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Bauhof Meckenbeuren: „Wir sollten“ – und die Experten in orange machen

Meckenbeuren hat Mitte April im Rahmen des bundesweiten Corona-Gedenktages seiner zwölf Corona-Toten gedacht. In diesem Zusammenhang wurde bei der Gedenkfeier am Rathaus kurzfristig ein drei Meter hoher Kirschbaum gepflanzt: Natürlich von den Bauhof-Experten der Bodenseegemeinde – quasi von heut auf morgen organisiert und umgesetzt.

Von: Michael Loskarn

„Wir sollten da was machen“, erreicht an einem Montag im April Ursula Braunger-Martin die Order. „Wir“ bedeutet, die Fachleute des Bauhofs müssen ran. „Was“, das eruiert die Leiterin des Amtes für Tiefbau und Abwasser im Nachgang mit Bauhofleiter Günter Senf und dessen Stellvertreter, Michael Klein. Zwischenergebnis: Eine Baumpflanzaktion eignet sich perfekt für den Corona-Gedenktag. Kurzerhand soll ein Kirschbaum, der eigentlich für einen anderen Standort vorgesehen war, gepflanzt werden. Endergebnis: Bereits am Donnerstag schlägt er vor dem Rathaus Wurzeln. „Wir haben halt eine schlagkräftige Truppe“, sagt Braunger-Martin, die als Bindeglied zwischen Bauhof und Verwaltung fungiert, über die zwei Fachfrauen und zwölf Fachmänner in orange. Für solch „kreative und kurzfristige Lösungen“ halten Senf und Klein „immer zwei Leute vor“, die kurzfristig von anderen Aufgaben abkommandiert werden können. Denn, auch wenn sich ein 14-köpfiges Bauhof-Team bei einer 13.900-Seelen-Gemeinde üppig anhört – die Aufgaben sind mannigfaltig. Beispielsweise hatten die Bauhöfler zu Beginn der Corona-Pandemie das komplette Rathaus in einer dieser „Wir-sollten-da-Aktionen“ komplett mit Plexiglas-Trennwänden bestückt. Und: „Wir haben eine sehr große Fläche zu betreuen“, gibt Klein zu bedenken.

Gute 100 Hektar Grünflächen gilt es mehr oder minder intensiv zu pflegen. Mit Unimog U218, Hänger von Reisch, einem Mercedes Sprinter (Kipper), einem angemieteten Mini-Bagger, einem Weycor-Atlas-AR65e-Radlader sowie mit diversen Aufsitzmähern und Handgeräten sind die Experten derzeit in Sachen Grün- und Baumpflege unterwegs. Außerdem gilt es, auf den Spielplätzen nach dem Rechten zu sehen und marode Teile auszutauschen. Dabei werde aktuell noch „alles mit der Hand am Arm“ gemacht, erklärt die Tiefbauleiterin. Lediglich bei der Baumkontrolle baue die Gemeinde auf eine digitale Lösung. „Aber die haben wir an einen Subunternehmer vergeben.“ Im knapp 4.700 m2 großen Bauhof werden momentan noch Kladden geführt – fein säuberlich, schwäbisch-präzise. Ein Faktum, das Braunger-Martin zusammen mit Senf und Klein in den kommenden drei, vier Jahren verändert haben möchte.

Hochwasser: Bauhofleiter Senf kennt den kritischen Punkt genau

Was sich dagegen in „Mecka“ – wie die Einheimischen liebevoll ihre Gemeinde nennen – nicht verändert, ist die massive Arbeitsbelastung, die immer wieder durch Hochwasser entsteht sowie durch Frost und Schnee, sofern Frau Holle ordentlich die Betten ausschüttelt. „Im Januar sind mehr als 900 Überstunden aufgelaufen“, schildert Bauhof-Vize Klein. Bei entsprechendem Hochwasserpegel beginne der Dienst bereits um 04.00 Uhr morgens. „Unser Chef, Günter Senf, weiß genau, wann es kritisch wird, wann welche Unterführung gesperrt und mit Sandsäcken gesichert werden muss.“ Kein Wunder, denn Senf verrichtet bereits seit mehr als 30 Jahren seinen Dienst im „Bauhof Mecka“ – davon seit 23 Jahren als Leiter. Ist der kritische Punkt erreicht, arbeiten die Freiwillige Feuerwehr, das THW und der Bauhof Hand in Hand: „Dann werden die ganze Nacht Sandsäcke gefüllt“, sagt Klein. Apropos Nacht, im vergangenen Winter habe der Winterdienst bereits für einen Mann um 02.00 Uhr mit dem Weckdienst begonnen, der Rest der Mannschaft legt um 05.45 Uhr los. Grund genug für Bürgermeisterin, Elisabeth Kugel, den hohen Einsatz des Bauhof-Teams in den Gemeindenachrichten vom Januar ausführlich zu würdigen. Mit drei Großfahrzeugen, drei Kleinfahrzeugen für die Gehwege sowie zwei Fahrzeugen für den Handdienst werde geräumt und gestreut, so Kugel. Wichtig: Die Streuautomaten bringen ein Salz-Sole-Gemisch aus – „in einer möglichst geringen Dosierung und aus Umweltschutzgründen“.

Dies zeigt, Bürgermeisterin und – zwischenzeitlich – auch der Gemeinderat stehen voll hinter dem Team in orange. Was nicht immer so war. Früher sei im Ratsgremium über „jeden Laubbläser diskutiert worden“, erinnert sich Braunger-Martin. Erst ein unabhängiges Gutachten über die Arbeiten und Leistungen des Bauhofs habe zu einem Umdenken geführt. „Klar, die Ansprüche der Bürger sind auch hoch – insbesondere in Sachen Schneeräumung“, ergänzt Klein, der als Einsatzleiter für den Winterdienst verantwortlich zeichnet. Während der Pandemie habe sich die Anzahl der Beschwerden sogar noch erhöht, hat er beobachtet. „Dennoch wird unsere Arbeit alles in allem wertgeschätzt. Nach der Hochwasseraktion hat uns eine Bürgerin sogar Süßigkeiten vorbeigebracht.“ Und, die Zeiten, in denen wütende Bürger mit der Schneeschaufel auf den Unimog einschlugen, seien auch endgültig vorbei.

„Ganz widerlich ist, wenn du mit dem Freischneider in eine achtlos in die Wiese geworfene Hundekottüte mähst“, ärgert sich Bauhof-Vize Michael Klein.

Probleme bereiten dem Team derzeit eher das Corona-bedingt hohe Müllaufkommen, der Schneebruch – „der Klimawandel lässt grüßen“ (Originalton Klein) – sowie Hundekot: „Die Dogstations quellen über.“ „Ganz widerlich ist, wenn du mit dem Freischneider in eine achtlos in die Wiese geworfene Hundekottüte mähst“, ärgert sich der Stellvertreter. Auch beim Gießen mache sich der Klimawandel bemerkbar: „Wenn es anfängt zu wachsen, kommst du schier nicht rum. Jeden Sommer muss mehr gegossen werden.“ Voraussetzungen, die Wildkräuter schamlos nutzen. „Drüsiges Springkraut wächst überall, Ambrosia ist weniger verbreitet und vom Riesenbärenklau haben wir nur einen einzigen, den wir immer aufs Neue abstechen, und der Eichenprozessionsspinner ist bei uns gar kein Thema.“ Sorgen bereite dagegen der Buchsbaumzünsler. „Unsere Hecken haben echt schlecht ausgesehen“, schildert Klein. Da helfe letztlich nur der Griff zur Spritze – „Raupenfrei Xentari“ sowie „Flor Bac“ kommen zum Einsatz –, was Kollege Bernd Bäumler erledigt, der adäquat ausgebildet ist.

Ausbildung spielt generell beim Bauhof Meckenbeuren eine gewichtige Rolle. Alle Kolleginnen und Kollegen sind Facharbeiter: von der Gärtnerin über den Gärtner, den Schreiner, den Maler und Lackierer, den Maurer, den Elektriker, den Landmaschinenmechaniker, den Schlosser bis hin zum Kfz-Mechaniker reicht der Reigen. Außerdem zählt die Beständigkeit – die dienstjüngste Kollegin, Gärtnerin Tina Bucher, verstärkt seit rund vier Jahren die Mann-, respektive, Frauschaft. Satte 33 Jahre ist Gärtner Bäumler dabei. Sie fühlen sich sichtbar wohl, in ihrem 2002 erbauten, etwa 850.000 Euro teuren Bauhof. Wen wundert’s, wuchert doch das Hauptgebäude mit äußerst großzügigen Büro- und Sozialräumen, Schlosserei und Kfz-Werkstatt, Schreinerei, Malerwerkstatt, Gärtnerei, Elektrowerkstatt, Maurerlager sowie Fahrzeug- und Lagerhalle. Auf dem Außengelände ergänzen ein Gefahrgutcontainer SRC2.1W, eine Schmied-P2000-Salzlöseanlage, ein Außenlager, zwei Salzsilos mit je 50 Tonnen Fassungsvermögen und sechs Schüttboxen für Kies, Sand etc. das kommunale Wohlfühlklima. „Wir können uns nicht beschweren“, zieht der gelernte Maler und Lackierer Klein Bilanz und schiebt nach: „Wichtig ist dennoch, die in die Jahre gekommenen Sprinter sukzessive auszutauschen. Und, auf unserem Wunschzettel steht noch ein zusätzlicher Gießarm sowie ein Gerät zum Anbau an den Multihog für die thermische Unkrautbekämpfung.“ Also: Lieber Gemeinderat, wir sollten da was machen…


Fakten zum Bauhof Meckenbeuren:

Leitung: Günter Senf; Michael Klein (Stellvertreter)

Anzahl der Mitarbeiter: 14 (inklusive Bauhofleiter), plus eine Saisonkraft

Aufgabenbereich des Bauhofs: Unterhaltung der kommunalen Straßen, Gehwege, Rad- und Wanderwege; Durchführung von Fahrbahnmarkierungen; Pflege von drei Friedhöfen; Pflege der öffentlichen Grünanlagen; Instandhaltung und Pflege von 20 Spielplätzen (ein weiterer in Planung), Außenspielflächen von sechs Kindergärten und drei Waldkindergärten; Instandhaltung und Pflege von zwei Freizeitanlagen; Instandhaltung und Pflege eines Trimm-Dich-Pfads; Pflege der Skateanlage; Instandhaltung von Spielgeräten an vier Schulen; Instandhaltung und Pflege der Ruhebänke, ca. 200; Mäharbeiten; Straßenbeleuchtung ca. 2.000 (Neuanlagen u. Wartung); Straßenbeschilderung; Instandhaltung gemeindeeigener Gebäude; Betreuung der öffentlichen Plätze und Parkierungsanlagen; Anfertigung von Möbeln; Müllentsorgung ca. 100 Mülleimer und 22 Dogstations; aktive Mitarbeit und Mithilfe bei Vereins- und Gemeindefesten wie Herbstmarkt, Bahnhofsfest, Weihnachtsmarkt etc.; Unterhaltung der öffentlichen Brunnen (Reparatur, Wartung, Reinigung), der Gewässer II. und III. Ordnung, der öffentlichen Retentionsanlagen sowie des Hochwasserrückhaltebeckens Alte Ziegelhütte; Meckibus und Winterdienst ca. 96 km Straßen und 40 km Geh- und Radwege

Ausstattung des Fuhr- und Geräteparks: 1 Unimog U 300 mit Dücker UNA 600 Ausleger Ast u. Wallheckenschere, Schlegelmulcher (Böschungsmäher) sowie Gebläse; 2 Unimog U218;             Nissan Cabstar Palfinger Hubarbeitsbühne 18m; Weycor Atlas AR65e Radlader; Gabelstapler Ohrenstein u. Koppel; Multihog cx75; Hansa APZ 1003k; Renault Fructus; Piaggio Porter; 2 Mercedes Vito Kastenwagen; 1 Mercedes Sprinter Kastenwagen; 1 Mercedes Sprinter Kipper; 1 Mercedes Doppelkabiner Sprinter Kipper; Anhänger Firma Reisch + 4 PKW Anhänger; 3 Kugelmann Duplex Streuer; 2 Schmidt KL-V18 Pflüge; 1 Schmidt P2000 Salzlöseanlage; 1 Kugelmann B160/67 Pflug; 3 Schmied CP3 Pflug; 3 Schmied Stratos Streuer; Schlegelmulchgerät Humus A180H + Berti AF/ REV 180; Häcksler NHS 720 II 4; Reform RM 13 + Lipco Umkehrfräse, Schlegler, Wegepflegegerät sowie Lipco Balkenmäher; Laubsaugeranhänger Eliet 0123/G1; Agria Einachsschlepper 3400 + Egalisierrechen, Umkehrfräse, Schneepflug sowie Streuer; Aufsitzmäher Husqvarna P524 EFI sowie Husqvarna Pro flex P21 mit Pflug; Aufbau Hansa Sichelmähwerk mit Mähcontainer; Schmidt Anbaukehrbesen VKS16-H; AS Mäher 22/2; Akku Laubbläser Husqvarna 530 iBX; Handrasenmäher Firma Sabo; Freischneider Husqvarna 555RX; mobile Schutzwände für Freischneider MSW2000; Freischneider Husqvarna 525RX + Laubbläser Husqvarna 525iB (leichter und handlicher); Akku Heckenschere Husqvarna 520i HD70; Akku Teleskop Heckenschere Husqvarna 536 LIHE3; Akku Hochentaster Husqvarna 536 LIPT5; Akku Motorsäge Husqvarna T555IXP; Akku Laubbläser Husqvarna 530i BX; Akku Laubbläser Husqvarna 525iB; Heckenscheren Stihl HS82R; Stihl Motorsäge MS 441 + Einhandmotorsäge; Husqvarna Motorsägen 445; Laubbläser Husqvarna 380 BTS. Die Maschinen werden mit dem Sonderkraftstoff Aspen 2 T betrieben

Verantwortungsbereich: circa 102 Hektar Grünflächen, 28 Hektar Wasserflächen, sieben Hektar Ausschüttungen und Abgrabungen, drei Hektar für Ver- und Entsorgung

Bauhof-Standort: Daimlerstraße 12, 88074 Meckenbeuren

Größe der zu betreuenden Fläche: circa 31,90 Quadratkilometer

[Bilder: Michael Loskarn; Gemeinde Meckenbeuren (7)]

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