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Aus fünf mach eins: VG Stauden setzt auf einen gemeinsamen Bauhof

Seit Herbst 2017 gibt es in der schwäbischen Verwaltungsgemeinschaft nur noch einen Bauhof. Der Weg dorthin war ein langer. Welche Hürden erst gemeistert werden mussten und ob das Konzept letztlich aufgeht, haben wir uns vor Ort angesehen.

Von: Jessica Gsell

Wenn aus fünf Bauhöfen plötzlich ein gemeinsamer wird, kann das funktionieren – muss es aber nicht. Die schwäbische Verwaltungsgemeinschaft Stauden mit ihren Mitgliedsgemeinden Langenneufnach, Mickhausen, Mittelneufnach, Scherstetten und Walkertshofen hat vor gut zwei Jahren den Schritt gewagt. Während sich davor oftmals nur ein einziger Bauhofarbeiter um die Belange in den Orten kümmerte, steht seit dem Zusammenschluss ein neunköpfiges Team für alle kommunalen Arbeiten in der VG parat. Doch es hat seine Zeit gedauert, bis alle Verantwortlichen vom Konzept eines gemeinsamen Bauhofs überzeugt waren. Aber welche Vorteile bringt eine solche Art der interkommunalen Zusammenarbeit? Und welche Hürden gab es zu bewältigen?

Mit diesen Fragen im Gepäck machen wir uns auf den Weg nach Langenneufnach, wo direkt an der Rückseite des Rathauses das Areal des gemeinsamen Bauhofs angrenzt. Dort wartet schon Klaus Brecheisen, seines Zeichens Leiter des gemeinsamen Bauhofs der Verwaltungsgemeinschaft. Der 52-Jährige hat bereits seit 15 Jahren den Posten inne. Davor bestand sein Team in Langenneufnach – der einzigen der fünf Gemeinden, mit mehr als einem Bauhofmitarbeiter – allerdings aus gerade einmal drei Männern. „Am Anfang hatte ich schon Bedenken“, gesteht Brecheisen. Schließlich mussten jahrelange Einzelkämpfer in eine Gruppe integriert werden. Annehmlichkeiten wie den Arbeitsplatz direkt vor der Haustüre oder auch kurze Fahrtwege fielen nach dem Zusammenschluss weg. Dafür stehen den Mitarbeitern nun Sozialräume inklusive eines großzügig ausgestatteten Aufenthaltsraums zur Verfügung. Dort findet nun jede Früh eine kurze Besprechung statt, bevor die Arbeiter in Teams eingeteilt werden.   

Bauhofteam musste sich erst zusammenfinden

An den Wänden des gemütlich eingerichteten Aufenthaltsraums hängen bereits die ausgearbeiteten Pläne für den anstehenden Winterdienst. Räumeinsätze gab es zwar noch nicht, für Kontrollfahrten mussten die Männer aber schon ausrücken. Genau hier spiegeln sich die wohl größten Vorteile eines gemeinsamen Bauhofs wider. „Wir wechseln bei den Kontrollfahrten ab“, erklärt Brecheisen. Genauso wie beim Bereitschaftsdienst. So kommt jeder der neun Bauhofmitarbeiter alle zwei Monate für eine Woche an die Reihe. Noch vor nicht allzu langer Zeit ein Ding der Unmöglichkeit bei den vier Gemeinden mit nur einem Bauhofarbeiter – ihre 24-Stunden-Rufbereitschaften dauerten das ganze Jahr über. Auch an einen längeren Urlaub war kaum zu denken, jeder krankheitsbedingte Ausfall gleichte einer kleinen Katastrophe, da auf die Schnelle kein Ersatz aufzutreiben war. Ganz zu schweigen vom fehlenden Sicherheitsaspekt bei bestimmen Arbeiten, zu denen die Männer eigentlich zu zweit hätten ausrücken müssen. Auch wenn sich das Team am Anfang erst zusammenfinden musste, so zieht der Bauhofleiter zwei Jahre später ein recht positives Fazit: „Im Großen und Ganzen funktioniert die Zusammenarbeit sehr gut.“ Das sei aber nur aufgrund der Toleranz aller Mitarbeiter möglich, lobt der 52-Jährige weiter. Eine große Rolle spiele hier zudem, dass er, als Bauhofleiter, da er bei den Büroarbeiten Unterstützung erhalte, auch weiterhin selbst Hand bei den Arbeiten anlegen kann.

"Für die Betreuung von fünf Gemeinden rechtfertigt sich fast jede Anschaffung.“
(Klaus Brecheisen, Bauhofleiter VG Stauden)

Um zu zeigen, mit welchen Tätigkeiten die Bauhofmitarbeiter derzeit beschäftigt sind, brechen wir zu einer kleinen Runde quer durch das weitläufige, mehr als 7.000 Hektar große Gebiet der VG Stauden mit ihren knapp 6.400 Einwohnern auf. „Die beiden äußersten Stellen der Verwaltungsgemeinschaft sind rund 15 km voneinander entfernt“, erklärt Brecheisen. Momentan stehen Arbeiten wie Gehölzpflege oder auch Laubbeseitigung an. „Und dazu all die Tätigkeiten, die wir über den Sommer nicht geschafft haben“, ergänzt der Bauhofleiter. In eine Wohnsiedlung in Walkertshofen sind Bernhard Müller, Gerhard Schmid und Michael Maugg, eines der Bauhofteams, gerade mit dem Fällen von Buchen beschäftigt. Stämme und Gehölz werden im Anschluss mithilfe des Fendt-Traktors zum Abtransport auf einen Anhänger verladen. Die Gunst der Stunde nutzt ein Anwohner, der seinen Garten winterfest gemacht hat und bei den Bauhofmitarbeitern deshalb anfragt, ob sie nicht auch sein Grüngut mit entsorgen können. „Klar, bring es einfach her“, antworten ihm die Männer in orange – denn Bürgerservice wird in der VG Stauden großgeschrieben. Seitdem es den gemeinsamen Bauhof gibt, könne auch um einiges effektiver gearbeitet werden. „Davor mussten die Arbeit oftmals unterbrochen werden, wenn eine wichtigere Erledigung anfiel“, erinnert sich Brecheisen.

In Planung: neue beheizbare Halle

Wir setzen unsere Fahrt fort und biegen ab in einen Waldweg. Dem Bauhof wurde gemeldet, dass dort eine Eiche steht, aus der Totholz entfernt werden muss. „Ich schau mal kurz hin, ob wir das machen können oder nicht“, erklärt der 52-Jährige und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: „Wir machen fast alles, aber nicht gar alles.“ Brecheisen will wissen, ob die Baumkrone mit einer Arbeitsbühne zu erreichen ist. „Denn da raufklettern lasse ich meine Arbeiter nicht“, sagt der Bauhofleiter. Nach einem prüfenden Blick kommt er zu dem Entschluss, dass eine Arbeitsbühne ausreicht. „Das ist ein weiterer Vorteil: Wir leihen uns für einen Tag eine Bühne aus und können dann gleich alle Arbeiten in der gesamten VG erledigen, die in der Höhe anfallen“, berichtet Brecheisen. Damit sich keines der fünf Mitgliedsgemeinden benachteiligt fühlt, werden die anstehenden Aufgaben stets so aufgeteilt, dass die Bauhofmitarbeiter in jeder von ihnen präsent sind. Und auch wenn es der Bauhofleiter sehr schätzt, dass seine Männer ein umfangreiches Wissen über ihre jeweiligen Heimatgemeinden mit einbringen, so achtet Brecheisen dennoch darauf, dass sowohl die Teams, als auch die Einsatzgebiete stets durchgewechselt werden. In Grimoldsried, einem Ortsteil der Gemeinde Mickhausen, versuchen Roland Wall und Daniel Rößle derweil, dem vielen Laub rund um das Gemeinschaftshaus Herr zu werden. Zunächst werden die Blätter mit einem Laubblasgerät zu einem Haufen zusammengetrieben, bevor die beiden Männer mit Rechen und Gabel das Laub auf die Ladefläche ihres Bonetti befördern.


Um effektiv und koordiniert arbeiten zu können, muss aber auch die technische Ausrüstung des Bauhofs stimmen. Das weiß die VG Stauden und hat nach der Zusammenlegung der einzelnen Maschinen zu einem gemeinsamen Fuhrpark weiteres Geld in die Anschaffung eines Mitsubishi L 200 Basis für den Bauhofleiter, zwei Kleintransporter, einen Fendt Vario 513 S 4, einen Unimog U 218 und einen Dreiseitenkipper gesteckt. „Vergangenes Jahr haben wir zudem neue Mähgeräte bekommen sowie ein Schachtreinigungsgerät, das auf den Bonetti aufgebaut wird“, berichtet Brecheisen und merkt weiter an: „Für die Betreuung von fünf Gemeinden rechtfertigt sich fast jede Anschaffung.“ Denn jetzt können die Maschinen besser ausgelastet werden, so dass sich die Investitionskosten in kürzester Zeit amortisieren. Für das kommende Jahr ist noch ein Highlight für den Bauhof geplant: Er erhält eine neue, beheizbare Halle.

Gemeinsamer Bauhof spart Kosten ein

Und wie fällt das Urteil der beteiligten Bürgermeister nach zwei Jahren aus? „Man sieht die Effektivität“, sagt Cornelia Thümmel, erste Bürgermeisterin der Gemeinde Mittelneufnach. Dabei hat es einiges an Zeit gedauert, bis ein gemeinsamer Bauhof verwirklicht werden konnte. Erste Überlegung dazu gab es bereits 2002. Doch damals tat sich der erste Bürgermeister von Langenneufnach, Josef Böck, mit der Idee noch sehr schwer. „Wir hatten als einzige Gemeinde ja drei Bauhofarbeiter und haben uns deshalb gefragt, ob wir uns mit einem gemeinsamen Bauhof wirklich verbessern oder nicht doch verschlechtern“, erinnert sich Böck. Diese Bedenken hat er heute nicht mehr. Vielmehr sei die neue Bauhofstruktur eine große Entlastung für die Bürgermeister, da der Bauhof selbständig mit der Verwaltung zusammenarbeitet. „Wir haben jetzt Luft für Dinge, die in der Gemeinde wichtig sind“, freuen sich die Bürgermeister. Ganz abgesehen von der Minimierung der Haftungsfrage für die ehrenamtlich tätigen Gemeindeoberhäupter, wenn es um die Sicherstellung der Erledigung von gemeindlichen Aufgaben geht. Die laufenden Ausgaben für den gemeinsamen Bauhof werden über eine eigene VG-Umlage erhoben. Auch eine Einsparung bei den Kosten konnten die Bürgermeister bereits ausmachen. Musste davor beim Winterdienst noch vielfach auf die Unterstützung von Fremdfirmen gesetzt werden, stemmt der Bauhof diesen nun beinahe ganz alleine. „90 Prozent der Straßen räumen wir selbst“, berichtet Böck. Die Bürgermeister wissen aber auch: Für einen solchen Schritt in Richtung gemeinsamer Bauhof müssen alle an einem Strang ziehen: „Wenn nur eine Gemeinde meint, sie kommt dabei unter die Räder, dann funktioniert es nicht.“

Zur Mittagszeit trifft sich fast das gesamte Bauhof-Team wieder in Langenneufnach. Im Aufenthaltsraum wird zusammen gegessen und sich ausgetauscht. Wenn aus fünf Bauhöfen plötzlich ein gemeinsamer wird, kann das funktionieren – wie die VG Stauden beweist.


Fakten zum gemeinsamen Bauhof der VG Stauden:

Leitung: Klaus Brecheisen
Mitarbeiter: 9 (inklusive Bauhofleiter)
Aufgabenbereiche: Winterdienst; Grün- und Flächenpflege; Unterhaltung der gemeindlichen Straßen, Wege, Gebäude, Grundstücke und Kläranlagen; Reinigungsarbeiten; Friedhofspflege; Laub- und Gehölzpflege; Kindergartenbetreuung.
Fuhrpark: 2 Kleintransporter (VW Caddy, Nissan NV 400), Mitsubishi L 200, 1 Fendt Vario 513 mit Winterausrüstung, 1 Fendt Vario 312 mit Winterausrüstung, Unimog U 218 mit Winterausrüstung, Fendt GT 365 S, Motormäher mit Mulcher, 3 Aufsitzmäher, Deutz Agrokid 230 mit Winterausrüstung, 1 Kubota J Ackerschlepper mit Winterdienstausrüstung, 2 Auslegerschlegelmulchmähwerke, 1 Flächenfront- und Heckmulcher, 1 Seilwinde, 3 Dreiseitenkipper, 1 Sinkkastenleergerät, 3 Transportmulden
Zu betreuende Fläche: Die VG Stauden umfasst eine Gesamtfläche von mehr als 7.000 Hektar.

Bilder: Jessica Gsell - Redaktion Bauhof-online.de

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