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13. März 2018

Auf Abwegen: Die Wurzelratte im Straßenbau

Auf Abwegen: Die Wurzelratte im Straßenbau

Die Wurzelratte ist bekannt als Rodungsmesser, mit dem sich schnell und einfach Wurzeln entfernen lassen. So allerdings hat man das robuste Bagger-Anbauwerkzeug noch nicht gesehen: Die Strasser GmbH, eine Firma für Garten-, Landschafts- und Straßenbau in Bad Waldsee, setzt ihre W6 und W12 unter anderem ein, um damit Asphalt abzuziehen.

Zeigt der Hochbehälter einen großen Wasserverlust an und es tritt Wasser von bspw. einer beschädigten Trinkwasserleitung aus dem Asphalt aus, ist es gut möglich, dass kurz darauf Joachim Strasser und sein Team einen Anruf erhalten: Als Notdienst für das Wasserwerk und die Stadtentwässerung Bad Waldsee tragen sie dann mit ihrem Bagger-Anbauwerkzeug die Asphaltdecke ab, um darunter die defekte Wasserleitung aufzuspüren und zu flicken. „Für uns sind diese Arbeiten ein weiterer Beweis, dass die Wurzelratte so gut wie unzerstörbar ist“, sagt Hartmut Neidlein, Entwickler der Wurzelratte dazu. „Wir geben ab der dritten Generation der Original-Wurzelratte sogar zehn Jahre Garantie gegen Riss und Bruch der Messerplatten, allerdings nur bei vorgesehener Verwendung. Asphaltabziehen gehört nicht dazu, dass aber weiß Herr Strasser.“

Asphalt schneiden mit der Wurzelratte

Je nach Schichtung des Erdreichs sucht sich Wasser unterirdisch seinen Weg: Der Leitungsdefekt kann daher sowohl direkt an der Austrittsquelle liegen oder aber auch weiter davon entfernt. Um das Sandbett freizulegen, in dem die Leitungen liegen, muss auf der Suche nach dem Schaden zuerst die Asphaltdecke abgetragen werden. Mit der Kante der Wurzelratte schneidet der Baggerführer dabei zunächst V-förmig, etwa 12 bis 15 Zentimeter tief und mehrere Meter lang, in den Asphalt. Beim Abtragen der Asphaltdecke macht sich Joachim Strasser die robuste Konstruktion aus Spezialstahl des Bagger-Anbauwerkzeugs zunutze. Danach fährt er mit dem Winkel zwischen Asphaltdecke und Frostschutz-Tragschicht und zieht den Asphalt ab. „Mit der Wurzelratte geht das einfacher als früher. Mit der Diamantsäge müssen wir seitdem nur noch vor dem Instandsetzen des Asphalts eine gerade Kante schneiden“, erklärt Strasser. Mit dem Baggerlöffel lassen sich anschließend die Bruchstücke einfach abtragen und der Baggerführer kann sich mit Hilfe von Kabel-Leitungsplänen und dem Baggerlöffel nach unten zu den Versorgungsleitungen durchgraben.

Keine Verschleißteile, geringe Investitionskosten

Früher haben sie mit der Säge jeweils senkrechte Schnitte in die Asphaltdecke gesetzt. Dabei mussten sie die Diamantblätter kühlen, wofür es wiederum notwendig war, Wasser bereitzustellen. Nach dem Schneidvorgang zertrümmerten sie mit einem Kompressor den Asphalt, mit dem Baggerlöffel wurden die Bruchstücke abgetragen und das Kiesbett mit den Leitungen freigelegt. Der geringere Aufwand, der mit dem Rodungsmesser notwendig ist, spiegelt sich in den Kosten wider: „Eine Wurzelratte ist deutlich günstiger – egal ob, ich die Kosten für Diamantschneideblätter vergleiche oder ob es um eine Fräse geht, die wir früher zum Roden von Wurzelstöcken eingesetzt haben“, so Strasser. Darüber hinaus kommt das Bagger-Anbauwerkzeug ohne Verschleißteile aus. Dadurch fallen keine Zusatzkosten an, obwohl Strasser seine Wurzelratten mindestens zwei Mal pro Woche im Einsatz hat und dabei eben auch für grobe Arbeiten am Asphalt einsetzt. „Die Wartung beschränkt sich bei uns auf das Nachschleifen der Schneidklinge. Das erledigen wir zwei bis drei Mal pro Jahr mit dem Winkelschleifer“, so Strasser.


Eine Wurzelratte, viele Einsatzmöglichkeiten

Seit 2012 hat Strasser mittlerweile die W6 und die W12 in seinem Betrieb im Einsatz. „Die Vorführung einer kniffligen Rodung an einer Natursteinmauer durch den Entwickler Herrn Neidlein hat uns damals sofort von der Wurzelratte überzeugt“, erzählt Strasser. „Mit einer Fräse wären wir gar nicht an diese enge Rodungsstelle herangekommen.“ Mit der Wurzelratte am Bagger aber, der zudem am Schwenkkopf mit einem Tiltrotator ausgestattet war, um den Löffel schräg zu stellen und jede erdenkliche Position einnehmen zu können, ließ sich der Wurzelstock einfach entfernen – ohne dabei die Natursteinmauer zu beschädigen. „Da war für uns klar, wir brauchen eine Wurzelratte“, so Strasser. Seitdem hat er seine „Ratten“ immer dabei, nicht nur, um damit Asphalt abzuziehen, sondern vorwiegend, um sie in ihrem originären Gebiet einzusetzen: zum Roden von Wurzelstöcken.

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