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Anhängekehrmaschinen: Günstig und leistungsfähig

Wer viel zu kehren hat, muss nicht zwangsweise ein speziell für diesen Zweck gebautes Fahrzeug anschaffen, unabhängig davon, ob Innenstadt oder Bundesstraße gesäubert werden sollen. Denn einige Hersteller bieten auch gezogene Kehrmaschinen an, die ähnlich leistungsfähig sind, aber weniger kosten.

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Anhängekehrmaschinen nehmen den Schmutz meist mechanisch auf und verursachen deshalb weniger Lärm und Feinstaub als saugende Kehrmaschinen. Die Serie MSH von Aebi Schmidt konkurriert mit den kompakten Kehrfahrzeugen, die meist in Innenstädten eingesetzt werden. Sie kann von einem Kompakttraktor gezogen werden, der entweder eine 540er-Zapfwelle oder eine Hydraulikpumpe mit 30 l/min Fördervolumen an Bord haben sollte. Der Kehrgutbehälter von entweder 0,7 m3 oder 1,5 m3 (erkennbar an der Typenbezeichnung) sowie die variable Anhängung sorgen dafür, dass Kehren auch bei engen Platzverhältnissen möglich ist. Zudem verfügt der Behälter über eine Hochentleerung auf 1,5 bzw. 1,8 Meter. Zwei vor der Achse angebaute Seitenbesen kehren den Schmutz zur Mitte des Gerätes, wo er von der hinter der Achse angeordneten Kehrwalze direkt in den Behälter geschleudert wird. Über das Bedienpult lässt sich das hydraulische Heben und Senken der Tellerbesen steuern. Gegenüber der HSM 070 arbeiten am Modell 150 etwas größere Besen, die auch schneller laufen und so etwas mehr Kehrleistung bieten. Gefahren werden kann sie bis max. 40 km/h, die Arbeitsgeschwindigkeit gibt Schmidt mit zwölf km/h an. Daraus ergibt sich durch die maximale Arbeitsbreite von 1,9 bzw. 2,2 Meter eine Flächenleistung von 22.800 bzw. 26.400 m2 pro Stunde. Eine Wassersprühanlage mit 200 bzw. 500 Liter Fassungsvermögen ist ebenfalls an Bord.

Die Wasa 300+ verfügt dagegen über einen drei Kubikmeter fassenden Behälter und ermöglicht so das Abfahren großer Areale und Strecken mit einer Flächenleistung von bis zu 48.000 m2 pro Stunde. Ihre hintere Bürstenwalze kehrt den Schmutz dabei auf einen Elevator, der den Behälter von oben befüllt. Dank Schwenkfunktion an der Zugdeichsel ist sie wendig und kann auch seitlich versetzt zum Zugfahrzeug arbeiten. Am Bedienpult steuert man hier neben den Tellerbesen auch den hydraulischen Bodenauflagedruck. Zwischen den Einsatzorten kann die Maschine dann wie ein regulärer Anhänger mit bis zu 80 km/h gezogen werden, wofür sie auch mit einem ABS-Bremssystem ausgerüstet ist. Beide Schmidt-Maschinentypen (Wasa und MSH) erfüllen mit vier Sternen das beste Level der PM10/PM2,5-Zertifizierung hinsichtlich Feinstaub.

Als großen Vorteil sehen die Experten des Herstellers die Flexibilität und die vergleichsweise niedrigen Kosten: günstiger als eine selbstfahrende Kehrmaschine, dafür mit diversen Fahrzeugen aus dem Fuhrpark kombinierbar. Einsatzgebiete der HSM sind dabei eher Innenstadt, Park oder Friedhof, auch aufgrund der geringen Lautstärke. Die Wasa+ dagegen kann auch in großen Industrie-Arealen wie etwa Häfen oder auf langen Straßen eingesetzt werden, sie konkurriert bereits mit klassischen Lkw-Kehrmaschinen.

Sprühanlage zur Staubbindung

Auch Hersteller Global Sweep Tec (GST) hat zwei gezogene Kehrmaschinen im Programm: Die GST M0.7 hat einen 0,7 m3 fassenden Behälter und arbeitet ebenfalls nach dem oben beschriebenen Elevator- bzw. Paternoster-Prinzip. Ihre Entleerung erfolgt seitlich, in den Wassertank der Sprühanlage zur Staubbindung passen 300 Liter. Bei maximal zwei Meter Kehrbreite kann mit bis zu 15 km/h gearbeitet werden. Bezüglich der Flächenleistung kommt die M0.7 so auf 30.000 m2 pro Stunde. Angetrieben wird sie entweder über eine Zapfwelle oder direkt über eine Leistungshydraulik, die 40 l/min liefern können sollte. Je nach Länderspezifikation kann die Maschine mit bis zu 140 km/h wie ein normaler Anhänger am Fahrzeug transportiert werden.


Wer große Mengen Schmutz von großen Flächen schaffen will, sollte sich die GST M1.2 näher anschauen, sie habe laut GST den Vorteil von quasi unendlicher Reichweite: Sie ist dafür statt mit einem Behälter über ein Förderband mit der Ladefläche des Zugfahrzeuges verbunden. Ist dieses voll, wird die Maschine einfach an den nächsten Laster gehängt, die Arbeit geht ununterbrochen weiter, ohne dass zwischendurch ein Ort zum Entleeren vorhanden sein muss. Da für diese Einsätze meist ein Lkw als Zugfahrzeug eingesetzt wird, welcher im Heck selten eine Zapfwelle oder Leistungshydraulikanschlüsse zu bieten hat, verfügt die GST M1.2 über einen eigenen Motor, der ein Fördervolumen von 1,2 Tonnen pro Minute ermöglicht. Mit einer Kehrbreite von 2,5 bis drei Meter können etwa auf langen Straßenbaustellen auch größere Mengen Sand, Splitt oder Kies sauber entfernt werden. Für den Transport ist die Achse der M1.2 für bis zu 100 km/h zugelassen, eine Druckluftbremse ist dafür ebenfalls an Bord.

Anschlüsse nicht mehr umkoppeln

Laut Hersteller GST sei die M1.2 auch für die reguläre Reinigung großer Strecken gut geeignet, etwa auf Autobahnen. Hier fehle den Meistereien aber der Weitblick: Das Problem sei, dass die typischen Lkw-Kehrmaschinen mit Sechs- bis Sieben-m3-Behälter irgendwann entleeren müssen – was lange Wege nach sich ziehen könnte. Die M1.2 dagegen kann bei voller Ladefläche einfach an ein leeres Zugfahrzeug umgehängt werden. Da die Bedienung per Funkfernsteuerung erfolgt, müssen nicht mehr Anschlüsse umgekoppelt werden, als bei einem regulären Anhänger: Zugmaul, Lichtstrom, Luftbremse. Im Vergleich zur Lkw-Kehrmaschine gestalte sich der Einsatz einer M1.2 laut GST nicht nur effizienter, sondern spare durch die günstigere Anschaffung auch Zehntausende Euro an Steuergeldern.

Aebi Schmidt hat mit der Senior 2000 ein ganz ähnliches Modell parat, sie schafft minütlich eine Tonne Sand, Schotter oder auch Fräsgut auf die Ladefläche des Zugfahrzeuges oder in einen vom Lkw geschulterten Container, ebenfalls über ein Förderband und ebenfalls mit eigenem Aufbaumotor. Gekehrt werden kann mit bis zu 20 km/h, was durch die Arbeitsbreite von 2,9 Meter eine Flächenleistung von 58.000 m2 pro Stunde ergibt. Im Transport sind hier aber nur 25 km/h drin. Als Wasservorrat sind 1.150 Liter an Bord.

Einziger Sauger

Der polnische Hersteller Pronar nimmt den durch die beiden Tellerbesen gesammelten Schmutz nicht mechanisch auf, sondern über eine Absaugung. An Standardtraktoren ab 60 PS kann die ZMC 2.0 betrieben werden, ihr Behälter fasst 2,1 m3. Eine Wassersprüheinrichtung mit 240 Liter (optional um 200 Liter erweiterbar) Tankvolumen verringert auch hier die Staubbildung. Durch ein elektrisches Bedienpult in der Fahrerkabine des Zugfahrzeuges werden alle Funktionen der Kehrmaschine einschließlich Verzögerung gesteuert. Eine saubere Führung am Bordstein ermöglicht die hydraulisch drehbare Deichsel. Als Kehrleistung gibt Pronar 13.800 m2 pro Stunde an. Gekehrt werden kann mit sechs km/h, transportiert mit bis zu 40 km/h, eine Druckluftbremse ist daher auch hier verbaut. Der Behälter kann auf 1,66 Meter hochentleert werden. Wer schneller arbeiten möchte, kann mit dem großen Bruder ZMC 3.0 mit bis zu 20 km/h kehren, was bei max. 2,7 Meter Arbeitsbreite stolze 54.000 m2 pro Stunde ergibt. Dank der Hochentleerung auf 2,2 Meter sind auch Anhänger mit Bordwand einsetzbar. In den Wassertank passen hier 1.150 Liter. Angetrieben werden die Maschinen von einer der Zapfwelle des Zugfahrzeuges, womit die Bordhydraulik versorgt wird. Neben den Saugern hat Pronar mit der ZMC 3.1 aber auch eine mechanische Elevatormaschine im Programm, sie ist hinsichtlich der wichtigen Eckdaten deckungsgleich mit der ZMC 3.0: Hier sind zudem aber kippbare Wassertanks und für den Transport hydraulisch einziehbarer Tellerbürsten verbaut, die Wassersprüheinheit kann über das Bedienterminal eingestellt werden. Außerdem kann das Gerät als Hochdruckreiniger fungieren, 150 bar sind dabei mit Haspel und Lanze möglich.

Scantec bietet ebenfalls zwei gezogene Kehrmaschinen an, sie zielen auf Kunden mit Kompakttraktoren: 23 PS benötigt die AKM 140/600, ihr rechter Seitenbesen (850 mm mit Parallelogramm) führt den Schmutz zu zwei Kehrwalzen, die alles in den kompakten Sammelbehälter werfen. Für kleine Schlepper ab 27 PS ist die etwas größere AKM 150/1000 gedacht, ihre Deichsel wird mittels eines Trägers in die Unterlenker der Dreipunkthydraulik (Kat. 1) gehängt. Zwar gibt es hier keine Knickdeichsel, dafür kann das Fahrwerk hydraulisch in der Höhe justiert werden, womit eine Bodenfreiheit von ca. 20 cm erreicht wird. So kann die Kehrmaschine auch hohe Bordsteine überwinden. Standardmäßig ist nur ein Seitenbesen verbaut, der linke ist aber optional ebenfalls zu haben. Wie bei der HSM von Schmidt wirft der Hauptbesen den Schmutz direkt in den Behälter, gesammelt werden können ca. 0,6 m3. Die Kehrbreite beträgt inkl. Seitenbesen 1,85 Meter, insgesamt können 300 Liter Wasser mitgeführt werden. Angetrieben wird auch diese Maschine von der Zapfwelle des Traktors. Bedient wird sie direkt über die an der Zugdeichsel angebrachten mechanischen Steuergeräte, auf Wunsch gibt es auch eine Funkfernbedienung für die Kabine.

Anmerkung:

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung durchläuft die Firma GST ein Insolvenzverfahren: Durch die Corona-Pandemie fielen viele Kundentermine und Messen aus, was für den Hersteller jedoch existenzielle Bedeutung habe. Aktuell suche man zusammen mit entsprechenden Spezialisten nach Investoren, der Geschäftsbetrieb soll aber aufrechterhalten werden.

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