Schweden passt ein Akku auf alle Produkte – einerlei ob Einstiegs- oder Profigerät.

Mindestens eine Stunde hält der neue Kaltwasser-Hochdruck-Trailer von Kärcher ohne Nachfüllen durch. Ein 1.000-Liter-Wassertank sowie ein leistungsstarker Diesel- oder Benzinmotor ermöglichen mobiles und autarkes Arbeiten. Die geringe Stützlast von 75 Kilogramm macht größere Zugfahrzeuge überflüssig. Pumpe und Motor stammen aus bestehenden Produkten und haben sich bereits in der Praxis bewährt. Mit einem Druck von bis zu 230 Bar und einer Wasserfördermenge von maximal 930 Liter pro Stunde wartet der Kaltwasser-HD-Trailer auf. EU STAGE V erfüllen die Motoren bereits und ermöglichen netzunabhängiges Arbeiten. Die Cab-Version für den stationären Einsatz verfügt über Staplertaschen, um den Transport zu vereinfachen und kann auf Pritschen auf- oder in Fahrzeuge eingebaut werden. Ein Frostschutzsystem sorgt dafür, dass der Trailer selbst bei Temperaturen um den Gefrierpunkt inklusive Wasser abgestellt werden kann. Bis zu 50 Meter Hochdruckschlauch fasst die Schlauchtrommel und erleichtert die Handhabung erheblich.

Eine neue Generation der Pflasterverlegemaschinen hat Optimas mit dem S19e PaveJet vorgestellt. Was den Antrieb betrifft, so bietet Optimas neben dem Dieselmotor jetzt auch einen Elektromotor mit 25 kW an. Über 20 kW Bruttokapazität (14,8 kW Nettokapazität) verfügt der Lithium-Ionen-Akku, der sich mit mehr als 2.500 möglichen Ladzyklen äußerst langlebig gibt. Im täglichen Einsatz bedeutet dies eine Akku-Laufzeit von rund vier Stunden. Über das interne Drei-kW-Ladegerät ist der Akku nach circa fünf Stunden wieder voll leistungsfähig. Lediglich eine 230-Volt-Steckdose ist nötig. Schneller geht es über das separate Neun-kW-Ladegerät – nach eineinhalb Stunden ist der Akku wieder auf Vordermann: Als Ladequelle wird dann eine 400 Volt Kraftsteckdose benötigt. „Mit Wechselakku und Kraftstrom kann wirklich ein Tag lang durchgehend gearbeitet werden“, sagt Geschäftsführer Franz-Josef Werner. Und, in Verbindung mit dem optionalen Greifer Multi6E lasse sich jeder der sechs Greifarme von der Kabine aus ansteuern. „Der Clou“, so Werner weiter, „die passende Maulweite stellt der nach wie vor hydraulische Greifer automatisch ein.“

Mit der VM-301-Greenline hat die Probst GmbH ihre erste elektrische Pflaster- und Platten-Verlegemaschine präsentiert. Sie setzt komplett auf Akku-Technologie und damit auf ein emissionsfreies, umweltfreundliches und ergonomisches Arbeiten. Sieben Stunden ohne Nachladen verspricht Probst. Denn, die Lithium-Ionen-Akkus sind auf Ausdauer ausgelegt. Wird der VM 301-Greenline eine Pause mit kurzer Zwischenladung gegönnt, ist sogar ein Betrieb bis zu neun Stunden möglich. Alle Anbaugeräte des vollelektrischen Trägergeräts werden dabei mit einer Leistung von fünf kW über die Arbeitshydraulik versorgt. Die Arbeitsfunktionen steuert der Fahrer bequem über einen elektrischen Joystick an. Komfortabel zeigen sich auch die übersichtlich angeordneten Bedienelemente und die gute Sicht auf Anbaugeräte wie die Zange, mit der ein kompletter Pflasterstein-Verbund aufgenommen und versetzt werden kann.

Flexibler und effizienter gestaltet sich der Einsatz eines Baggers durch das neue Kombiwerkzeug für Graben und Greifen von SMP Parts. Der Greiferlöffel ist eine Kombination aus vollwertigem Tieflöffel und integrierten hydraulischen Greifarmen, die Bewegungen wie Daumen und Zeigefinger ausführen können. Damit eignet sich die Greiferfunktion hervorragend zum Setzen von Bordsteinen und Lichtmasten, zum Verlegen von Rohren, zum Festhalten von Bäumen beim Fällen sowie im Gleisbau zum Setzen von Kabeltrögen. Der Bagger wird dadurch zur Multi-Tasking-Maschine. Wenn mit dem Tieflöffel gearbeitet wird, verschränken sich beide Greiferarme derart stark, dass sie in einer Aussparung im Löffelrücken eingelegt werden und nahezu verschwinden. Beim Graben sind dadurch die Greifer nicht im Weg, stören nicht die Funktion und können nicht beschädigt werden. Selbstverständlich kann der Greiferlöffel sowohl mit als auch ohne Swingotilt eingesetzt werden.

Takeuchis TB 220e ist der Prototyp eines neuen Zwei-Tonnen-Baggers mit Lithium-Ionen-Batterie. Er verfügt als Standardausrüstung über eine Batterie mit einer Kapazität von 25 kWh und bietet damit die gleiche Leistung wie die Dieselvariante TB 216. Über einen geräumigen Fahrerstand mit hilfsgesteuerten Joysticks und über eine Anzeige mit allen wichtigen Betriebsparametern verfügt der elektrische Kompaktbagger. Bis zu acht Stunden Dauerbetrieb sind bei einer Batteriekapazität von 25 kW/h möglich. Rund vier Stunden benötigt das externe Ladegerät, um den Bagger wieder einsatzfähig zu machen. Ganze acht Stunden müssen für das integrierte Ladegerät eingeplant werden. Emissionsfreier Batteriebetrieb und reduzierte Schall- und Vibrationspegel machen den TB 220e zum geeigneten Arbeitsgerät für Innenstädte und frequentierte geschlossene Bereiche. Bis zu 70 Prozent Ersparnis gegenüber herkömmlichen Modellen bei Betriebs- und Instandhaltungskosten verspricht der Hersteller. Ein übersichtliches Farbdisplay rundet das Fahrzeugkonzept ab.

Die ersten vollständig elektrisch angetriebenen Radlader – den G2200 E sowie den G2200 E X-TRA – hat Tobroco-Giant vorgestellt. Sie sind emissionsfrei, verfügen über eine nahezu geräuschlose Bedienung und sind damit besonders geeignet für Arbeiten in geschlossenen Räumen und auf innerstädtischen Baustellen. Standardmäßig sind die E-Lader mit einer 48V-Lithium-Ionen-Batterie ausgestattet, die den Platz einnimmt, der sonst für den Motor genutzt wird. Durch zwei separate elektrische Motoren, ein 6,5 kW starker Motor für den Antrieb der Maschine und ein 11,5 kW-Motor für die Hydraulik, steht immer genügend Leistung zur Verfügung, um die unterschiedlichen Aufgaben präzise auszuführen. Tobroco-Giant bietet vier Lithium-Ionen-Batterien mit einer Leistung von 6,4 kWh (125Ah), 12,3 kWh (240Ah), 18,4 kWh (360Ah) oder 24,6 kWh (480 Ah) an. Je nach Wahl der Batterie ist eine Ladung ausreichend, um für zwei, vier, sechs oder acht Stunden unter normalen Arbeitsbedingungen zu arbeiten. Damit ist ausreichend Energie vorhanden, um den ganzen Tag zu arbeiten.

Volvos neuer kompakter E-Bagger ECR25 ist das erste kommerzielle emissionsfreie Fahrzeug der Schweden in dieser Klasse. Im Vergleich zu den herkömmlichen Pendants ist es frei von Schadstoffemissionen und hat einen niedrigeren Geräuschpegel, geringere Energiekosten, einen verbesserten Wirkungsgrad sowie einen geringeren Wartungsaufwand, verspricht Volvo Construction Equipment. Um den Bagger zu elektrifizieren wurden Lithium-Ionen-Batterien sowie ein Elektromotor verbaut, der die Hydraulik antreibt. Ausreichend elektrische Energie speichern die Batterien der Maschine, um den ECR25 acht Stunden lang in den gängigsten Anwendungen, wie etwa bei Tiefbauarbeiten, zu betreiben. Ein integriertes Ladegerät ermöglicht das Aufladen über Nacht über eine normale Haushaltssteckdose. Ebenfalls wird künftig eine Schnell-Ladeoption verfügbar sein. Neben dem ECR 25 präsentierten die Schweden auf der bauma auch den E-Radlader L25. Von Mitte 2020 an wird Volvo CE mit der Markteinführung seiner Reihe von elektrischen Kompaktbaggern (EC15 bis EC27) und Radladern (L20 bis L28) beginnen und in der Folge die Entwicklung neuer dieselbetriebener Modelle dieser Baureihe in Europa einstellen.

Einen neuen Nullheck-Minibagger hat Yanmar nun mit dem ViO23-6 im Portfolio. Mit einem Gewicht von 2,3 Tonnen sowie mit einem verstellbaren Unterbau ausgestattet, bietet er ein gelungenes Verhältnis zwischen reduziertem Kraftstoffverbrauch, Komfort und Sicherheit in einer extrem kompakten Maschine. Durch den sehr kleinen Wenderadius von nur 1.380 mm können Bediener auch auf sehr beengten Flächen arbeiten, auf denen konventionelle Maschinen sich nicht frei bewegen können – vor allem in städtischen Bereichen. Und, selbst bei geschlossenem Unterbau steht das Gegengewicht nicht hervor, und auch das Vorderteil des Oberwagens ragt nicht über die Kettenbreite hinaus. Bis auf 1.550 mm ist der Unterbau standardmäßig erweiterbar. Verbunden mit einer optimalen Masseverteilung verfügt die Maschine über eine ausgezeichnete Stabilität und eine sehr hohe Hubkapazität. Der ViO23-6 ist mit einem elektronisch kontrollierten Drei-Zylinder-Motor mit Direkteinspritzung und einer Bruttoleistung von 14,6 kW bei einer Drehzahl von 2.400 U/Min ausgestattet.

Text: Michael Loskarn – Redaktion Bauhof-online.de

Bilder: Bauhof-online.de/Husqvarna/Volvo


 

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