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ARBEITSSICHERHEIT Vorbeugen erleichtert die Brandbekämpfung

Feuerkatastrophen sind hierzulande bis vor wenigen Jahren meist in bebauten Gebieten aufgetreten, Wald- und Flächenbrände waren dagegen lediglich aus heißen Ländern im Süden bekannt. Dies ändert sich zunehmend. Budgets erst während der Katastrophe in adäquate Löschtechnik zu stecken, ist jedoch laut Experten der falsche Weg.

Lesedauer: min | Bildquelle: Wildermann/FNR; FNR; Wildermann/FNR; Anne Schils/WKR
Von: Tobias Meyer

Laut Bundesverband der Brandschutz-Fachbetriebe begünstigen verdorrte Wiesen und Wälder sowie trockene Äste und Laub die rasante Ausbreitung von Bränden. Doch bedarf es stets eines Funkens, der das Feuer entfacht. Auf natürlichem Wege schaffe das nur ein Blitzschlag. Glasscherben, die angeblich wie ein Brennglas wirken, lösten nach Erkenntnissen der Experten keinen Brand aus – dies sei durch zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegt. Und auch die größte Hitze allein vermag es nicht, weil die Zündtemperatur für ein Feuer bei 250 bis 300 Grad liegt. Es bleibe also nur der Mensch. Brandstiftung, Fahrlässigkeit und Leichtsinn seien daher die Hauptursachen für Brände in der Natur. Wer eine Zigarette achtlos aus dem Autofenster wirft, setze womöglich eine Böschung in Brand und diese dann den nächsten Wald. Auch ein zurückgelassenes Grill- oder Lagerfeuer, das nicht sorgfältig und vollständig gelöscht wurde, könne mit seiner noch glimmenden Glut einen Brand auslösen.

Es gibt keinen Ruhm durch Vorsorge

Diese Gefahrenmomente steigen künftig aufgrund vermehrter Trockenheit noch weiter an. Um diesem Umstand wirkungsvoll zu begegnen, braucht es Vorbereitung. „There is no glory in prevention“ (dt. Es gibt keinen Ruhm durch Vorsorge) ist eine Weisheit, die Feuerwehrleuten in den USA schon vor mehr als 100 Jahren bewusst war. Auch heutige Fachleute kämpfen mit diesen Hürden: Geld in ein derzeit noch nicht akutes Problem zu stecken, ist für viele Kämmerer schwierig und den politischen Entscheidern nicht leicht zu verkaufen. Brennt dann aber der halbe Landkreis, sind teure, aber Medienwirksame Löschflugzeuge am Himmel unterwegs – obwohl die nach Expertenansicht nicht wirklich Brände löschen. Sie reduzieren lediglich die Flammenhöhe. Beispielsweise erreichte das Gros des in Schweden teuer ausgebrachten Wassers kaum tief genug gelegene Bodenschichten, um wirksam einer weiteren Ausbreitung vorzubeugen. Das Budget verpuffte quasi in der Luft.

Daher braucht es vor allem im Vorfeld bereits ein schlüssiges Konzept. In den bayerischen Bezirken starteten 2023 bereits bei akuter Waldbrandgefahr die Beobachtungsflüge, um Brände schon sehr früh zu erkennen. Denn hier zählt jede Minute. Die Kosten für Technik und Treibstoff bezahlten die jeweiligen Regierungen wie etwa Unterfranken und Oberbayern. Während der mehr als 14.000 Flüge arbeiteten die Piloten sowie speziell ausgebildete Luftbeobachter etwa 10.000 Arbeitsstunden – zum größten Teil ehrenamtlich im Rahmen der Luftrettungsstaffel Bayern e.V. Dabei meldeten sie fast 500-mal Rauchentwicklung, 90 Flächenbrände, 20 Waldbrände und zwei unbeaufsichtigte Feuer. Künftig sollen auch Satellitendaten dabei helfen, die potenziell gefährdetsten Stellen im Vorfeld zu bestimmen.

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Zufahrtswege für Löschfahrzeuge sollten frei sein

Vor allem aber sind es kleine Maßnahmen, die gerne unterschätzt oder übersehen werden, im Brandfall aber schlimme Folgen haben: So müssen etwa die entsprechenden Zufahrtswege frei sein, um dort auch mit Löschfahrzeugen durchzukommen. Dafür kann sich die Kommune auch mit Forstämtern und Landwirten abstimmen und die betroffenen Wege freischneiden lassen. Wuchern Hecken in weniger frequentierte Wege, erschwert dies Einsatzfahrzeugen zwar die Zufahrt, meisten kommen sie dennoch durch. Schwierig wird es bei generell schlecht ausgebauten Wegen oder in steileren Lagen. In den Wegebau zu investieren erhöht also nicht nur den Komfort für die dort verkehrenden Fahrzeuge, sondern auch die generelle Sicherheit der Region.

Dabei reichen die feuer-präventiven Maßnahmen noch einen Schritt weiter: Hierbei werden vor allem Brandschneisen bereits im Vorfeld angelegt, sodass ein Feuer kaum großflächig um sich greifen kann. Das erfordert jedoch Fachkenntnis und muss individuell für jede Region angegangen werden. Fachkräfte für entsprechende Planungen oder adäquate Fortbildungen bot bis vor Kurzem das Projekt „Waldbrand Klima Resilienz“. Es fiel jedoch der Streichung des Waldklimafonds im Bundeshaushalt 2024 zum Opfer. Man versuche jedoch, die WKR-Initiative ehrenamtlich weiter am Leben zu erhalten. Projektleiter Alexander Held ist Forstwissenschaftler und Feuerökologe am European Forest Institute, er gilt als Experte für forstliches Risiko-Management: „Bisherige Konzepte waren zu oft limitiert auf den Aspekt der Feuerbekämpfung. Künftig muss präventiven Maßnahmen mehr Aufmerksamkeit zukommen. Dazu gehören eine gute Walderschließung, die Einsatzfahrzeugen leichten Zugang zu einem Waldbrand gewährt, die Erstellung von Waldbrandeinsatzkarten und das Anlegen von Feuerschneisen, Brandschutzriegeln, Löschteichen und Pflugstreifen entlang von Straßen bzw. Bahnlinien. Dem kontrollierten Brennen kommt in der Waldbrandprävention ebenfalls eine strategisch wichtige Rolle zu. Dafür bedarf es aber einer fundierten Ausbildung und Praxiserfahrung. Waldbauliche Maßnahmen hin zu klimaresilienteren Beständen sind ein längerfristigeres Ziel. Der Waldumbau hin zu strukturreicheren Mischwäldern mit typischem Waldinnenklima kann hier einen wichtigen Beitrag zur Verringerung der Waldbrandgefahr leisten.“

Wenn es nun doch brennt

Eine seit langem bekannte Praktik ist das Vorhalten von Löschwasser in Güllefässern bei Landwirten. Die entsprechenden Geräte werden dann so abgestellt, dass sie schnell und eventuell auch von anderen Landwirten angehängt werden können. Organisatorisch muss dafür zumindest eine Telefonliste mit allen in der Gemeinde verfügbaren mobilen Tanks bei den Feuerwehren parat liegen. Dies allein reicht jedoch nicht aus, denn bei größeren Bränden ist ein Fass schnell aufgebraucht und muss möglichst zügig neu befüllt werden können. Dafür werden geeignete Stellen ausgewiesen, und die Landwirte müssen sich dort mit den Örtlichkeiten vertraut machen können. Geeignet sind neben klassischen Löschteichen vor allem gut zugängliche Fließgewässer, etwa an Wehren, Schleusen oder Bootsanlegern mit Slipanlagen. Bid Flächenbränden eignet sich auch großes Bodenbearbeitungsgerät wie Grubber oder Scheibenegge, was ebenfalls in Bereitschaft gehalten werden sollte.

Eine weitere Möglichkeit sind kleinere, an der Fronthydraulik mitgeführte Löschsysteme. Die Möglichkeiten reichen dabei von einfachen Wasserbehältern in Form eines IBC mit einer benzinbetriebenen Pumpe bis hin zu professionellen, mobilen Brandunterdrückungsanlagen. Für Kontrollfahrten etwa mit einem Pick-Up bietet das WKR zudem eine Anleitung zum einfachen Aufbau einer Löscheinrichtung, die Bauteile sind alle in normalen Baumärkten bzw. dem Fachhandel zu bekommen.

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