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Analyse zeigt: In Schwerin dauert die Vegetationsperiode länger an

Deutlicher Trend zu früherem Frühlingsbeginn und späterem Herbstende in Landeshauptstadt erkennbar

Von: Michael Loskarn

Was Experten der Stadtwirtschaftlichen Dienstleistung Schwerins (SDS) vermutet haben, hat eine Untersuchung der hydro & meteo GmbH & Co. KG aus Lübeck Ende 2018 bestätigt: Rund 24 Tage länger dauert die Vegetationsperiode in Mecklenburg-Vorpommerns Landeshauptstadt im Vergleich zu 1961 an. In Zusammenspiel mit einem – durch diverse Klimamodelle prognostizierten – Anstieg der Temperaturen, bedeute dies für die Kommune nicht zuletzt höhere Personal- und Maschinenkosten aufgrund zusätzlich notwendiger Mähgänge, ist der Analyse zu entnehmen. Langfristig sei zwar mit einem geringeren Aufwand für den Winterdienst zu rechnen. Allerdings warnen die Klimaforscher davor, derzeit die Kosten für den Personal- bzw. Streumitteleinsatz in diesem Bereich herunterzufahren. Hintergrund: Vergangene Winter hätten gezeigt, dass die „Schwankungsbreite zwischen den Jahren hoch ist“.

Indikatorpflanzen dienen zur Bestimmung der Jahreszeiten

Diverse Daten zu sogenannten Indikatorpflanzen (auch Leitphasen genannt), die seit 1961 erfasst werden, werteten die Klimaforscher für den Großraum Schwerin aus. Um den Einfluss des Menschen (Pflege, Bewässerung etc.) weitestgehend auszuschließen, konzentrierten sich die Lübecker in der phänologischen Untersuchung auf Wildpflanzen sowie Forst- und Ziergehölze. Als Zeigerpflanzen dienten für den Vorfrühling die Blüte des Schneeglöckchens und der Sal-Weide, für den Erstfrühling die Blüte der Forsythie und des Löwenzahns sowie für den Vollfrühling die Blattentfaltung der Stiel-Eiche. Was die phänologischen Jahreszeitenabschnitte des Sommers betrifft, so wurde das Einsetzen des Frühsommers über die Blüte des Schwarzen Holunders, jenes des Hochsommers über die Blüte der Sommerlinde sowie der beginnende Spätsommer über die Blüte des Heidekrauts bestimmt. Die Fruchtreife des Schwarzen Holunders läutete dagegen den Frühherbst ein, jene der Stiel-Eiche den Vollherbst und über die Blattverfärbung der Stiel-Eiche wurde der Beginn des Spätherbstes festgeschrieben. Mit dem Blattfall der Stiel-Eiche stand der Zeitpunkt des Winterbeginns fest.


Trends zeigen verlängerte Vegetationsperiode

Für den Beginn der phänologischen Vegetationsperiode setzten die hydro-&-meteo-Fachleute das Eintreten der Phase „Blüte der Sal-Weide“ fest. Mit der Phase „Blattverfärbung der Stiel-Eiche“ endete die Vegetationszeit. Ergebnis der Analyse: „Die Trends in den beiden einzelnen Phasen zeigen deutlich, dass sich die Vegetationsperiode verlängert hat. Der Beginn der Vegetationsperiode hat zwischen 1961 und 2017 durchschnittlich 2,5 Tage pro Dekade früher eingesetzt, und das Ende hat sich gleichzeitig um einen Tag pro Dekade nach hinten verschoben.“ Und im Weiteren heißt es: „Die Vegetationsperiode ist pro Dekade um etwa vier Tage länger geworden.“

Signifikante Korrelationen entdeckt

Um Aussagen zu den „Arbeitsaktivitäten“ bzw. „Arbeitsauswirkungen Winterdienst“ sowie zu „Mähgängen und Bewässerung“ treffen zu können, setzten die Experten Werte meteorologischer Daten mit jenen der SDS zu Bewässerung und Mähgängen sowie zu Winterdienst und Salzeinsatz der vergangenen Jahre in Korrelation. Schlussfolgerung der Klimaforscher: „Bei der Analyse der Mähgänge gab es signifikante Korrelationen mit den Parametern Monatsmittel der Temperatur, Monatsmittel der Tageshöchsttemperatur, monatliche Sonnenscheindauer und klimatische Wasserbilanz.“ Überraschend sei zwar, dass es keinen Zusammenhang zur Niederschlagsmenge gab sowie, dass die Korrelation mit der klimatischen Wasserbilanz geringer ausfiel als mit den anderen Parametern. Dennoch sei – bei höheren Temperaturen – durch die Beziehung zwischen der Anzahl der Mähgänge und dem Mittel der Tageshöchsttemperatur mit einer höheren Anzahl an Mähgängen zu rechnen. Auch die Verlängerung der Vegetationsperiode werde im Mittel – bei gleicher Wachstumsrate – zu einer Erhöhung der Mähgänge führen, folgerten die Forscher. Zwar korreliere die Anzahl der Arbeitstage im Winterdienst signifikant (negativ) mit den Parametern Monatsmitteltemperatur, Monatsmittel der Tagestiefsttemperatur und Sonnenscheindauer. Ein Trend ließe sich aus der „geringen Anzahl der Datenjahre“ jedoch nicht ableiten. Allerdings sei bei steigenden Temperaturen durch die Beziehung zwischen der Anzahl der Einsatztage im Winterdienst und der Monatsmitteltemperatur auch im Mittel mit einem Rückgang der Einsatztage im Winterdienst sowie mit einem verringerten Streumitteleinsatz zu rechnen.

Ansteigende Temperaturen erhöhen Aufwand

Zusammenfassend stellten die Klimaforscher fest: „Ein Vergleich von meteorologischen Parametern und Betriebsdaten der SDS zeigt einen signifikanten Zusammenhang zwischen Daten der Mähgänge und des Winterdienstes mit Temperaturwerten.“ Einen steigenden Aufwand für die Mähgänge lasse das Zusammenspiel der verlängerten Vegetationsperiode und des Temperaturanstiegs erwarten. Langfristig sei jedoch mit einem geringeren Aufwand für den Winterdienst zu rechnen. Langfristig – denn derzeit ist die „Schwankungsbreite zwischen den Jahren“ noch zu hoch.

Text: Michael Loskarn – Redaktion Bauhof-online.de

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