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AGRITECHNICA 2019 – Kommunaltechnik kommt auf Weltleitmesse der Landwirtschaft nicht zu kurz

450.000 Besucher informieren sich in der Niedersachsen-Metropole in erster Linie über Landtechnik sowie über das ein oder andere Highlight der „orangen Branche“

Von: Michael Loskarn

Beeindruckend sind die blanken Fakten: 450.000 Besucher, davon allein 130.000 Besucher aus 152 Ländern, 2.820 Aussteller aus 53 Ländern, 65 Prozent der Aussteller bewerten ihren Messeerfolg als „sehr gut und gut“ – die AGRITECHNICA in Hannover hat einmal mehr ihre herausragende Stellung als Weltleitmesse der Landtechnik bewiesen. Zwar standen in erster Linie die aktuellen Herausforderungen der Landwirtschaft im Fokus. Dennoch nutzten auch rund 220 Hersteller und Unternehmen der Kommunalbranche das internationale Schaulaufen in der Niedersachsen-Metropole, um die neuesten Produkte und Trends „in orange“ zu präsentieren. Die Bauhof-online-Redaktion hat sich – durch die „kommunale Brille“ blickend – auf der Messe umgesehen und einige interessante Produkte aufgetan.

Silbermedaille für GreenTech-Auslegemäher

Allen voran der Medaillengewinner aus Dänemark: Für die neue Auslegemäher-Baureihe „Scorpion“ hat GreenTech den AGRITECHNICA-Award in Silber erhalten. Die Baureihe umfasst zehn Modelle in drei Serien mit Reichweiten von 3,3 bis 8,3 Metern. In erster Linie die Innovationen würdigte die Neuheiten-Kommission: das zum Patent angemeldete Hybrid-Arm-System, das den Betrieb mit oder ohne Parallelführung – sowie den Wechsel auf Knopfdruck – ermöglicht; die „Auto Height Control“, die automatisch die Mähkopfhöhe an die jeweilige Geländeformation anpasst; das ebenfalls zum Patent angemeldete Vier-Punkt-Montage-System, das gegenüber dem herkömmlichen Drei-Punkt-Anbau die einseitigen Belastungen des Schleppers reduziert sowie die robuste Bauweise aus hochfestem Strenx-Stahl. Sales Director John Christensens Willkommensworte in Richtung Bauhof-online-Chronist: „Wir haben gewonnen.“ Übrigens, auch die neuen hydraulischen Schlegelmulchköpfe FR 122 und FR 162 sind clever konstruiert: Durch das „Integrated Airflow-System“ entsteht letztlich ein natürliches Vakuum. Dies erhöhe die Kapazität des Mulchkopfes und verringere den Leistungsbedarf, so der Manager.

Apropos Mulchkopf: Mit dem neuen ZETA bietet der italienische Hersteller BERTI einen Hammerschlegel-Mulcher, der an Traktoren von 60 bis 100 PS angebracht werden kann. Er eignet sich zum Mulchen von Gras und Reisig bis sechs Zentimeter Durchmesser. Um nah an Hecken oder Bäumen arbeiten zu können, sei das Getriebe nun seitlich versetzt verbaut, erläuterte Vertriebsmann Nils Michaelsen von Wilmers Kommunaltechnik. An Front oder Heck könne beispielsweise der neue GREEN 160 angebaut werden. Entsprechend seien die Zapfwellenanschlüsse bzw. die Antriebswelle konstruiert und zusätzlich in der Höhe variabel, so Michaelsen weiter.

Variabel präsentiert sich derweil auch Bobcat: In erster Linie die Konzept-Studie S70 des Quadtrack Kompaktladers auf vier kleinen Raupen kann für Kommunen oder GaLaBauer durchaus interessant sein. In einem überschaubaren zeitlichen Rahmen ließen sich die Raupen auf- bzw. abschrauben, schilderte Yasar Ergec, der für den amerikanischen Hersteller die Kommunikation abwickelt. Dadurch könne die Maschine noch vielseitiger an die Umgebung bzw. den Einsatzbereich angepasst werden. Außerdem präsentierte Bobcat zum ersten Mal die neuen Stufe-V-konformen Kompaktlader S450, S510 und S530 der M-Serie der breiten Öffentlichkeit. Sie punkteten mit mehr Ausstattung, Komfort und einem um rund 37 Prozent stärkeren Drehmoment, klärte Ergec auf.

Was das Punkten betrifft, so ist John Deere mit einmal Gold und dreimal Silber nicht zu toppen. Wenngleich die Innovation Awards für die Entwicklung von Produkten aus dem Landwirtschaftssektor verliehen wurden, stellte Bernd Rathjen, Kaufmännischer Bezirksleiter Rasen- und Grundstückspflege, einige Fahrzeuge im typischen Grün vor, die durchaus auch in orange eine gute Figur abgeben würden: der Null-Wendekreis-Mäher Z994R ZTRAK beispielsweise. Neben hydrostatischem Getriebe wartet der Aufsitzmäher mit schlauchlosen Michelin X Tweel Turfs auf – zumindest auf der Messe, und wenn man sich den Luxus als Sonderausstattung gönnen will. Besser gestalte sich laut Rathjen in jedem Fall dadurch die Traktion. Und, mit Tweels versehen, absorbiere das Fahrzeug deutlich mehr Schläge.

Schläge dürften dagegen beim KUBOTA M5101 Narrow kaum mehr der Rede wert sein, ist der 105 PS starke Schmalspurtraktor doch entsprechend komfortabel gestaltet. Versehen mit einem Vario-Flex-Federklappenschild von Wiedenmann oder einem Pendelstreuer VS 500 am Heck, sei der Traktor durchaus auch für Kommunen, GaLaBauer oder Lohnunternehmer ein effektives Arbeitsgerät, war sich Produktmanager Michael Klug sicher. „Auch der RTV X1110 ist für Kommunen sicher spannend.“ Als extrem geländegängiges Allrad-Mobil für den harten Einsatz konzipiert – ohne den Spaßfaktor aus den Augen zu verlieren – könne es zu Transportzwecken, als Zugmaschine oder für den Winterdienst genutzt werden. Zumal das Vehikel genauso robust und zuverlässig sei wie die Traktoren, Bagger und Radlader.

„Gerade bei interkommunaler Zusammenarbeit ist das System sinnvoll“,
sagt David Lindner über das TracLink Smart.

Robust und zuverlässig sind selbstredend auch die Traktoren des Tiroler Herstellers Lindner. Bemerkenswert, dass Marketing- und Export-Chef, David Lindner, am Stand nicht per se die „Maschine des Jahres“ in der Kategorie Kompakttraktor – den Lintrac 130 – in den Fokus rückte, sondern vielmehr das am Fahrzeug verbaute TracLink Smart. Die wichtigste Neuerung: Jedes Anbaugerät kann mit einem TracLink Smart Tag ausgestattet werden. Der Lintrac erkenne via Bluetooth, welches Gerät verwendet wird. Die automatische Geräteerkennung erfasse jede Arbeit im Detail, ohne dass der Fahrer selbst Konfigurationen vornehmen müsse. Durchflussmengen der Hydraulik, Drehzahlen von Motor und Zapfwellen sowie Fahrmodi würden automatisiert optimal eingestellt, so Lindner weiter. „Gerade bei interkommunaler Zusammenarbeit ist das System sinnvoll, da die Arbeitszeit sowie weitere abrechnungstechnische Daten genau erfasst werden.“

Sinnvoll in Sachen interkommunaler Zusammenarbeit können auch die Mini- und Kompakt-Knicklader von MULTIONE sein. Immerhin bieten die Italiener, die seit diesem Jahr wieder verstärkt auf den deutschen Markt drängen, satte 170 Anbaugeräte für die multifunktionellen Lader. Vom Sichelmäher über den Schlegelmulcher, die Heckenschere, einen Asphaltfertiger, Schneeschild, Schneefräse, Arbeitsbühne oder Baumstammschere – kaum enden wollend mutet das Anbaugeräte-Sortiment an. Und, „im Lifting sind wir absolut top“, ist sich Sales Director Claudio Angeloni sicher – zumindest bezogen auf die jeweilige Fahrzeugklasse. Um die zehn Geräteträger-Serien mit Hubkräften zwischen 250 bis 2.700 kg stehen seit dem Frühsommer in Deutschland zur Verfügung.

Brandneu auf dem deutschen Markt ist dagegen das patentierte Beleuchtungssystem für mobile Arbeitsmaschinen INTELLilight des schwedischen Herstellers TYRI. „Das System basiert auf einer Wireless Mesh Technologie“, erklärt Area Sales Manager Central Europe, Sibylle Naumann-Edgren. Will heißen, die LED-Arbeitsscheinwerfer sind über Bluetooth in einem geschlossenen Netzwerk miteinander verbunden und über App oder Fernbedienung steuerbar. Der Clou: Stufenlos lasse sich die Farbtemperatur einstellen – von warmweißem Halogen-Gelb mit 2.800 Kelvin bis hin zu kaltweißem Licht mit 6.500 Kelvin. Vor allem im Winter seien eher warme, gelbliche Töne von Vorteil, weiß die Managerin. Würden entsprechende Sensoren integriert, dimme sich die Beleuchtung bei entgegenkommenden Fahrzeugen von selbst oder auch, wenn die Schaufel nach oben gehe.


Beleuchtung dimmen? Am Stand von Weidemann war das natürlich nur im eigens errichteten Messekino ein Thema. Eher in gleißendem Licht wurden dagegen die modern designten Arbeitsmaschinen in rot ausgestellt. Interessant für Kommunen, Entsorgungsunternehmen oder Recyclingfirmen: der neue Radlader 9580 mit Ladeschwinge oder der neue Teleskopradlader 9580T – beide für den schweren Materialumschlag. Bullig wirken die Maschinen und dennoch nicht überdimensioniert. Sie Punkten durch Wendigkeit, Standsicherheit und Hubkraft. Optional gibt es das neu entwickelte Getriebe Power Drive 370 obendrauf: stufenlos-hydrostatisch. Übrigens, der Motor des 9580 entspricht bereits der Abgasnormstufe V. Denn: „Wir sind mitten in der Abgasumstellung. Mittelfristig werden wir alle Typen umstellen“, informierte Marketingleiterin Christina Heine.

Die Abgasnormstufe V spielt bei den Heitmann-Turbobesen oder Kehrmaschinen derzeit zwar noch nicht die übergeordnete Rolle. Dennoch lag es Michael Reckmann, Geschäftsführer des Herstellers KR Maschinen GmbH, am Herzen, die Langlebigkeit und Laufruhe der verbauten Honda-OHV-Industriemotoren in den Vordergrund zu rücken. Der Turbobesen TB 902 werde beispielsweise „zum Pflaster sauberfegen oder auch zum Einsanden“ verwendet. Übrigens, von diesem Modell gibt es auch die „flüsterleise“ Elektrovariante TB 902 E. Was die Anbau-Kehrmaschinen betrifft, so seien diese für „alle gängigen Radlader“ geeignet. Und, auch die neue Wildkrautbürste WKB 900 könnte für den ein oder anderen Bauhof-Chef interessant sein.

Nicht minder interessant: Über mehr als 65 Jahre Erfahrung in der Landmaschinenproduktion verfügt das italienische Unternehmen Aldo Annovi. Seit gut 15 Jahren engagiert sich der Maschinenbauer aus Corlo di Formigine bei Modena auch in der Wintertechnik. Vom Schneeschild für Schmalspurtraktoren bis hin zur wuchtigen Pflugscharserie, von der Turbo-Fräse AA.50 für Geräteträger von 40 bis 90 PS bis zur bulligen Schneeschleuder AA.110 für Fahrzeuge von 200 bis 350 PS sowie vom AA.SPE-Streuer mit 120-Liter Fassungsvermögen bis zum AA.SPG-P240-Selbstladesalzstreuer mit Plattenverteilung und 1,8 m3 Tankinhalt reicht das kleine aber feine Produktportfolio: Allemal wert, einen genaueren Blick drauf zu werfen.

Bilder: Michael Loskarn (9); AGRITECHNICA, S. Pförtner (2); KR Maschinen GmbH (1); TYRI (1)

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